Archiv der Kategorie: Drama

Sorry we missed you

Paketbote Ricky (Kris Hitchen) und seine Frau, die Altenpflegerin Abbie (Debbie Honeywood) leiden unter ihren schlechten Arbeitsbedingungen zu denen auch eine ungünstige Situation gehört in der er eine Vorkasse leisten muß. Als er sie bittet ihr Auto zu verkaufen tritt dies einen Teufelskreis los …

Kein Film bei dem man gute Laune bekommt. Regisseur Ken Loach ist Fachmann für Sozialdramen und liefert hier exakt dieses ab: das Portrait einer Familie bei der beide Eltern sich in undankbaren Jobs abrackern, ebenso aber von höhrerer Stelle ausgebeutet werden und im Grunde immer mehr in finanzielle Nöte geraten. Die Frustrationen der Umstände, private Probleme die auch daraus resultieren und Schlaglichter auf ein fieses, menschenverachtendes System und die Unterschicht davon … das ist was diesen Film ausmacht. Das wird zwar von Schauspielern gespielt, könnte aber auch direkt im wahren Leben mitgefilmt worden sein. Und so unspektakulär der Film auch ist, er zeigt wahr wirkende Menschen mit wahren Problemen für die ein verschwundener Schlüssel oder ein zerstörtes Gerät unfassbare Katastrophen auslösen. Deswegen lohnt der Film komplett, besonders für den Schulunterricht.

Fazit: Grausam realistisches Portrait einer Arbeiterfamilie!

The Peanut Butter Falcon

Zak (Zack Gottsagen) hat zwar das Down Syndrom, will aber trotzdem professioneller Wrestler werden. Dazu briht er aus seinem Heim aus und reist mit einem Floß auf dem Fluß – begleitet vom kriminellen Fischer Tyler (Shia LaBeouf) und Eleanor (Daktoa Johnson), Zaks alter Pflegerin …

Der Film ist im Grunde die Langfilmfassung eines Wortes: Warmherzigkeit. Wärme strahlt er schon durch seine Umgebung aus, da er verschwitzte Menschen in hitzigen Plätzen zeigt. Im Kern ist es aber eine wundervolle Story einer ungewöhnlichen Freundschaft, eine Art Road Movie auf dem Fluß. Shia LaBeouf überrascht mit einer unfassbaren Herzlichkeit, nimmt sich aber trotzdem angemessen zurück um Zack Gottsagen Platz zu lassen. Der gewinnt vom ersten Moment an die Herzen der Zuschauer und bezaubert anderthalb Stunden lang. Zum Schluß bleibt noch Dakota Johnson die mehr und mehr auftaut je weiter der Film läuft. Inhaltlich reißt er keine Bäume aus, aber muß das halt auch nicht: es ist ein kleiner, lieber, harmloser und sanfter Film den man mit einem Dauerstrahlen anschaut und hinterher im Herzen behält.

Fazit: Unglaublich herziger, witziger und sanfter Film!

Hustlers

Destiny (Constance Wu), Ramona Vega (Jennifer Lopez), Diamond (Cardi B) verdingen sich als Stripperinnen, merken aber das sie stetig nur mit einem Hungerlohn abgespeist werden. Da ihre Kunden vorrangig aus Wall Street Händlern bestehen kommen sie auf die Idee diese auszunehmen …

Erwartung contra fertiger Film: hier habe ich was ganz anderes erwartet. Jennifer Lopez auf dem Cover, ein schillernder, glitzernder Look und eine Story in der sexy Mädels die geilen Typen ausnehmen – das hätte eine reine Comedy sein können. Da aber auch Martin Scorsese am Film Interesse hatte mußte wohl etwas anderes dahinter stecken, zumal der Film eine wahre Geschichte nacherzählt. Und das obwohl die Clubszenen filmisch restlos überhöht erscheinen, die Frauen sind unfassbar attraktiv, die Ausstattungen luxuriös und fast alles was hier passiert geschieht in absoluter Glitzeroptik. Trotzdem steckt ein „Kern“ dahinter und der ist bitterernst: es geht um Frauen die zu verzweifelten Maßnahmen greifen und den Konflikt in den sie mit dem Gewissen und dem Gesetz geraten. Das alles ist nicht sonderlich hart inszeniert, sondern strahlt irgendwie dennoch den Eindruck eines Unterhaltungstitels für die Ladies Night aus. Es steckt zwar mehr dahinter, aber ob das jeder entdeclt der vielleicht daran Interesse hat … keine Ahnung!

Fazit: Irgendwo zwischen Drama und Thriller, abseits von seicher Comedykost, wonach es mitunter aussieht!

Enzo und die wundersame Welt der Menschen

Der intelligente Hund Enzo glaubt daß er im nächsten Leben als Mensch wiedergeboren wird. Daher bemüht er sich sehr das Leben seines Herrchens, dem Rennfahrers Denny Swift (Milo Ventimiglia) zu beobachten um dabei zu lernen …

Hier besteht ein starkes Risiko daß man den Film falsch einordnet: im Kern ist er nämlich ein sehr bitteres Familiendrama über einen eigentlich aufrechten Kerl dem verdammt viel Mist passiert und der sich auf unglaubliche Weise damit auseinander setzt. Dazu zählen ein Familiendrama, eine Krankengeschichte und all jenes was das Genre hergibt. Dies wird kommentiert aus der „Ich“ Perspektive eines Hundes, was auch im Trailer extrem nach vorne gekehrt wird. Trotzdem ist der Film kein Edelkitsch oder ein kindgerechtes Märchen: die Erzählstimme des Hundes ist eine unkonventionelle Möglichkeit einen bestimmten Blickwinkel einzunehmen, nichts anderes. Und so sieht man gute, liebenswerte Menschen die unfassbar schlimmes erleiden und ungewöhnliche Möglichkeiten finden sich damit auseinander zu setzen. Im Kern gibt es zwar nichts was man nicht auch aus anderen Titeln kennt, aber die hier zusammengebaute Geschichte, die warme und ruhige Erzählweise und einfache Nebenfiguren wie der beste Freund der Hauptfigur sorgen dafür daß einem über anderthalb Stunden gleichermaßen zum Lächeln wie auch zum Weinen zu Mute ist. Der einzige Haken: der Film deckt einen Zeitraum von 18 Jahren ab in dem die Hauptfigur kaum merklich altert.

Fazit: Kein kitschiger Kinderfilm, sondern bitteres, emotionales und warmherziges Dramakino!

Rating: ★★★★☆

Lara

Viktor (Tom Schilling) gibt ein großes Klavierkonzert am Geburtstag seiner Mutter Lara Jenkin (Corinna Harfouch), die aber nicht eingeladen ist. Der Versuch Viktors Aufmerksamkeit zu erreichen hat unerwartete Folgen …

Ein Film, eine Darstellerin: Corinn Harfouch. Und eine wie für sie gemachte Rolle, allerdings mit einer Figur mit der man wohl kaum Zeit verbringen mag. Ihre Figur Lara ist eine durchweg verbitterte, unangenehme Frau der wir als Zuschauer einfach nur zusehen und ihr durch einen Tag folgen. Es ist ihr 60. Geburtstag und es ist der Tag an dem ihr Sohn ein großes Konzert spielen wird. Lara ist unterwegs, trifft Menschen und redet viel … erst nach in nach erkennt man als Zuschauer was in dieser Person vorgeht und was sie so umtreiben mag. Dadurch enthüllt der Film mehr und mehr eine verletzte Seele, ob man dafür aber wirklich Gefühl entwickeln kann sei dahin gestellt. Was aber am meisten beeindruckt ist die „Echtheit“: jede Szene wirkt als sei sie nicht gespielt, sondern purer Ernst und das wahre Leben. Und das bleibt am Ende: nur in seltenen Fällen fühlt sich Film so unglaublich echt an.

Fazit: Bitter, traurig und bewegend – und mit Corinna Harfouch in überragender Form!

[rating: 49

Betonrausch

Viktor Steiner (David Kross), Gerry Falkland (Frederick Lau) und Nicole Kleber (Janina Uhse) entwickeln ein illegales System mit dem sie im Immobilienhandel mitmischen. Aus den anfänglichen Erfolgen erwachsen schnell eine Menge Probleme …

Deutsche Filme die direkt für NEtflix produziert werden? Da bin ich dabei. Vielleicht kriegt man so einen Titel ins den Fokus der einem sonst entgangen wäre, außerdem könnten Darsteller und Regisseure entdeckt werden und weitere Titel ermöglicht werden. Daher: immer her damit. Leider verhebt sich dieser Film schon im Ansatz: die Geschichte von ein paar Gaunern die ein System entwickeln bei dem sie mit kruden Wohnungskäufen ect. Geld machen können sit für sich genommen interessant, aber warum muß gleich ein so fetter Vergleich mit „Wolf of Wall Street“ her? Dazu kommt daß der Film diesem Vorbild huldigt durch einige Partyszenen in denen in Zeitlupe Drogen konsumiert werden – was restlos over the top ist. Schade, denn der Rest ist solide und gut: David Kross erweist sich ein weiteres mal als optimaler Darsteller, ebenso bringt Frderic Lau als trickreicher Gauner eine passable Vorstellung. Leider sind die Figuren für mich nicht griffig weil sie in der einen Minute cleverer sind als alle anderen und entsprechend andere Leute geschickt über den Tisch ziehen, auf der anderen Seite sind sie regelmäßig überfordert und reiten sich selber in Probleme rein. Und mit Sympathie kommt man nicht weit weil die Typen einfach zu aalglatt sind. Trotzdem ist der Film nicht langweilig und hat einige sehr glaubhafte Momente parat, insbesondere wenn normale Leute über den Tisch gezogen werden.

Fazit: Nicht in allen Punkten aufeinander abgestimmter Mix aus Partyfilm, Drama, Thriller und allem anderen dem man huldigen möchte!

Videoreview von mir: https://www.youtube.com/watch?v=wEHgDfQmpDU

Measure of a Man – Ein fetter Sommer

Der Sommer 1976 fordert einiges ab vom übergewichtigen Teenager Bobby Marks (Blake Cooper): neben den Eheproblemen seiner Eltern Lenore (Judy Gree) und Marty (Luke Wilson) stresst ihn ein Ferienjob bei Dr. Kahn (Donald Sutherland) …

Ein ereignisreicher Sommer der aus einem schüchternen Jungen einen Mann macht – das ist eine Thematik aus der es etliche Filmversionen gibt. Diese hier ist wohl keine die besonders groß auffällt oder irgendwo herausragt, aber für sich doch einen Charme hat. Schon alleine weil der Subplot in dem der schüchterne Held bei einem alten Mann Gartenarbeit übernimmt und durch die Dialoge schrittweise etwas fürs Leben lernt wage an Karate Kid erinnert. Ansonsten fängt der Film das Flair in dem er spielt ganz gut ein: es ist ein Sommer in den 70er Jahren, es ist heißt und sonnig und dieses Gefühl verströmt der Film in fast jeder Minute. Ansonsten ist es eben eine typische Geschichte eines schüchternen Jungen der sich isoliert fühlt und einen Weg finden muß seine Konflikte irgendwie zu bewältigen. Viel bleibt hinterher nicht im Kopf, außer einem warmen, angenehmen Gefühl und ein wenig Freude darüber daß man etwas so warmherziges hat sehen können. Nicht zuletzt dank dem wie immer großartigen Donald Sutherland in einer markanten Nebenrolle

Fazit: Kleines Sommerdrama mit Herz, Gefühl und ganz viel Wärme.

Rating: ★★★☆☆

Submission

Der Universitätsdozent Ted Swenson (Stanley Tucci) könnte eigentlich mit allem zufrieden sein, wird aber von einer starken Midlife Crisis geplagt. So wird er auch Mentor der neuen Studentin Angela Argo (Addison Timlin) bei der das Verhältnis recht schnell sehr innig wird …

Ein Film der gewisse Dinge enthalten könnte; dieses aber nicht tut was zu seiner Stärke und Schwäche wird. Im Kern geht es um einen frustrierten Literaturprofessor der seine Träume durch die Werke seiner Studenten auslebt, dann mit einer auf unangemessene Distanz gerät. Das hätte man viel scheußlicher und ekelhafter machen können: den Professor als geilen Lüstling inszenieren, die Story mit seelischen Abgründen oder bitteren Momenten ergänzen. Aber das passiert hier nicht: die Hauptfigur ist ein sarkastischer, trauriger Kerl, der irgendwie emotionslos wirkt und eher müde in all das reinschlittert anstatt von Gelüsten gelenkt. Damit erreciht der Film an dieser Stelle keine krassen emotionalen Tiefen, behält sich dadurch aber ebenso eine gewisse Letargie und Ruhe vor die der Film ausstrahlt. Dadurch schwingt er sich nie zu nennenswerten Größen oder Höhen auf; bewahrt aber einen ruhigen, entspannten und angenehmen Grundton der ihn eben zu einem angenehmen, kleinen Streifen macht; den man aber wohl recht schnell vergisst.

Fazit: Irgendwie zwischen die Genres geratende Geschichte, die zwar keine krassen Szenen aus seiner Thematik holt, aber kurzweilig und angenehm ausfällt!

Official Secrets

Die britische Dolmetscherin Katharine Gun (Keira Knightley) kommt im Jahre 2003 an ein brisantes Dokument über den Irakkrieg. Als sie dieses an die Presse weiterleitet steht sie als Verräterin da …

Dies ist ein Film der in meinen Augen nicht fürs Kino, sondern für die Schule gedreht wurde. Auch wenn Stars wie Matt Smith, Kiera Knightley und Ralph Fiennes dabei sind, dies ist nicht wirklich großes Kino, aber ein großes „Vorführen“: der Film bereitet einen wahren Fall auf der zwar unspektakulär verläuft, aber inhaltlich kaum härter sein könnte. Es geht um eine Geheimdienstagentin die gegen einen geleisteten Eid verstößt, eine wichtige Information weiterreicht um einen Krieg zu unterbinden und die sich dafür zwischen Medien und der Justiz in einem furchtbaren Prozess wiederfindet. Vorrangig ist dies ein Dialogfilm in dem Menschen miteinander reden, inhaltlich ist es eine sehr harte Auseinandersetzung mit einem echten Fall. Einem mit dem man sich definitiv befassen sollte oder ihn zumindest Schülern zugänglich machen sollte.

Fazit: Einerseits unspektakulär, inhaltlich aber sehr bitter und brillant!

Dem Horizont so nahe

Jessica (Luna Wedler) findet in Danny (Jannik Schürmann) ihren Traummann und hofft auf eine gemeinsame Zukunft. Allerdings trägt dieser ein dunkles Geheimnis mit sich welches alles zunichte machen kann …

So simpel die Geschichte ist, so furchtbar ist sie: junges Mädchen trifft ihren Traummann, dieser ist ein von der Vergangenheit gezeichneter und mit einer schlimmen Krankheit infizierter Mensch. Zwar finden sie zueinander, zwar halten sie sich aneinander fest, dennoch ist es klar wie diese Geschichte enden muß, zumal es die Verfilmung eines Romans ist der seinerseits einen wahren Background hat. Eigentlich unangenehmer Stoff den man sich ungern anschaut, aber es ist eben auch Kino der Gefühle und das Recht der Macher, einen Zuschauer diesem furchtbaren Emotionszustand auszusetzen. Und dank der Darsteller klappt das auch gut, wenngleich mir Luna Wendlers Figur etwas zu aufmüpfig erschien, aber das mag nur mein Empfinden gewesen sein. Als kurzweilige Romanze taugt die Nummer jedenfalls nicht, ebensowenig als Herzschmerzsterbedrama. Letztlich findet sich der Film irgendwo in der Mitte ein wo er vielleicht nicht jeden Zuschauer begeistern kann, aber sicherlich manchen richtig hart erwischt!

Fazit: Zunächst überzuckert erscheinende, danach immer bitter werdende Romanze unter hartem, unausweichlich traurigem Stern!

Rating: ★★★☆☆