Archiv der Kategorie: Thriller

Allied – Vertraute Fremde

Max Vatan (Brad Pitt) ist Offizier im Geheimdienst im Jahre 1942 in Casablanca. Dort verliebt er sich in die französische Résistance-Kämpferin Marianne Beausejour (Marion Cotillard). Als sie Jahre später als Ehepaar zusammen leben erhält Max die Information daß Marianne vermutlich eine Doppelagentin ist …

Bei der Grundkonstellation mußte ich zunächst an „Mr. & Mrs Smith“ denken bzw. an den Afang von „Brangelina“: das kam dabei rum als Brad Pitt zum letzten Mal als filmischer Teil eines Agentenehepaares zu sehen war. Aber das hat man dann hier nicht mehr: bei der Vorschau dachte ich es geht in Richtung Kriegsfilm, das stimmt so aber auch nicht. Der Film erweist sich als eine Kombination aus Thriller und ein wenig Romanze die zufällig zum Zeitpunkt des zweiten Weltkrieges spielt, es gibt ein paar Kriegsszenarien wie Schießereien oder einen Bombenangriff, aber das läuft so eigentlich nur nebenbei ab. Hauptsächlich ist es eine Sache bzw. eine Frage die den ganzen Film bestimmt und dominiert: ist sie eine Spionin oder nicht? Die Frage wird nach der etwas gedehnten ersten Hälfte aufgeworfen, da macht dann auch Brad Pitts Figur eine für mich etwas zu heftige Wendung durch, aus dem stahlharten Kerl wird plötzlich ein unsicheres Nervenbündel. Trotzdem weiß der Film zu fesseln und bewegt sich auf ein spannendes Finale hin. Man merkt nur daß gerade in der ersten Hälfte deutlich knapper etwas besser gewesen wäre.

Fazit: Spannend, dehnt seine Story aber nur auf die Lösung der einen Frage hinaus und ist insbesondere in der ersten Hälfte stark gebremst!

Rating: ★★★☆☆

Hell and High Water

Aus einem finanziellen Notfall heraus reisen die Brüder Tanner (Ben Foster) und Toby Howard (Chris Pine) durch Mexiko und rauben Banken raus. Damit erregen sie das Interesse das Texas Rangers Marcus Hamilton (Jeff Bridges) der sich mit seinem Parter Alberto (Gil Birmingham) auf die Jagd des Duos macht …

Ich sah diesen Film in einer Sneak Preview ohne je davon gehört zu haben und war somit auch relativ unschlüssig in welche Richtung das Ganze gehen sollte – lustig, spannend oder dramatisch. Ohne dieses Wissen merkte ich recht schnell daß ich einen Film sehe der sich in diesem Punkten nicht ganz sicher zu sein scheint: die Handlung hat im Grunde einen Drama Unterbau, tendiert oftmals in Richtung Thriller, bringt aber insbesondere mit Jeff Bridges Figur einen hohen Humorfaktor rein. Wirkt auf mich etwas unentschlossen, hat mir aber trotzdem gefallen: der Film ist nicht auf Action, laue Gags oder Gewalt raus, sondern etabliert ausgebaute Figuren die aus nachvollziehbaren Motiven ihre Tagen vollbringen – und Filme die einem einfach nur was erzählen wollen haben mittlerweile auch einen gewissen Seltenheitswert. Ebenso könnte man es kritisieren daß etwa Ben Foster als durchgeknallter Waffenschwinger oder Jeff Bridges als kauziger Marshall etwas fantasiearm genau nach ihren typischen Rollenbildern besetzt wurden, aber auch das ist eigentlich kein Klagegrund. Letztlich ist dies ein brauchbarer Film der nicht unbedingt im Kino zu schauen ist, als kurzweiliges und abendfüllendes Machwerk aber restlos in Ordnung geht.

Fazit: Solider Thriller mit Dramaanteil, von guten Darstellern sehr gut getragen!
Rating: ★★★☆☆

High-Rise

Dr. Robert Laing (Tom Hiddleston) zieht frisch geschieden in die oberen Stockwerke eines Hochauses ein in dem nach niederer Klasse, Mittelklasse und Oberschicht strikt getrennt wird. Diese Gesellschaftsform führt allerdings zu straken Konflikten die bei einem Stromausfall restlos eskalieren …

Filme wie dieser begegnen mir mittlerweile immer öfter: Titel die von der Presse unfassbar hoch in den Himmel gehoben werden, von niveauvollen Kritiken mir Lobeshymnen überschüttet werden – und ich sitz davor und denke mir: hähhh? Im Falle von „High-Rise“ kann ich mir wenigstens noch einen Rettungsanker greifen und sagen: joa, das was angekündigt wurde, eine Gesellschaftssatire die in einem Hochhaus passiert, ist alles restlos zugegen – nur ich kapiere nicht ein Stück davon und habe auch keine Lust mir den Film jetzt wieder und wieder anzuschauen um vielleicht Zugang zu erlangen. Ich finde Tom Hiddelston toll, als Darsteller generell sowie in diesem Film, aber ich kapiere weder seine Funktion noch die Richtung in die es hier gehen soll so wie ich den ganzen Film schlußendlich als ein bizarres Figurenkabinett auffasse die zwar allesamt ihren Grund und ihre Herleitung haben mögen, mich aber recht schnell außen vor ließen und ich zurückblieb. Deswegen: wer sich in so einen sperrigen Titel „reinarbeiten“ kann soll es gerne tun, mache ich keinem schlecht. Ich selber konnte damit von oben bis unten und von Anfang bis Ende rein garnichts anfangen.

Fazit: Schräges Gesellschaftsbild in Form eines krassen, aber nur schwer zugänglichen Titels!
Rating: ★★☆☆☆

True Story – Spiel um Macht

Der Journalist Michael Finkel (Jonah Hill) begeht einen fatalen Fehler als er bei einem Artikel statt Fakten eigene Überlegungen anbringt Trotzdem bekommt er die Chance über den inhaftierten Christian Longo (James Franco) zu berichten der seine Familie umgebracht haben soll. In den Gesprächen zwischen den beiden entwickelt sich eine eigenartige Beziehung …

Relativ braver Normalo geht auf Tuchfühlung mit einem vermutlichen Psychopathen – ein Thema das es schon öfters gab und das in verschiedener Weise ausgeführt wurde. Es mag einen hier stark an „Das Schweigen der Lämmer“ erinnern, doch dieser hier ist ganz anders inszeniert: die Verhöre geschehen bei viel hellerer Beleuchtung; in viel ruhigerer Tonlage. Des weiteren fußt dieser Film auf einem wahren Fall und hat noch im Nebensatz das Thema Medien, was ist wahr, was ist falsch und wie wird es dargestellt? Der Film macht aus diesen Themen nicht besonders viel; aber eben auch nicht nichts: es ist ein passabler, brauchbarer Titel, interessant besetzt und gespielt und auch sehr spannend wenn man den wahren Verlauf nicht kennt. Aber ebenso wenig bleibt er wirklich im Kopf haften und ist am Ende ein solider Durchschnittsthriller. Nicht mehr oder weniger.

Fazit: Kleiner Thriller mit gut agierenden Hauptfiguren und beiläufiger Medienkritik!
Rating: ★★★☆☆

Jack Reacher – Kein Weg zurück

Der ehemalige Militärpolizist Jack Reacher (Tom Cruise) besucht seine Nachfolgerin Major Susan Turner (Cobie Smulders) in Washington und stellt überrascht fest daß diese wegen Verrat inhaftiert wurde. Reacher befreit Turner und beginnt mit ihr die Hintergründe des scheinbaren Komplotts zu ergründen …

Da ist Tom Cruise wieder mal in seinem wirtschaftlichen Element: er etabliert eine Buchreihe als Kinoserie von der er stets neue Teile raus hauen kann und könnte, ausreichend Material ist wohl schon vorgeschrieben und die Rolle bzw. die Hauptfigur kann man bestens auf ihn anpassen.  Und inhaltlich ist das ganze ohnehin die pure Blaupause: er spielt einen Ermittler der eine Verschwörung im Militärbereich aufklärt, unterstützt von einer Frau die ebenfalls betroffen ist, gleichzeitig gibt’s noch eine familiäre Story dran da eine bislang ungeahnte Tochter auftaucht und eben ein böser Schurke im Nacken sitzt. Was dann folgt ist geradlinige Thrillerkost von der Stange, ein wenig Ballern, ein wenig Action, ein paar Wendungen, dann läuft der Abspann. Langweilen tut der Film nicht; aber er setzt auch zu einem Zeitpunkt irgendeinen markanten und nennenswerten Schwerpunkt. Auf zum nächsten Teil? Kann man ebenso machen wie seinlassen …

Fazit: Völlig austauschbarer und geradezu keimfreier Film der keinem nutzt und keinem schadet!
Rating: ★★☆☆☆

Secret in their Eyes – Vor ihren Augen

Die eingespielten FBI-Ermittler Ray (Chiwetel Ejiofor) und Jess (Julia Roberts) bilden ein hervorragendes Team mit Bezirksstaatsanwältin Claire (Nicole Kidman) – bis das Team zerbricht als Jess‘ Tochter brutal ermordet wird. 13 Jahre später hat Ray endlich einen Hinweis den bis dahin ungelösten Mordfall aufzurollen . Es beginnt eine schmerzhafte Wahrheitssuche …

Hier vermischen sich zwei typische Thrillerplots zu einem neuen Gebilde: es geschieht ein Mord, es wird lange getrauert und dann bringt der Film zu eben einer späteren Zeit gleich zwei Elemente zusammen: zum einen die Vergangenheitsbewältigung der Hauptfiguren; das Verarbeiten des Kummers und der Schuld, auf der anderen Seite geht es um die Ermittlung der Tat und die mögliche Chance daß die Dinge doch etwas anders sind als alle glauben. Eine solche Geschichte, präsentiert mit guten Darstellern in bitteren Rollen, einem spannenden Handlungsverlauf – was will man mehr. Eigentlich nichts. Auch die Abwesenheit von nennenswerter Action fällt an sich nicht negativ ins Gewicht. Obendrein gibt der Film zum Ende hin eine überraschende Wendung die zumindest ich so nicht kommen sah. Insofern: wer stramm erzählte Filme noch mag kanns mal versuchen.

Fazit: Bitterer Film, aber trotzdem toller Thriller mit guter Besetzung!
[rating : 4]

Girl on the Train

Rachel Watson (Emily Blunt) ist ein psychisches Wrack, fährt täglich mit dem Zug zu einer Arbeit die sie bereits verloren hat um Haus ihres Exmannes vorbei und stalkt ein Paar aus ihrer Gegend. Eines Tages wird sie dabei Zeuge eines Verbrechens und erwacht kurz darauf mit Amnesie – und weiß nicht ob sie mit den schlimmen geschehenden Dingen zu tun hat …

Auf den Film war ich relativ gespannt, vorrangig wegen des Trailers: den fand ich einfach faszinierend weil er viel brachte, eine unglaublich gute Stimmung errichtete und trotz dem vielen angedeuteten keinen wirklichen Rückschluss zuließ. Der fertige Film ist dann im Rückblick zu betrachten und man kommt an den Punkt: der Film hat ein Geheimnis, das löst er auch auf – was aber passiert ist ist kaum außergewöhnlich oder besonders, nur die Verpackung eben davon ist effektiv und clever gemacht. Obendrein ist der Film eine Mischung aus Drama und Thriller, wobei der Schwerpunkt deutlich auf dem erstgenannten liegt und trotz unheimlicher Stimmung kein Tempo und kein Druck ensteht, vor allem an der Stelle wo eine Figur spurlos verschwindet was als Info gegeben wird, sich aber sonst nicht drängelnd auswirkt. Auch ist des knifflig daß es im Grunde keine sympathischen Figuren im Film gibt, auch die von Emily Blunt gespielte Hauptfigur ist zwar toll inszeniert und bizarr verdreht, aber eben auch kein Sympathieträger. Es ist das Mysterium weil man eben wissen will was denn nun passiert ist – naja, reicht ja auch schon.

Fazit: Mehr Drama als Thriller mit guter Stimmung und gut aufgeschobener Auflösung!
Rating: ★★★★☆

The Accountant

Von Kindheit an zeigten sich bei Christian Wolff (Ben Affleck) Zeichen der Hochbegabung, dafür hat er starke Probleme im Umgang mit seinen Mitmenschen. Als Erwachsener arbeitet er als Buchhalter, führt aber in Wirklichkeit Geschäfte für brutale Unterweltgestalten aus. Als der Steuerfahnder Ray King (J.K. Simmons) ihn beobachtet bricht Christians perfektes Gebilde außeinander …

Wer hätte es gedacht daß sich der sonst gerne verspottete Ben Affleck neben seiner tollen Regietätigkeit auch nochmal als so richtig guter Darsteller etabliert? Man kann nichts sagen, für mich ist seine Kreation des „Accountant“ eine der elektrisierendsten Figuren die ich in langer Zeit gesehen habe. Und erfreulicherweise auch noch in einem Film der es lohnt und drauf hat: Accountant ist gleichermaßen Drama wie Thriller und schiebt dabei eine ganz ruhige Kugel. Der Trailer eicht einen zwar auf Action; davon gibt es dann auch so einiges, aber eben doch irgendwie etwas anders als in der Vorschau präsentiert. Ein paar Schießereien und Schlägereien die allesamt knüppelhart inszeniert sind, dazu eben eine geradlinige Thrillerstory und eben eine extrem ausführliche Charakterisierung der Hauptfigur. Da kann man dann auch über ein paar Parts diskutieren, etwa daß die präsentierte Form der Erziehung die Afflecks Figur erfahren mußte nicht nennenswert kritisiert wird oder ob die Schlußpointe richtig gut oder richtig übel ist (zumal ich sie nach zwei Dritteln bereits voraus sah). Mit einigen lockeren Momenten und Sprüchen federt der Film seine Härte ebenso ganz gut ab. Trotzdem: wer hier wirklich auf reine Action aus ist dürfte bei der langsamen Gangart eher abgeneigt sein, zwischen den Zeilen entwickelt der Film aber eine unglaublich gute Wirkung.

Fazit: Extrem ruhiger Thriller mit Drama und Actionanteilen, stimmig, spannend und mit Affleck in Bestform!

Rating: ★★★★★

Inferno

Der Wissenschaftler Bertrand Zobrist (Ben Foster) plant eine Maßnahme um die Überbevölkerung zu stoppen – in Form einer gefährlichen Seuche. Daher wird Symbologie-Professor Robert Langdon (Tom Hanks) zur Ermittlung hinzu gezogen und soll mit der Ärztin Sienna Brooks (Felicity Jones) eine Spur aus Rätseln lösen um die Katastrophe zu verhindern …

Ich habe zwar alle Bücher zu der Thematik gelesen, bin aber mit den Verfilmungen ziemlich unglücklich. Die Bücher bestehen oftmals aus sehr vielen historischen Details und epischen Monologen die Robert Langdon hält; in einen Film kann man das so nur schwer packen; bringt dann abgespekte und kaum interessante Backgrounds. Die dazukommende Action ist dann meist nur Durchschnitt und nur Auffüllung bis zur nächsten Redepassage und obendrein hab ich die Robert Langdon Rolle Tom Hanks nie so richtig abgekauft. Aber gut, er spielt sie hier zum dritten Mal (wenngleich dies die Verfilmung des vierten Buches ist) und schafft lustigerweise den bislang besten filmischen Auftritt des Symbologen: der Film konzentriert sich auf seine Thrillerparts und reduziert den Hintergrund (in diesem Falle Dante) auf das Nötigste. Damit ist es als Verfilmung eines Dan Brown Werks zwar schwach, als kurzweiliger Actionthriller funktioniert es auch ganz gut. Da stört es auch nicht daß der Film das Buchende leicht varriert und man verschmerzt die ständige Wackelkamera und die in den ersten 15 Minuten fast absurden ständigen Horrorvissionen.

Fazit: Gut gemachter, rasanter Thriller mit historischem Background und guten Twists!
4 Punkte

A Bigger Splash

Regisseur  Paul (Matthias Schoenaerts) macht mit Rockstar Marianne (Tilda Swinton) Urlaub auf der italienischen Insel Pantelleria. Dann aber trifft der alte  FreundeHarry (Ralph Fiennes) und seine Tochter Penelope (Dakota Johnson) ein. Schon bald bald entflammen sich Leidenschaft und Eifersucht zwischen den vieren …

Nach etwa der Hälfte des Films schaute ich meine Frau an und fragte „Wieso gucke ich mir einen Film an in dem reiche Arschlöcher am Pool rumhängen?“ – und bis zum Ende änderte sich diese Ansicht nicht. Gut, ich selber hatte noch die Motivation den Film wegen Dakota Johnson zu sehen, aber die hat einen eher geringen Anteil: ein paar Bekannte hängen im Sommer an einem Pool gemeinsam rum, unter der Postkartenidylle droht aber Gefahr aufzuziehen bzw sind unterdrückte Emotionen die ganz unvermittelt auszubrechen drohen. Star des Films ist sicherlich Ralph Fiennes der als arschiger Dauerquassler auftritt und jede Szene in der er ist gleicehrmaßen dominiert wie auch terrorisiert. Anonsten passiert wenig, der Film geht sehr schleppend und langsam vor und nutzt mitunter einfach nur die Urlaubsidylle in der er spielt. Bedeutet im Resultat: wenns spannend wird, dann richtig, aber dagegen stehen endlos lange Passagen in denen eigentlich nichts geschieht.

Fazit: Sehr eigenwilliger Film der Geduld erfordert und von Ralph Fiennes geradezu getragen wird.
Rating: ★★★☆☆