Archiv der Kategorie: Drama

Das schweigende Klassenzimmer

Die aus der DDR stammenden Abiturienten Theo (Leonard Scheicher) und Kurt (Tom Gramenz) sehen in einem Kino in Westberlin Bilder vom niedergeschlagenen Volksaufstand in Budapest. Mit ihren Mitschülern Lena (Anna Lena Klemke), Paul (Isaiah Michaelski) und Erik (Jonas Dassler) beschließen sie im Unterricht eine Schweigeminute für die Opfer einzulegen. Die harmlose Aktion hat ungeahnte Folgen …

Das ist natürlich ein Titel den man aus der heutigen Zeit nahezu ungläubig schaut: eine Handvoll Schüler zeigen freies Denken und begehen einen völlig harmlosen Protestakt der es aber nach sich zieht daß ihr ganzes Leben den Bach runtergeht und in furchtbaren Folgen für alle Enden könnte. So dramatisch die Lage auch für die Figuren sit, so unscheinbar ist der Film, zumindest in seiner Aufmachung. So gesehen gibt’s ja kaum mehr als eine Handvoll Jugendlicher die in größtenteils Klassenzimmerszenen oder auch in kleinen Hinterkammern reden. Aber es ist eine unglaubliche Bedrohung in der Luft und der Druck lastet mehr und mehr auf den Figuren – und wird für die Zuschauer ebenso langsam spürbar. Die unglaublichen Folgen einer kleinen Geste resultieren in einem hoch spannenden Drama das noch dadurch verstärkt wird daß es eine wahre Geschichte ist.

Fazit: Schülerdrama das zum Polithriller wird – sehr hart und mit stetig steigender Spannung!

Lady Bird

Christine McPherson (Saoirse Ronan) stand immer im Schatten ihrer dominanten Mutter Marion (Laurie Metcalf) und will nur ihrer Heimatstadt entfliehen. In ihrem letzten Schuljahr visiert sie ein College an der Ostküste an und lernt obendrein zwei interessante Jungs kennen, Danny (Lucas Hedges) und Kyle (Timothée Chalamet) …

Es gibt manchmal Filme die bei der Kritik unantastbar sind; dieser hier war bei Kinostart ein solcher: ich kann mich an keine einzige negative Kritik erinnern. Ich kann auch verstehen wo das herkommen mag, aber kann mich dem nicht restlos anschließen: es ist die Geschichte eines Mädchens die aus ihrem Heimatstädtchen entlfiehen will, behandelt ein paar kleine Konflikte und Probleme die sie in ihrem schulischen und menschlichen Umfeld hat – und dann setzt auch schon der Abspann ein. Dabei quillt die Marke „Independent Film“ aus aus jeder Pore und mit Greta Gerwig hat man ja auch eine Regisseurin und Drehbuchautorin die gerade für die etwas speziellen Filme steht. Und unsympathisch ist dieser hier kein Stück, ebensowenig langweilig oder schlecht – aber der Funken ist irgendwie auf mich nicht übergesprungen. Ich kann trotzdem verstehen daß dieser Titel so vielen Leuten scheinbar so viel gegeben hat – daher lohnt sich ein Blick definitiv.

Fazit: Etwas eigensinniger Titel mit sehr emotionalen Momenten!

Rating: ★★★☆☆

Stronger

Beim Bombenanschlag auf den Bostoner Marathon im Jahre 2013 wird Jeff Bauman (Jake Gyllenhaal) verletzt und landet im Rollstuhl. Zwar hilft er entscheidend bei der Aufklärung mit, muß sich aber mit den neuen, furchtbaren Lebensumständen arrangieren …

Hier macht wohl der Funken Realität den Unterschied: die Geschichte ist wohl relativer Standard für ein Behindertendrama, zumindest auf rein filmische Sicht beschränkt. Ein Mann verliert durch schlimme Umstände seine Beine und der film dokumentiert wie er sich mit der Situation arrangiert und auch sein Umfeld davon betroffen ist. Daran ist nichts neu, nichts überraschend, aber es ist wohl auch keine Story die voller Twists ect. stecken kann oder könnte. Jake Gylenhaal spielt die Rolle des sympathischen Chaoten auch sehr gut, in den emotionalen Szenen und insbesondere in einer Rückblende die ihn nach dem Attentat zeigt wächst er über sich hinaus. Das Besondere an dieser ganzen Geschichte ist eben: die Nummer ist wahr. Ich kann natürlich nicht sagen wo hier exakt die Grenze verläuft, wo das die Wahrheit ist und wo filmisch beigeschnitten wurde, aber man kann sich eigentlich nicht beklagen: 110 Minuten Dramakino mit gelegentlichen Lächelmomenten, optimistischer Botschaft und für den Amerikaner ist es sicherlich ein wenig Balsam.

Fazit: Standard-Behindertendrama mit traurigem realen Background!

A Star is born

Die Karriere des Sängers Jackson Maine (Bradley Cooper) geht auf ihr langsames Ende zu. Da lernt er Ally (Lady Gaga) kennen die sich als musikalisches Naturtalent erweist und durch ihn zum Star gemacht wird. Allerdings kann er in ihrem Schatten nicht wirklich klarkommen …

Ein Star ist geboren? Vielleicht ja auf dem Regiestuhl da dies die erste Regiearbeit von Bradley Cooper ist. Warum ihm selber an diesem Stoff so viel gelegen hat weiß ich nicht, aber es sei ihm vergönnt. Im Film versprüht er als versoffener Sänger viel Kumpelcharme, daneben spielt Lady Gaga eine aus dem Nichts kommende Frau die schlagartig zum Star wird – auch wenn die Glaubwürdigkeit nicht immer dabei ist: wenn die beiden auf dem Parkplatz ein Lied andeuten daß sie kurzd arauf ohne zu üben perfekt auf der Bühne abliefern ist das larger than life. Ebenso weiß ich nicht wo hier die Grenze zwischen der Figur Ally und der Sängerin Lady Gaga besteht: in manchen Szenen in denen die Figur auf der Bühne loslegt setzt man glaube ich gezielt deren reale Starpower ein. Bleibt aber auch nicht viel anderes da der Film sehr plotarm daherkommt und in der überschaubaren Geschichte sehr banale Szenen sehr lange auserzählt und auswalzt. Daher kann der Film einem einerseits etwas langweilig vorkommen, auf der anderen Seite zeugt er von einem ruhigen Erzählstil und genießlicher Struktur. Im Letzten Drittel ist dann die dramatische Fallhöhe immens, was nach den eher banalen ersten zwei Dritteln überrascht – aber am Ende bleibt ein ruhiger, mitunter leiser Film der einen zufriedenstellenden Filmabend garantiert.

Fazit: Kleiner, leiser Film bei denen man mit den Hauptfiguren nur bedingt warm wird!

Rating: ★★★☆☆

Solange ich atme

Für Robin Cavendish (Andrew Garfield) und Diana (Claire Foy) ist es Liebe auf den ersten Blick. Das Glück ist jedoch von kurzer Dauer als bei Robin nach einer Geschäftsreise Polio entdeckt wird. Obwohl er im Krankenhaus bleiben müsste holt Diane ihn nach Hause und will ihn selbst bis zum Ende versorgen …

Ein weiterer Versuch von Andrew Garfield sein Gesicht vom Spiderman Image zu lösen und sich als Charakterdarsteller zu etablieren – und mit Rollen wie diesen acht er das garnicht schlecht, zumindest ist dies ein Film der nicht auf ihn ausgerichtet ist. Es sit statt dessen die Biographie eines straken und besonderen Mannes der unfassbares erträgt und es ist sehr überraschend wer auf dem Regiestuh gesessen hat, nämlich niemand anders als „Caesar“ und Gollum Darsteller Andy Serkis. Der schafft es ein ruhiges, mitunter mit leichtem humor versetztes Drama zu erzählen das zwar im Kern ein Kranken und Sterbedrama ist, diese Geschichte aber in einer ungewöhnlichen Zeit spielen läßt. Es könnten nur manche darauf reinfallen und etwas anderes erwarten da die Aufmachung es wohl bewußt wie inen reinen Liebesfilm aussehen läßt – das ist er zwar auch, aber nichtin der romantischen Form wie es z.B. das Cover suggeriert.

Fazit: Leiser Film mit sensiblen Figuren, trotz des schlimmen Themas nicht bleischwer!

7 Tage in Entebbe

Am 27. Juni 1976 wird die Air France Maschine 139 auf dem Weg von Tel Aviv nach Paris von Terroristen überfallen und ins ugandische Entebbe umgeleitet. Die Terroristen, darunter Wilfried Böse (Daniel Brühl) und Brigitte Kuhlmann (Rosamund Pike) und zwei Mitglieder der Volksfront zur Befreiung Palästinas, wollen die Freilassung palästinensischer Gefangener im Austausch gegen die israelischen Geiseln an Bord erpressen. Daraus resultieren sieben furchtbare Tage …

Wieder einmal eine dramaturgisch angepasste Version realer Ereignisse – mir sind die echten Vorgänge wage bewußt oder zumindest habe ich Teile davon schon mal gehört, aber so genau hingesehen habe ich bislang nicht. Ich habe es wohl vorrangig als einen Daniel Brühl Film gesehen und dieser als Darsteller dominiert das Geschehen, ebenso wie Rosamunde Pike. Trotzdem kann ich mit den Ereignissen und dem Ablauf keine emotionale Bindung erreichen: alleine das im Intro Tänzer zu sehen sind die dann auch auf dem dramatischen Höhepunkt so eingeblendet werden entreißt mir das Gefühl eine Nacherzählung zu sehen sondern eben einen Auf Spannung bedachten Thriller. Einen den man durchaus schauen und spannend finden kann, aber keinen, der mir wirklich einen kokreten Überblick über die passierten Ereignisse gibt.

Fazit: Solide inszeniert und gespielt, gibt mir aber keine wirkliche emotionale Bindung zu den Beteiligten!
3 Punkte

Roman J Israel

Diverse Ereignisse bringen das Leben von Roman Israel (Denzel Washington) aus dem Takt: sein Mentor stirbt und er muß in der Kanzlei von George Pierce (Colin Farrell) anfangen. Durch Gleichberechtigungsaktivistin Maya Alston (Carmen Ejogo) kommt Oman selbst auf den Gedanken das System gezielt auszunutzen …

Ein Blick aufs Cove reicht um festzustellen: dieser Film ist ein Spielplatz für Denzel Washington, ein Film bzw. eine Rolle in der er sich austioben kann. Das alleine reichte mir, da ich in die Handlung nicht richtig reingekommen bin; Denzel Washington gibt einfach einen komischen, nicht unsympathischen Kauz aus dessen Blickfeld wir seine Weltr sehen. Die führt von einer Anwaltskanzlei zur Tätigkeit in einer Firma, diversen Juristereien und viel Gemauschel – und dazwischen spaziert Denzel als lustige Hauptfigur herum. Das dürften manche recht mager finden, manche sehr einseitig weils außer einer kurzen Verfolgungsjagd auch actionarm bleibt und viele mögen es nicht wenn stundenlang nur geredet wird – wer sich aber mal versucht in die Thematik reinzuarbeiten kann vielleicht einen recht attratktiven Titel vorfinden. Für mich hats eben nicht geklappt – ich respektiere aber den Versuch.

Fazit: Redseliger Jurafilm, nicht für jedermann, aber genau das richtige für Denzel!

Rating: ★★★☆☆

I can only imagine

Der an sich grundgute Junge Bart Millard (Brody Rose) leidet schwer unter seinem bösartigen Vater Arthur (Dennis Quaid). Nach der Schule hält es Bart nicht mehr aus, verläßt seine Heimatstadt und versucht mit seiner Band Erfolg zu haben. Schon bald erkennt er aber daß ihm das nur gelingen kann wenn er sich mit seiner Vergangenheit versöhnt …

Eine wahre Geschichte die ich mal wieder nicht kannte, ich kannte nicht mal das titelgebende Lied oder die Person Bart Millard deren Geschichte hier erzählt wird. Aber ich kam damit sehr gut zurecht, vielleicht ja auch weil ich so völlig unbelastet und unvoreingenommen rangehen konnte. Der Film liefert eine ungemein positive und liebenswerte Hauptfigur und fährt dann zweigleisig: er ist einerseits ein Musikfilm, eine konventionelle Erfolgsstroy eben, auf der anderen Seite liegt ein fetter Schwerpunkt auf dem Vater Sohn Drama in dem Dennis Quaid eine der scheußlichsten Leinwandfiguren ever spielt. Diese beiden Ebenen kollidieren erfreulicherweise nicht miteinander sondern ergeben ein homogenes Ganzes – lediglich die letzten paar Sekunden in denen der Film auf einmal zu einem Kirchenwerbespot wird trüben das Gesamtererignis.

Fazit: kleiner, leiser, durchweg sympathischer Film mit starken Musikmomenten!

Rating: ★★★★☆

Vor uns das Meer

Im Jahr 1968 startet Donald Crowhurst (Colin Firth) bei einer Solo-Segelregatta und will einen Rekord für die schnellste Umsegelung der Erde aufstellen, außerdem hofft er auf einen Gewinn mit dem er seine Firma aus den Schulden helfen könnte. Allerdings sieht es schlecht aus für ihn da er nicht ausreichend Erfahrung und ein unzureichendes Bot besitzt …

Ich hatte von jemandem gehört der diesen Film in einer Sneak Preview zu sehen bekam und nach einer Stunde das Kino verließ da es so eine Qual war ihn zu schauen. Das konnte ich mir nicht vorstellen, die Länge von 97 Minuten erschien mir nicht zu lang, mit Colin Firth und Rachel Weisz hat man auch kompetente und taugliche Darsteller – daher versuchte ich mein Glück damit im Heimkino. Und konnte den Schritt meiner Bekannten restlos verstehen. Das Ganze ist die Verfilmung eines wahren und leider tragischen Falls von dem ich so aber nie gehört hatte, die Glaubwürdigkeit hört für mich nur schon an der Stelle auf daß man einen 55 jährigen nimmt um einen 35 jährigen darzustellen. Obendrein einen mit dessen Figur ich nicht warm werde: er läßt sich auf ein Segelabenteuer nicht aus Leidenschaft am Segeln ein sondern aus dem wirtschaftlichen Aspekt. Wenn er dann alleine und isoliert auf dem Meer festhängt kommt dieses Gefühl der Einsamkeit, Langeweile und des Verlorenseins auch optimal beim Zuschauer an – aber will man das denn? Ich glaube nicht. Schade eigentlich, da die Darsteller es etwas besser aussehen lassen als es ist.

Fazit: Laues Lüftchen mit unsympathischer Hauptfigur!

Rating: ★★☆☆☆

 

Rating: ★★★★☆

Land der Gewohnheit

Anders Hill (Ben Mendelsohn) lebt in einer reichen Gegend in Connecticut und ist von seinem Leben sehr gelangweilt. Daher bricht er aus seinem geplanten Dasein aus, verläßt seine Frau Helene (Edie Falco) und will sich eine neue Existenz ohne seine Privilegien aufzubauen …

An diesen Film bin ich wohl mit einer restlos anderen Erwartungshaltung ran gegangen. Da ich selber nach 15 Jahre eine berufliche Veränderung elrlebe dachte ich mir daß ein Film über einen Kerl der aus seinem gesicherten und gewohnten Leben ausbricht und dann mit den Veränderungen die er suchte auch klarkommen muß bestimmt interessant wird. Allerdings ist das nicht so recht der Schwerpunkt, zumindest konnte ich ihn so nicht auf mich beziehen. Ich habe aber bestätigt bekommen was ich schon immer geahnt habe: wenn man ihm mal keinen übersteigerten Superschurken wie in Rogue One oder Ready Player One gibt kann Ben Mendelson durchaus auch leise und angemessene Rollen spielen. Dies tut er hier, in einem sehr redseligen Film in dem viel gesagt wird und wenig passiert. Trotzdem wirken die Figuren und die Konflikte glaubhaft und Emotionen kommen durch, wenn auch nur auf TV Level. Heißt, fpr sich genommen als Netflix Streaming Titel geht der Film in Ordnung, überragendes soltle man aber nicht erwarten.

Fazit: Kleine und ruhige Netflix Produktion, emotional, aber ohne übertriebene Momente!