Archiv der Kategorie: Drama

Trautmann

Mit 17 wird Bernd Trautmann (David Kross) eingezogen und in den Zweiten Weltkrieg geschickt wo er letztlich in britischer Kriegsgefangenschaft landet. Als er an einem Fußballspiel teilnimmt entdeckt ihn der Trainer Jack Friar (John Henshaw) und sieht Trautmanns unglaubliches Talent. Entgegen dem Druck von einigen Seiten beginnt Trautmann eine unglaubliche Karriere …

Auch wenn die im Film gezeigte Story vom Aufstieg des Bert Trautmann spektakulär und unglaublich erscheint so habe ich sie bislang nie gehört. Aber muß man ja auch nicht getan haben: das gibt einem die Möglichkeit die Geschichte ohne wissen auf das worauf sie hinausläuft zu schauen. Es sind eigentlich zwei Filme in einem vereint. In den ersten 90 Minuten ist der Film eine Mischung aus optimistischem Sport film und ein wenig Drama rund um einen Soldaten dem ein furchtbares Kriegserlebnis nachhängt und das Leben schwer macht. Das hat man eigentlich so auch im Trailer gesehen und es bleibt von vorne bis hinten überraschungsfrei, funktioniert aber dennoch bestens. Man kan bei der Hauptfigur verschiedener Meinung sein da Davif Kross den Trautman als einerseits keimfreie, aufrechte Person spielt, aber ebenso vieles über ihn um Unklaren gelassen wird. Auch werden viele Nebenfiguren nur angerissen oder verschwinden abrupt und gänzlich aus den Filmen. In der letzten halben Stunde schlägt das Schicksal jedoch wie mit Fäusten auf Trautman ein und in Folge dessen nimmt der Filme ine andere Wendung, einen anderen Schwerpunkt – und entlässt dann wenn man das Kino verlässt mit einer gaz anderen, viel emotionaleren Stimmung als vorher. Das hätte so nicht sein müssen, aber wenn es dem wahren Mann so ergangen ist muß man es wohl so einbauen. Das Gefühl dabei stimmt jedenfalls.

Fazit: Optimistischer Mix aus Sportfilm und Kriegsdrama der zum Ende hin rabiat in eine andere Richtung geht!

Utoya

Die 18-jährige Kaja (Andrea Berntzen) und ihre jüngere Schwester Emilie (Elli Rhiannon Müller Osbourne) verbringen ein paar Ferientage auf der norwegischen Insel Utøya. Als Kaja eines Tages in Diskussionen mit einigen anderen vertieft ist fallen Schüsse – ein wahnsinniger Massenmörder geht auf dem Gelände herum und erschießt jeden der ihm begegnet. Kaja versucht verzweifelt Emilie zu finden …

Hier ist natürlich ganz besondere Vorsicht geboten: ein Ereignis wie den Anschlag auf Utoya in einen Film zu verfrachten beinhaltet sehr viele Risiken. Es darf nicht passieren daß man das ganze als Thriller oder sonstigen Unterhaltungsfilm verfrachtet, ein dokumentarisches Abbilden eines Gemetzels macht ebenso wenig Sinn und Material für denjenigen der Spaß an einem Gemetzel hat sollte man soweit auch nicht liefern. Der Film findet im Ansatz den richtigen Weg, wenngleich ich es diskutabel finde die Thematik überhaupt filmisch zu verarbeiten. Im Film bekommen wir eine junge Frau als Hauptfigur und erleben die Vorfälle aus ihrer Sicht: d.h. man bekommt keinen umfassenden Blick, keine Hintergründe und keine Übersicht, sondern eben ein junges Mädchen daß am Anfang unbedarft mit ihren Freunden zusammen ist und dann geht das Gemetzel los. Allerdings wird es aus der sehr eingeschränkten Sicht der Hauptfigur geschildert: man sieht die Leichen und Opfer die sie sieht, ohne zu wissen wen es dort jeweils erwischt hat; man hört permanent die Schüsse und Schreie ohne zu sehen was dort vorgeht. Die Kamera klebt in langen Einstellungen an der Hauptfigur und wackelt mitunter daß einem schwindelig wird. Aufgrund der flüchtigen und bleichen Darsteller entwickelt man mit keiner Figur eine persönliche Bindung, gewinnt aber dennoch einen wagen Eindruck der aussichtslosen und verzweifelten Lage in die hier die besagten Jugendlichen gerieten (wenngleich ein Film so einen Vorfall natürlich nur wage erfassen kann). Am Ende bleibt ein Zwiespältiger Eindruck. Eigentlich ist das alles solide und ordentlich gefilmt und hält des öfteren auch die nötige Distanz – trotzdem erfüllt es eigentlich keinen Sinn.

Fazit: Ein furchtbarer Anschlag wie ein Thriller aus den Augen einer Betroffenen inszeniert – läßt nicht kalt, erfüllt aber auch keinen Zweck!

Vice – Der zweite Mann

Dick Cheney (Christian Bale)ist die rechte von US-Präsident George W. Bush (Sam Rockwell) und fast genauso mächtig und populär. Über 8 Jahre begleitet er Bush durch zwei Amtszeiten und greift entscheidens in dessen handeln ein …

Ich gebe oft und gerne zu wenn ein Film zu anspruchsvoll für mich ist, das hier sit in manchen Teilen eben ein solcher: damit meine ich daß ich nicht alle Intrigen die Cheney und die Verwicklungen und Folgen so kapiere wie der Film sie darlegt. Aber es gibt auch andere Gründe den Film zu mögen: das ist zum einen sein rotzfrecher Inszenierungsstil der zwar mit stäöndigen Zeitsprüngen und Betrachtungsweisen einiges abverlang, aber ebenso einen grundlegend witzigen Ton anschlägt. Zum anderen ist es Schauspielerkino vom Feinsten: Bale als abgebrühtes Drecksschwein trägt alleine den Film, aber mit Amy Adams, Steve Carrell und insbesondere Sam Rockwell als George W Bsh hat man eine Riege Akteure die gleichermaßen faszinieren wie auch scheinbar Spaß an ihren Rollen haben. Und obwohl der Film eigentlich eine furchtbare Thematik behandelt bringt er höchsten Unterhaltungswert und beste Laune zustande.

Fazit: Bittere und grundböse Betrachtung eines raffinierten Mannes mit unglaublich guten Darstellern!
Rating: ★★★★★

Mein Bester und Ich

Durch einen Paragliding-Unfall, verlor der New Yorker Großunternehmer Philip Lacasse (Bryan Cranston) seine Frau und sitzt gelähmt im Rollstuhl. Als ihm ein Assistent zur Seite gestellt werden soll entscheidet er sich für den Kriminellen Dell Scott (Kevin Hart) da dieser mit seiner unwissenden und rüden Art genau richtig mit ihm umgeht …

Ein Remake von „Ziemlich beste Freunde“ hat in den europäischen Bereichen wohl niemand gebraucht, aus amerikanischer Hinsicht macht der Film aber durchweg Sinn: natürlich ist der Originalfilm großartig, hat genug „Wucht“ und Potential und natürlich schauen sich viele Amerikaner das Ding nicht an weil sie keine ausländischen Titel mögen. Deswegen macht es Sinn den Film mit seinen Stärken 1:1 neu aufzulegen, nur eben an leinwandvertraute Orte zu verlagern und mit populären Darstellern zu versehen. Cranston bringt das ganze dann auch nicht ins Schwitzen, im Gegenteil, er spielt seinen Part liebenswert und mit Augenzwinkern. Kevin Hart spielt zum ersten Mal nicht Kevin Hart sondern eine Rolle die auch schon jemand anders gespielt aht: zu Harts Glück sind in dem Part keine seiner typischen Macken und Eigenheiten vertreten, dadurch geht auch seine Figur in Ordnung. Der Rest ist harmloses Dramakino mit Augenzwinkern das sich seine am besten Funktionierenden Parts sicherlich aus dem Original zusammenklaut. Nichts verkehrt daran, aber auch nichts neu.

Fazit: Sehr solide Neuauflage – genau das eben!

Rating: ★★★☆☆

Green Book – Eine besondere Freundschaft

1962 geht Pianist Dr. Don Shirley (Mahershala Ali) auf Tournee durch die USA und engagiert als Fahrer Tony Lip (Viggo Mortensen). So beginnt eine gemeinsame und lange Reise in der die beiden unterschiedlichen Männer sich langsam anfreunden …

Die Rahmenbedingung läßt eben den typischen Oscarfilm erwarten: eine auf einem wahren Fall beruhende Geschichte über einen hemdsärmeligen italienischen Türsteher der im Amerika der sechziger Jahre einen dunkelhäutigen Pianisten durch die Gegend fährt. Dabei läßt der Film gekonnt die Klischees und Gegensätze aufeinanderprallen: Prolet gegen Gebildeten, Weißer gegen Farbigen, Arbeiter gegen Reichen, Familienvater gegen Alleinstehenden. Ebenso ist der Film eine schlichte Abfolge von kleinen Episoden die eben auf einer solchen Reise entstehen und passieren können, vorrangig Momente von damals wohl üblichem Alltagsrassismus. Aber trotzdem: der Film hat keine sonderliche dramatische Fallhöhe sondern wird geradezu zu einem „Feel Good“ Movie. Das liegt vorrangig am Spiel der Hauptdarsteller und insbesondere an Viggo Mortensen, der seine prolige Figur mit Spaß und Witz verkörpert und obendrein vom Drehbuch reihenweise witzige Momente und regelrechte Comedyszenen serviert bekommt. Das führt dazu daß man hier kein furchtbares Drama sondern einen unverkrampften, entspannten Film sehen kann in den man sich geradezu einigelt: sympathisch, harmlos und niemals unfassbar ins bodenlos dramatische Segment.

Fazit: Mehr Spaßfilm als oscarträchtiges Drama – dennoch mögenswert und wohltuend unverkrampt!

Rating: ★★★★☆

Eleonore und Colette

Eleanor Riese (Helena Bonham Carter) leidet zwar an paranoider Schizophrenie, kann aber dank Medikamenten ein halbswegs normales Leben führen. Allderings haben diese Medikamente Nebenwirkungen und Eleanor möchte ihre Dosierung selbst bestimmen. Da dies jedoch verweigert ist zieht sie mit Anwältin Colette Hughes (Hilary Swank) vor Gericht …

Das ist schon auf dem Papier perfekt geplant: ein Drama in dem es um die korrekte Behandlung von psychisch beeinträchtigten Patienten geht, basierend auf einem wahren Fall und mit Darstellern wie Jeffrey Tambor, Helena Bonham Carter und Hilary Swank besetzt .. Selbstläufer. Sollte man meinen, aber so ganz von alleine gings dann am Ende doch nicht. Zumindest im Zuge der Oscars tauchte dieser Titel garnicht auf; und auch ansonsten lief er die meiste Zeit unter dem Radar. Das dann aber schon etwas zu Unrecht: es ist ein engagiertes Drama daß auf sein Thema hinwist, dabei mit entsprechenden Darstellerleistungen aufwartet und im Grunde darauf setzt das Swank gerne die eifrige Verteidigerin spielt und Bonham Carter gerne die etwas exzentrischen Parts macht. Macht nichts verkehrt, erreicht aber wohl nur ein kleinesres Publikum.

Fazit: Engagiertes Thema und eifriges, aber wohl nicht massentaugliches Schauspiel!

Rating: ★★★☆☆

Creed II

Der aufstrebende Boxer Adonis Creed (Michael B. Jordan) steht kurz vor einem gefährlichen Kampf: er muß gegen Viktor Drago (Florian Munteanu) antreten, dessen Vater Ivan Drago (Dolph Lundgren) einst Apollo Creed im Ring tötete. Allerdings stellt sich Rocky Balboa (Sylvester Stallone) an Adonis Seite …

In seinen Grundfesten ist es für mich vorrangig eine Sache: ein Boxfilm. Ein komplett typischer, nie die eigentliche Blaupause hinter sich lassender Boxfilm mit brav festgelegter Dramaturgie von der er auch niemals entsprechend abweicht. Aber es gibt andere Komponenten die ihn besonders machen: er ist der 8. Teil einer Serie die seit über 40 Jahren besteht, außerdem setzt er eine Story fort die im 1985 erschienen „Rocky 4“ begann und bringt nun nach über 30 Jahren Originaldarsteller wieder auf die Leinwand. Es hat seinen Reiz Dolph Lundgren wiederzusehen und u hörenw as aus ihm in der Zwischenzeit wurde. Ansonsten bleibt alles auf vertrauten Bahnen: Creed oxt, verliert, trainiert, boxt wieder … denkt euch den Rest. Dazwischen gibt’s einige banale Alltagsmomente im Leben des Boxers, von der Hochzeit bis zur Geburt der Tochter, das würde mir alles mehr zusagen wenn ich mit „Creed“ Darsteller Michael B. Jordan nur irgendwie warm würde aber das passiert wohl nicht mehr. Mit Stallone komme ich da besser klar der leider in der deutschen Fassung eine neue, sehr befremdliche Synchronstimme hat, aber aufrichtig bemüht ist seiner Figur einen würdigen finalen Auftritt zu liefern. Wirklich beklagen kann man letztlich nichts, wirklich hervorheben auch nicht.

Fazit: Einfach ein solider Boxfilm mit immenser Backgroundgeschichte!

Rating: ★★★☆☆

Deine Juliet

Journalist Juliet Ashton (Lily James) reist auf die Insel Guernsey um einen Artikel pber einen dortigen Buchclub zu schreiben, der den Mitgliedern geholfen hat den Zweiten Weltkrieg zu überstehen. Dabei wird sie durch die Insel und insbesondere Dawsey Adams (Michiel Huisman) beeindruckt …

Eine Buchverfilmung deren Vorlage ich nicht kenne; deren Cover jedoch die Erwartungen etwas anders lenkt: das sieht alles nach einer Romanze aus. Wenn man den Film aber schaut merkt man daß es um andere Dinge geht: der Zauber des Lesens kommt beiläufig vor, vorrangig ist es aber das Aufarbeiten von schmerzlichen Erlebnissen und Erfahrungen rund um den zweiten Weltkrieg. Eine Schriftstellerin besucht ein Dorf und erfährt welche tragischen Ereignisse dort vorgefallen sind und nebenbei greift sie in die Folgen ein uns es bahnt sich am Rande eine kleine Love an. Das ist kleines, ruhiges und emotionales Kino das sich wohl nur einem entsprechenden Zielpublikum voll erschließt; andere dürften das recht langweilig finden. Für Freunde von solchen Filmen sollte er aber defintiv lohnend sein.

Fazit: Weniger die Romanze nach der er aussieht, mehr ein bitteres und ruhiges Drama!

Rating: ★★★★☆

Adrift – Die Farbe des Horizonts

Bei einer Reise nach Tahiti funkt es direkt zwichen Tami Oldham (Shailene Woodley) und Richard Sharp (Sam Claflin). Die beiden planen einen gemeinsamen Segeltrip – als ihr Boot dann aber in ein Unwetter gerät beginnt für die beiden ein langer Kampf ums Überleben …

Der Film kommt mir selber wie eine Mischung aus zwei Genres vor: einerseits ein sehr sympathischer Liebesfilm über zwei die sich treffen und sofort eine trolle Chemie miteinander haben und dann eben ein gemeinsames Erlebnis beginnen, eben einen Segeltrip. Auf der anderen Seite eben ein Survival Thriller über zwei die auf dem Meer in einer furchtbaren Lage gefangen sind und deswegen ums Überleben kämpfen müssen. Dabei bin ich zwiegespalten: ich kann verstehen daß die Lage in der man alleine auf dem Meer den Naturgewalten ausgesetzt ist total krass sein muss – glaube aber ebenso daß man das schwer in einen Film gepresst bekommt. Für mich jedenfalls funktioniertdas nicht, auchw ennder Streifen sich da alle Mühen gibt die Hilflosigkeit und Aussichtslosigkeit der Figur darzustellen. Allerdings ist das egal wenn man am Ende Bilder der wahren Leute sieht und wei daß man gerade eine echte Geschichte gesehen hat: das schockt nochmal zusätzlich.

Fazit: Mischung aus Romanze und Thriller, für mich etwas farblos, aber trotzdem ergreifend.

Der Junge muß an die frische Luft

Der neunjährige Hans-Peter (Julius Weckauf) entdeckt 1972 sein großes Talent andere zum lachen zu bringen und tobt sich bei seiner fröhlichen Verwandtschaft immer weiter aus. Als dann aber seine Mutter Margret (Luise Heyer) nach einer OP immer mehr in Depressionen abdriftet hat er noch mehr Motivation …

Nach „Ich bin dann mal weg“ ein weiterer Film der sich mit dem Leben von Hape Kerkeling befasst, diesmal geht es um die Jugendjahre, genau genommen die Zeit Anfang der siebziger in denen das Leben des dort etwa 10 jährigen Hans-Peter durch einige grausame Schicksalsschläge durchgerüttelt wurde und wie er dabei seinen Humor als Waffe gegen die grausame Realität entdeckt und verwendet. Der Film ist indes überaus plotarm, aber das ist das wahre Leben meist. Dafür ist er eine große Liebeserklärung: an die Familie Kerkelings, eine handvoll feierwütiger, fröhlicher Arbeitergestalten die irgendwie alle auf ihre Weise sich im guten abmühen, ebenso ein aufarbeiten von tragischen Momenten und dem durchleben. Der Film hält erzählerisch zwar inne wenn er z.B. eine Beerdigung lange zeigt, greift aber den unfassbaren Kummer exakt auf und vermittelt ihn fast zu gut an den Zuschauer. Und es ist ein toller Darstellerfilm bei dem insbesondere der kleine Julius Weckauf in begeisternder Form aufspielt und die Zuschauerherzen für sich gewinnt. Vielleicht auch weil der Film nicht mit Gewalt darauf pocht daß hier eine Kerkeling Geschichte erzählt wird sondern die Hauptfigur für sich alleine steht.

Fazit: Trauriger Film mit lustigen Momenten und lebensechten Darstellern – absolut emotional und glaubwürdig!

Rating: ★★★★☆