Archiv der Kategorie: Drama

Der goldene Handschuh

Fritz Honka (Jonas Dassler) verbringt in den 70er Jahren die Abende in der Kiezkneipe „Zum Goldenen Handschuh“ um seine Opfer zu finden – denn in Wahrheit ist Honka ein Serienmörder der zu unfassbaren Greueltaten fähig ist …

Hier wird mir nicht so ganz klar was der Sinn des Films war – ich ernenne nur worin er nicht besteht. Der Film ist nicht wirklich darauf aus eine dokumentarische Nacherzählung der wahren Ereignisse rund um Fritz Honka und seine Greueltaten zu sein, er setzt ihn zwar ins Zentrum und mag auch vieles authentisch wiedergeben, aber ich bin nachher nicht viel schlauer als vorher. Der Film ist ab 18, enthält auch einiges an Blut und Gewalt, ist aber trotzdem kein Horrorfilm oder gar dem Splattergerne zuzuordnen. Ich denke, es gerht hauptsächlich um die möglichst lebensnahe Milieuschilderung: ich bin nie zu der gezeigten Zeit an den gezeigten Orten gewesen, habe aber doch den Eindruck daß es sehr glaubhaft und authentisch gezeigt wird. Und das ist vor allem siffig, schmuddelig und scheußlich, stellenweise so abstoßend daß man glatt verstehen kann warum dieser Mann auf die Art und Weise wahnsinnig wurde. Und mit Jonas Dassel der hinter der entstellten Maske kaum zu erkennen ist hat man einen derart scheußlichen Charakter daß alleine seine Darstellung das pure Ekel forciert.

Fazit: Blutige und schmierige Nachstellunf des Honka Falls daß sich zwischen die Genres setzt, aber eine abartige Faszination innehat!
Rating: ★★★☆☆

On the Basis of Sex – Die Berufung

Ruth Bader Ginsberg (Felicity Jones) hat ihr Jurastudium in den fünfziger Jahren als Jahrgangsbeste abgeschlossen und bekommt lediglich einer Stelle als Professorin begnügen. Da wird ihr ein Fall zugespielt aus dem sie einen Präzedenzfall basteln möchte um auf die ungerechten Verhältnisse hinzuweisen …

Heldenverehrung in Fimform ist eine gute Sache, wenn es angemessen erscheint und wenn die entsprechende Person es „verdient“ hat. In diesem Falle ist es die Geschichte einer hoch angesehenen Juristin, wie sie sich erst selber in eine richtige Position hocharbeiten muß und dann einen spektakulären Fall der Grundsätze verändert übernehmen mu. Dabei geht’s eben um die Darstellung der Hauptfigur, das macht Felicity Jones solide und interessant, obendrein gefiel mir die Chemie mit ihrem Filmehemann der wirklich als ergänzende unt unterstützende Kraft erschien und nicht wie in vielen anderen Titeln irgendwann ur noch durch Streit und Konflikt ausfällt. In die juristischen Details konnte ich nicht so gut folgen da mir das zu explizit wurde mit der Dauer, am Endresultat ändert das aber nichts: ein starker, kraftvoller Film der seine Thematik anschaulich und kurzweilig verpackt

Fazit: Solide gespielt, kraftvoll inszeniert – genau die Art von Film welche für den Schulunterricht taugt!

Rating: ★★★★☆

1922

Wilfred James (Thomas Jane) lebt mit seiner Frau Arlette (Molly Parker) und seinem Sohn Henry (Dylan Schmid) ein zufriedenes Leben auf dem Land, bis seine Frau wegen einer Erbschaft in die große Stadt ziehen will. Diese Entscheidung führt bei Wilfred zu einer folgenschweren, blutigen Handlung …

Warum sollte man sich das denn anschauen? Dies war sicherlich einer der deprimierendsten Filme die ich je gesehen habe. Mit trister Stimmung und düsterer Aufmachung erzählt der Film von einem gewissenlosen Farmer der mit seinem Sohn ein unfassbares Verbrechen begeht und dann die Folgen an der Backe hat die sich ihrerseits sehr speziell auswirken. Man sieht aber: Stephen King kann nicht nur Horror sondern auch durch konsequente Erzählung: so plausibel wie sich hier die Figuren ihr eigenes Leben versauen empfindet man war kein Mitgefühl, aber kann eben verstehen warum so gehandelt wird und wie versucht wird mit Konsequenzen umzugehen. Mit Thomas Jane hat man auch eine optimale Hauptfigur. Trotzdem kann man beim hinschauen verstehen daß dieser Film nicht fürs Kino getaugt hat, im Streaming Angebt von Netflix aber ein Highlight darstellt.

Fazit: Deprimierendes Drama in dem es für die Hauptfigur plausibel und stetig bergab geht!

Gloria – Das Leben wartet nicht

Gloria (Julianne Moore) ist über fünfzig und geschieden und fühl sich alleine -auch weil ihre Kinder Anne (Caren Pistorius) und Peter (Michael Cera) sich komplett von ihr abgewandt haben. Hoffnung findet sie erst als sie Arnold (John Turturro) kennenlernt – doch auch der zeigt einige seltsame verhaltensweisen …

Es gibt halt manchmal Titel die keinen Plot haben, das ist wohl nicht so schlimm: wenn einem der Titel eine spannende und interessante Hauptfigur liefert kann es eben auch ausreichen wenn man filmisch Zeit mit ihr verbringt oder ihr einfach ein Weilchen folgt. Und mit Julianne Moore hat man eine Darstellerin die genau das kann. Im Film ist sie eine Endfünfzigerin deren Leben wir schrittweise gezeigt bekommen: das Leben nach der Scheidung, ihre Jobsituation, ihre Beziehung zu ihren Kindern … all diese Dinge eben. Dazu kommt eine kleine Lovestory zwischen ihr und einem Mann die recht chaotisch und nicht nur glücklich verläuft. Man merkt aber recht schnell: es ist glaubhaft daß sich die Erlebnisse der Figur nicht irgendwelchen Filmdramaturgien unterordnen, aber ebenso führen die lose zusammengewürfelten Szenen nirgendwo hin. Einfach nur einer Frau zuschauen die zwar toll gespielt ist und durchaus mögenswert, deren Dinge aber auf keinen Spannungsbogen o.ä. herauslaufen … wem das reicht und wer das mag, der solls gerne mal damit versuchen. Für mich war es ab einem bestimmten Zeitpunkt nur noch Qual, unterstrichen dadurch daß der Film sich doppelt so lang anfühlte.

Fazit: Trotz sympathischer Hauptfigur komplett ins Nichts laufend!

Can you ever forgive me

Lee Israel (Melissa McCarthy) hat einen guten Ruf in ihrem Job als Biografin, steht aber vor dem finanziellen Ruin. Deswegen beginnt sie damit Briefe von Prominenten zu fälschen und als Enthüllungen zu verkaufen …

Bei Melissa McCarthy ist für mich nichts mehr zu retten: die Frau inszeniert sich stets selber bzw. läßt sich meist von ihrem Mann entsprechend darstellen und was immer sie macht, es ist ausschließlich auf sie ausgerichtet. Ich sehe sie auch immer als sie selber, nie als jemanden der eine Figur spielt. Deswegen überrascht dieser Film umso mehr: ein Drama, basierend auf wahren Fakten in dem McCarthy dann doch mal bemüht ist eine Rolle zu spielen. Und es funktioniert bestens: alle aufgedrehten Macken und Eigenheiten die sie sich sonst so anhängt sind weg, sie ordnet sich komplett der Geschichte unter. Diese ist dann auch mit leichtem Humor, aber auch viel Bitterkeit präsentiert. Sie erzählt von einer gescheiterten Frau die sich mit Betrügereien eine neue Chance erarbeitet, die aber ebenso schnell zu zerbröseln droht. Deswegen: falls jemand die gleichen Probleme mit Melissa McCarthy hat wie ich sollte man sich trotzdem nicht von diesem Film abhalten lassen.

Fazit: Spannende Geschichte, dezente Darstellerleistungen und eine gute McCarthy die hinter ihrer Rolle zurück tritt!

Rating: ★★★★☆

The Public – Ein ganz gewöhnlicher Held

Die Innenstadt von Cincinnati wird von einem ungewöhnlichen Kältesturm heimgesucht. Die Folge ist das viele Menschen in einer Bibliothek Zuflucht suchen – was für das Personal zur Belastungsprobe wird …

Der Film hat gleich auf ganzer Ebene Pech: kaum Markteting, nichtssagender Titel und obendrein startet er in einer Kinowoche bei der es rund 30 Grad hat, was der direkte Kontrast zum Inhalt ist bei dem es um Erfrieren geht. Trotzdem hat der Film das Herz am rechten Fleck: ein Haufen Obdachloser besetzt eine Bibliothek um so im Warmen zu sein, ein netter A unterstützt sie und das daraus entsehende Chaos treibt diverse Gestalten auf den Plan welche die Lage für ihre Zwecke nutzen wollen. Irgendwie schafft es Emilio Estevez nicht sich auf eine Richtung und ein Genre festzulegen: das geht alles als Drama, als Komödie und auch als Liebesfilm durch. Trotzdem hat der Film im Kern sehr viel Wärme und ach den ein oder anderen rührseligen Moment.

Fazit: Starbesetzung und ein warmherziges Skript – wundervoll menschlicher Film!
Rating: ☆☆☆☆☆

Boy Erased -Der verlorene Sohn

Garrard Conley (Lucas Hedges) ist der Sohn eines Baptistenpredigers in einer Kleinstadt, Für seine Umgebung bricht eine Welt zusammen als er im Alter von 19 als schwul geoutet wird – und durch den Druck wird Garrard in ein Programm zur Umerziehung gebracht …

Mir fällt es manchmal schwer wenn ich Darsteller die ich kenne und mag in unsympathischen Rollen sehe. Hier sind es Nicole Kidman und insbesondere Russel Crowe der als homophober Vater einen fiesen Kotzbrocken spielt, der Schwerpunkt liegt trotzdem auf Filmsohn Lucas Hedges. Nach „Ben is back“ gibt er hier erneut ein „Problemkind“, nur daß er hier nicht auf Drogen ist und sein Problem ihm eingeredet wird. Und so erleben wir wie sich ein normaler Junge durch furchtbare Prozesse winden muß die ihn zur Heterosexualität treiben sollen.Das klingt alles viel reißerischer als der Film letztlich ist. Eigentlich geht hier alles ruhig zu, aber unter der Oberfläche stecken viel Angst und Verdrängung … die aber dann nach und nach herauskommen.

Fazit: Kleines Drama mit großen Darstellern und der richtigen Botschaft!

Rating: ★★★★☆

White Boy Rick

Die unglaubliche Richard Wershe Jr. (Richie Merritt) der im Jahre 1984 zum Undercover-Informant für die Drogenermittler wird – obwohl Rick gerade mal 14 Jahre alt ist. Dabei sammelt er sich so viel Wissen an daß er irgendwann die Seiten wechselt – und gegen seine ehemaligen Arbeitgeber vorgeht …

Die wohl wahre Geschichte die dahinter steckt ist in der Tat kaum zu glauben: ein Teenager gerät ins Visier des FBI und wird als Spitzel undercover geschickt. Die Story würde wohl auch gut klappen wenn sie erfunden wäre, aber es geht einen Schritt weiter: der Spitzel wird selber zum Thema und baut sich ein mächtiges Drogennetzwerk auf. Wie man es schafft eine eigentlich so spannende Story dann doch in einen banalen Film zu verfrachten? Das geht wohl vorrangig über den Hauptdarsteller. Damit meine ich nicht Matthew McConaughey der den schmierigen Vater soweit solide gibt, der großte Schwachpunkt des Films liegt aber in Rick Darsteller Riche Merrit: als leer dreinblickender Betonklotz läuft er hier durch die Szenerie und macht es eigentlich unmöglich irgendwas mit ihm zu empfinden. Schade weil der Rest soweit klar geht: das Milieu ist soweit ganz gut geezeigt und es gibt ein paar passable Twists und Momente. Trotzdem: nach dem eigentlich tollen Trailer kommt hier bemerkenswert wenig bei rum.

Fazit: Spannende Story, unspektakulär inszeniert und mit absolut kreidebleichen Hauptdarsteller!

The Mule

Leo Sharp (Clint Eastwood) hat einst im zweiten Weltkrieg gekämpft und ist mittlerweile über 80 Jahre alt. Dennoch geht er das Risiko ein für ein mexikanisches Kartell Kokain über die Grenze zu schmuggeln …

Was ist denn da passiert? Clint Eastwood hatte sich eigentlich mit „Gran Torino“ eindrucksvoll vom Kino vor der Kamera verabschiedet (ein kleiner, unbedeutender Baseballfilm zählt wohl nicht), nun kehrt er aber nochmal zurück. Allerdings sollte man dort die Erwartungen enorm zurück halten: ja, Eastwood spielt die Hauptrolle, man merkt aber eben daß der Mann älter und müder geworden ist. Damit nicht zwangsweise schlechter, aber das eingefallene Gesicht zeugt schon davon daß viel Zeit vergangen ist. Und daß dies ein Film ist den er auch vor einiger Zeit hätte machen können, der aber auch da nicht wirklich zu seinen besseren gezählt hätte. Als alter, grantiger Kerl fährt er durch die Gegend, interagiert mit diversen Leuten entlang der Straße und daneben läuft noch ein Plot rund um ein Drogenkartell. Das ist jederzeit ok und gerade dadurch das Eastwood die Hauptrolle spielt lohn sich immer ein Blick. Bei der Hoffnung auf einstige Qualität wird man aber eher enttäuscht.

Fazit: Etwas steifes Thrillerdrama in dem selbst die zahlreichen Stars bleich wirken!
Rating: ★★☆☆☆

The Favourite – Intrigen und Irrsinn

Im England des 18. Jahrhunderts ist die kränkliche Königin Anne (Olivia Colman) kaum für ihre Pflichten geeignet und übergibt das Meiste an Lady Sarah (Rachel Weisz). Ebenso kommt das Dienstmädchen Abigail (Emma Stone) dazu und beginnt zu entdecken wie sie ihren Einfluß auf Anne für sich nutzen kann …

Die Inhaltsangabe könnte auch in eine ganz andere Richtung Film gehen: es geht um zwei Frauen die sich einen Konkurrenzkampf liefern, nicht um einen Mann sondern um die priviligierte Position an der Seite der englischen Königin. Wunderbar ist dabei die Besetzung: Rachel Weisz und insbesondere Emma Stone sind eigentlich Darstellerinnen die eher auf die sympathischen und herzlichen Figuren gesetzt werden, dürfen aber hier zwei bösartige Gestalten spielen die hinter höflicher Fassade die Intrigen und Gemeinheiten am laufenden Band anzetteln. Über die historische Genauigkeit kann ich nichts sagen, denke aber schon da dies hier für Schulunterricht und ähnliches taugt, da es das dekadente und oftmals absurde Leben am Hof ganz nett Zeigt. Zumal mit einer manchmal überraschenden Optik (Fischaugeneinsatz) und funkensprühenden Dialogen auch für Auge und Hirn einiges geliefert wird. Daher: keine Gefahr eines lauen Kostümschinkens, sondern flotte und hintersinnige Unterhaltung.

Fazit: Witzig und bissig in der Wirkung und großartig gespielt!