Fahrenheit 11/9

Regisseur Michael Moore dokumentiert Amerika unter US-Präsident Donald Trump ab und zeigt die politischen und gesellschaftlichen Veränderungen in Trumps Ära …

Ich bin bei Michael Moore oftmals etwas zwiegespalten: ich mag ihn als Menschen nicht sonderlich und glaube auch das er durchaus ein paar unangenehme Macken und Eigenheiten hat. Trotzdem sind seine Filme stets sagenhaft kombiniert und zusammengebaut; ich kenne keinen anderen (außer vielleicht Morgan Spurlock) der eben dokumentarische Inhalte so witzig und unterhaltsam aufarbeiten kann, insbesondere wenn die Thematik so furchtbar ist. Allerdings vermittelt der Film auf harmlose Weise einen falschen Schwerpunkt, es geht nicht zwei Stunden ausschließlich um Trump sondern mehr um das Amerika unter ihm und Dinge bei denen Bürger versucht haben etwas zu bewirken. Da springt bei ein paar erreichten Erfolgen durchaus auch Hoffnung raus, über sehr viel gezeigtes kann man aber nur ratlos den Kopf schütteln. Und durchaus berechtigt Angst haben.

Fazit: Michael Moore in Bestform – witziges Aufarbeiten schockierender Details.

Anna und die Apokalypse

Anna (Ella Hunt) möchte schnell die Schule abschließen und aus ihrer Heimatstadt Little Haven wegziehen, wobei sie nicht bemerkt daß ihr bester Freund John (Malcolm Cumming) in sie verliebt ist und dies nicht aussprechen kann. Dann wird ihre Schule von einer Zombie Apokalypse heimgesucht …

Ich schaue nur sehr selten Musicals, bin aber dann oftmals überrascht wie amüsant ich sie mitunter finde. Das ist im gegebenen Falle auch nicht schwer: hier wird eine Schule von Zombies attackiert, ein paar sympathische Figuren kämpfen dagegen und all dieses erscheint in Muscialform. Auch wenn dabei mitunter blutig gemeuchelt und getötet wird überwiegt der Comedyfaktor, etwa wenn die Ahuptfigur ein fröhliches Lied trällert und um sie herum gar nicht mitbekommt daß die Zombies um sie herum angreifen. Ernst nehmen kann man das alles zwar nicht, da es aber unverkrampft und fröhlich daherkommt und seine „britische“ Herkunft in jeder Einstellung ausstrahlt ist dies ein kleiner, unscheinbarer, aber extrem witziger und spaßiger kleiner Titel. Das Weihnachtsflair in dem es spielt mag nicht in jeder Jahreszeit passen, aber das stört den Film nicht.

Fazit: Metzeln und singen – ungemein fröhliche und funktionierende Komödie!

Fighting with my Family

Ex Ganove Ricky Knight (Nick Frost) versucht Ehefrau Julia (Lena Headey) und die Kinder Zak (Jack Lowden) und Paige (Florence Pugh) als Wrestler durchzubringen. So eröffnet er auch seiner Tochter die Welt des Wrestlings in der sie verscuht ihren Platz zu finden …

Ich habe von diesem Film zum ersten mal erfahren als mir auf youtube der Trailer vorgeschlagen wurde – das Thumbnail zeigte einen breit grinsenden Dwayne Johnson und mir war in dem Moment klar was dies für ein Titel ist. Dabei hätte ich kaum mehr daneben liegen können: dies ist im Grunde eine Biographie mit einer ganzen Reihe an Nebenschauplätzen. Es geht um ein junges Mädchen daß sich ihren Traum verwirklicht und sich durch die amerikanische Wrestlingliga für Frauen kämpft. Der Film mischt dabei mehrere Genres und Themen: es ist ein wenig Drama wenn es um den Bruder geht der seine Chance nicht bekommen hat und dadurch abstürzt, es ist Comedy pur jedesmal wenn Nick Frost als Familienoberhaupt die Szenerie betritt und liefert im Kern eine enrgievolle Story über ein junges Mädchen die sich durchkämpft. Das alles wird von einem sehr warmherzigen Grundton und ganz iel Herz zusammengehalten und ergibt eine unglaublich stimmige Mischung. Kein großer Kinogit, aber kleines, feins und manchmal kauziges britisches Kino daß manchmal an „Ganz oder garnicht“ oder Billy Elliot“ erinnert.

Fazit: Warmherzige Geschichte die ausgewogen mehrere Genres bedient!
Rating: ★★★★☆

Videoreview von mir: https://www.youtube.com/watch?v=HHPTCKgpF-0

Mid90s

Der 13-jährige Stevie (Sunny Suljic) wächst im Los Angeles der 90er Jahre auf: seine Welt besteht aus Mixtapes, skateboarden und Streefighter II spielen. Durch eine Bekanntschaft eröffnet sich ihm ebenso die verbotene Partyszene …

Vom Grunde her ist dieser Film schon durch seinen Regisseur interessant: er ist von Jonah Hill, der einst als platter Komödiendarsteller etabliert war und sich dann irgendwann mit tauglichen und ernsthaften Rollen hervortat – und nun zeigt sich hier was er so auf dem Regieposten hinkriegt. Dazu hat er sich ein Thema ausgesucht daß ein Minimum an Plot und Story, aber ein Maximum an Atmosphäre: mit 4:3 Format sieht der Film aus wie ein alter Videofilm aus den 90er Jahren und taucht eben auch voll in diese Epoche ein. Wir sehen einen Jungen der Anschluß an eine Skaterclique findet und mit ihnen abhängt – das hat halt wenig zu erzählen, aber schwelgt sehr ausgiebig in der Zeit und der Epoche. Leider kann ich mich damit nur teilweise identifizieren: ich war zu der Zeit in welcher der Film spielt etwa so alt wie die Hauptfigur, ein gewisser Bezug ist also gegeben, allerdings habe ich selber niemals mit der Skateboard Szene zu tun gehabt. Trotzdem spüre ich ein wenig die Erinnerung daran wie es ist den ganzen Sommer ständig mit den gleichen Leuten abzuhängen und Spaß zu haben, auch wenn im Grunde nichts passiert.

Fazit: Keine richtige Geschichte, sondern einfach nur das einfangen einer tollen Zeit für die Hauptfigur die bei einigen Zuschauern sehr nostalgosche Gefühle hervorholen könnte.

Avengers – Endgame

Nach ihrer Niederlage gegen den Titanen Thanos (Josh Brolin) sammeln sich die verbleibenden Avengers und entwickeln einen riskanten Plan mit dem die unfassbare Katastrophe abgewendet werden soll …

Einer der am meisten erwarteten Filme 2019. Und trotzdem ist dies vor allem ein Fanprojekt: nach über 20 Vorgängern wird nicht mal eine Sekunde mit irgendeiner Form von Erklärung verschwendet, es geht direkt in die Vollen. Dazu trägt auch daß das Marketing sehr zurückhaltend war und man nach Minute 15 wirklich im Unklaren ist was nun die Handlung sein wird und wo es hingehen wird oder was überhaupt der rettende Plan werden soll. Einige der Fantherorien erfüllen sich zum Teil, andere verpuffen restlos. Man übersieht bei alledem aber auch wie viel Geduld man für den Film braucht: von den 180 Minuten Lauflänge sind die ersten 90 ausgesprochen ruhig, langsam und sehr dialoglastig. Keine fette Schlacht, kein Megaevent, sondern kleine Charaktermomente liebgewonnener Figuren bevor es dann im letzten Drittel ums Ganze geht. Daß die Nummer nicht immer logisch daherkommt dürfte nicht weiter stören, ebenso wenig ist es rlevant daß man das alles hätte strecken können und das nicht Kenner rein gar nichts damit anfangen können. Für Fans und Liebhaber der Materie ist es aber sicherlich die beste Abschlußform, ein furioser Finalfilm und ein unfassbares Kinoevent. Leider ist der Sack damit aber nicht zu sondern geht ungebremst weiter.

Fazit: Das Avengers Finish welches sich die meisten wohl genau so gewünscht haben!

Rating: ★★★★☆

Greta

Frances (Chloe Grace Moretz) findet eine Handtasche und bringt sie der Klavierlehrerin Greta (Isabelle Huppert) zurück. Daraus entspringt schnell eine Freundschaft – allerdings entdeckt Frances schnell daß Greta mehr und mehr aufdringlich wird …

Kreuzbraver Normalo wird von fiesem Psychopathen drangsaliert: ein fast schon klassischer Plot der in vielen populären Formen umgesetzt wurde, meine populärste Version ist wohl „Weiblich, ledig, jung sucht …“ mit Bridget Fonda aus den 90er Jahren. In dieser neuen Version ist es eine junge Kellnerin der eine zurück gebrachte Handtasche zum Verhängnis wird durch welches sie eine bösartige, aufdringliche und nach Nähe suchende Irre am Hals hat. Dabei legt der Film trotz ruhiger Erzählweise ein extremes Tempo an den Tag und enthüllt seine gestörte Hauptfigur bereits nach zwanzig Minuten. Ab da befindet man sich in einem Titel der schwer vorherzusagen ist weil er sich zwar auf einem vertrauten Terrain bewegt, dabei aber regelmäßig typische Tropen verweigert und sich zum Ende hin glatt in einen ganz anderen Film verwandelt. Die Figuren sind dabei etwas schlicht gehalten, die grundböse Irre auf der einen und die grundgute Heldin auf der anderen Seite, ebenso mag man bei genauem Hinsehen ein paar Logikfehler und Unwahrscheinlichkeiten aufdecken. Trotzdem mindert das nicht wirklich den Spaß an anderthalb Stunden überschaubarem, aber eben doch sehr spannend geratenem Thrillerkino.

Fazit: Klein, effektiv und passend – erfreulich ruhig gehaltener Psychoterror!

Rating: ★★★★☆

Das krumme Haus

Privatdetektiv Charles (Max Irons) kehrt aus dem Zweiten Weltkrieg zurück und hört von seiner Verlobten Sophia (Stefanie Martini) das deren Großvater umgekommen ist. Da Sphia erst heiraten mag wenn der Fall geklärt ist beginnt Charles mit den Ermittlungen …

Ich habe mich nie entscheidend mit den Werken von Agatha Christie befasst; ebenso wenig mit den Verfilmungen. Lediglich „Mord im Polarexpress“ ist mir untergekommen, aber wohl auch nur dadurch daß der Film zu einem entsprechenden Hit hochstilisiert wurde. Das mag der Grund sein warum dieser hier nun für die Leinwand verarbeitet wurde der mir wie eine sehr gebremste Version des Zugkrimis erscheint: ein freundlicher und aufrichtiger Detektiv ermittelt in einem Haus voller schräger Charaktere und sucht dort einen Mörder. Es werden in langen, ruhigen Dialogen mehr und mehr exzentrische Charaktere aufgebaut, Hinweise gestreut und so fügt sich nach und nach ein Gesamtbild. Das erschien mir oftmals eher langweilig weil mir die Figuren trotz populärer Darsteller eher unangenehm vorkamen, mag aber durchaus sein Publikum finden. Christies Geschichten scheinen zwar nicht nennenswert aktuell zu sein, kommen aber solide konstruiert und durchdacht daher.

Fazit: Passabler Krimi mit exzentrischen Figuren und krassem Ende.

Climax

Eine Tanzgruppe macht eine große Feier bevor es auf große Tour gehen soll – dann entdeckt Selva (Sofia Boutella) daß die ganze Gruppe heimlich unter Drogen gesetzt wurde. Dadurch entwickelt sich die Nacht zu einem Wahnsinn aus Begierde und Gewalt …

Das ist dann wohl ein Kunstfilm? Erklärt mir warum ich nichts damit anfangen kann, wenngleich ich ihn trennen möchte: einerseits wegen dem erzählten Stoff der einfach nur daraus besteht daß eine Party aus dem Ruder läuft und eine Menge tanzender Leute durchdrehen. Das funktioniert für mich nahezu gar nicht weil ich ihnen vorher lange beim tanzen zusehe, dann aufgrund einiger hektischer Dialoge aber keine wirkliche Figuren habe mit denen ich mich identifizieren könnte. Dafür ist der Film dann bei seiner schrittweisen Reise in den Wahnsinn eine Wucht: man kann ihn wie ein langes Musikvideo sehen und empfinden, man kann auch versuchen sich von der Stimmung mitreißen zu lassen oder nach wenigen Minuten entnervt ausmachen. Geht alles. Für mich hat das eigentliche halt nicht gut funktioniert

Fazit: Eigensinniger Spezialtitel der nur wenigen zugänglich ist!

The Hole in the Ground

Sarah O’Neill (Seána Kerslake) zieht mit ihrem Sohn Chris (James Quinn Markey) in eine Kleinstadt. Nach einem Streit verschwindet Chris im Wald – und kehrt verändert zurück. Sarah erahnt eine unfassbare Bedrohung …

Kinderhorror arbeitet mit einer gewissen Grundangst, nämlich daß das eigene Kind sich irgendwie verändert, daß sich schlimme Erziehungsfehler manifestieren und daß man isoliert ist und sich dazu nicht mitteilen kann. Diese Elemente und auch einige andere sehr bekannte Versatzstücke finden sich allesamt in diesem Film wieder; doch obwohl eigentlich alles altbekannt ist funktioniert es ungemein gut. Weniger ist mehr; das zeigt dieser hier auf großartige Weise: die zwei isolierten Hauptfiguren, der eher dezente Einsatz von Jump Scares und anderen Horrorklischees, all das wird aufrecht erhalten durch eine unfassbar gut getroffene und Stimmige Atmosphäre. Ob man das Ende dann so akzeptieren mag sei jedem selbst überlassen – mit der großartigen Seana Kerslake hat der Film bis dahin eine überragende und restlos überzeugende Hauptfigur.

Fazit: Dämonenkindhorror wie man ihn kennt, ist aber trotz vieler bekannter Elemente ungemein effektiv!

Rating: ★★★☆☆

Extremely Wicked, Shockingly Evil and Vile

Ted Bundy (Zac Efron) ist nach außen hin ein netter Kerl; führt aber ein Doppelleben in dem er reihenweise Frauen ermordet. Seine Freundin Elizabeth Kloepfer bekommt zwar eine böse Ahnung, findet aber kein Gehört …

Ist es falsch einen Serienmörder menschlich darzustellen? Nein, finde ich nicht. Im Gegenteil: indem er „normal“ und menschlich präsentiert wird kommt für mich die Glaubwürdigkeit dazu. Und auch der Film mag Zac Efron in der Hauptrolle mögenswert zeigen – wahre Sympathie kommt dabei nicht auf. Eher ein glaubwürdiges Bild davon wie der Mann auf seine Umgebung gewirkt haben mag und warum keiner darauf kam was für ein bösartiges Monstrum er war. Im Film werden die Gewalttaten ausgespart; die Geschichte Bundys wird sprunghaft in wesentlichen Punkten zusammengefasst – aber auch ohne ausufernde Gewaltakte zu präsentieren funktioniert das Grauen bestens. Mir selber geht die Ernsthaftigkeit etwas verloren wenn ich Jim Parsons als Ankläger sehe, aber das ist wohl nur nebensächlich: diese Ausarbeitung des Themas ist einen Blick wert.

Fazit: Erschreckend freundliche Darstellung eines grausamen Täters!
8rating: 4]