Die Passion Christi

Die letzten zwölf Stunden im Leben von Jesus Christus (Jim Caviziel): er wird im Garten Gethsemane von römischen Soldaten festgenommen und Pontius Pilatus (Hristo Naumov Shopov) vorgeführt. Dieser weigert sich zunächst, der Forderung der Pharisäer Jesus zu kreuzigen, nachzukommen und läßt ihn nur brutal foltern, gibt aber schließlich doch deren Wunsch nach und befiehlt die Kreuzigung. Für Jesus beginnt der qualvolle Aufstieg zum Berg Golgotha, wo er dann ans Kreuz geschlagen wird…

Ein Film, über den viel geredet wird – und gegen den eine ganz schöne Hetzkampagne betrieben wird. Ich glaube, ich habe bislang nirgendwo auch nur ein gutes Wort über den Film gehört. Dabei ist die Wahrheit ganz einfach: dieser Film entzieht sich voll und ganz einer Bewertung, weil jeder sich selbst damit auseinandersetzen und schauen muss, wie er oder sie damit klar kommt.Inhaltlich bleibt das ganze ziemlich dicht an den 4 Evangelien und bringt eine Art Mischung daraus, ohne etwas dazuzuerfinden oder wegzulassen. Gerade hierin liegt für mich die Stärke des Filmes: er bringt all das, was man aus dem Religionsunterricht oder der Kirche kennt, in visueller Form – und das nun mal schonungslos. Als ich in der vierten Klasse der Grundschule war, hatte ich die Geschichte von Jesu Kreuzigung schon unzählige Male gehört, aber erst dieser Film bringt viele Dinge des Ganzen so krass und schlimm dar wie sie wohl waren. Z.B. las ich damals nur, dass man ihm eine Dornenkrone aufgesetzt hat, im Film sieht man dann völlig schonungslos, wie brutal ihm das Ding auf den Kopf gehämmert wird und ihm ins Fleisch schneidet. Das ist zwar nicht unbedingt schlimmer oder brutaler als so manch anderer Horrorfilm, den es in der letzten Zeit gegeben hat – aber es schockt trotzdem ziemlich.Und das ist für mich der gesamte Film: eine Visualisierung der bekannten Dinge, eine exakte Abfilmung der Bibel, die eine ungeahnt grausame Form erreicht.Einen Vorwurf muss sich Mel Gibson jedoch gefallen lassen: den Showeffekt. Der Film nutzt in fast jeder Szene Zeitlupeneffekte, die von John Woo sein könnten – das mag bei der (unsagbar gausamen) Folterung Jesu noch den dramatischen Effekt unterstreichen, bei Szenen wie seiner Verhaftung oder einer Rückblende, wo er einfach nur auf einer staubigen Straße auftritt, soll es nur einen möglichst coolen Look erzeugen. Ebenso das effektreiche Finale, wenn Jerusalem vom Zorn Gottes getroffen wird und die komischen Horroreffekte, als Judas von einigen Kindern angepöbelt wird und die sich vor seinen Augen in Monster verwandeln..Fazit: Unmöglich zu kommentieren oder gar zu werten – unmenschlich grausame und brutale Bibelverfilmung, handwerklich perfekt und ergreifend inszeniert und mit Jim Caviziel wahnsinnig gut besetzt, aber letztlich muss sich jeder mit dieser filmischen Kummerbreitseite auseinandersetzen.

Rating: ★★★★★

Ein Gedanke zu „Die Passion Christi“

  1. Wie bereits gesagt wurde – ein Film über den viel geredet wird… aber war das nicht immer so? Ich zumindest kann mich nicht dran erinnern, dass es keine Diskussion gab, wenn es um ein Film über das Leben/Leiden Jesu ging. Das war beim Film „Die Letzte Versuchung Christi“ ganz und gar nicht anders.Allerdings, so muss ich gestehen, ist es schwer über einen Film zu schreiben, der sich mit einem solchen Thema auseinander setzt, ohne in bestimmte Muster zu fallen. Daher will ich mich in erster Linie mit den Kritiken auseinandersetzen, die durch die Medien ziehen, um so ein möglichst neutrales Bild zu erzeugen.Über „Die Passion Christi“ wird gesagt, dass er durchweg antisemitisch sei.Ehrlich gesagt, kann ich dem Vorwurf nicht ganz folgen. Es stimmt, dass die Juden zunächst als „Täter“ dargestellt werden, jedoch zeigt sich vor allem in der Szene bei der Gegenüberstellung von Pontius Pilatus, dass es eher wenige sind, die man als „Täter“ (sofern so eine Bezeichnung überhaupt passend ist) darstellen könnte – und zwar die wenigen Hohepriester, die das Volk aufwiegeln und ihre Meinungsmacher sind, nur um ihre eigenen Interessen zu wahren.Das wenige Leute einen Mob um sich scharren können, um ihre eigenen Interessen durchsetzen zu können, das beweist die Geschichte immer wieder (Bsp. Französiche Revolution, 3. Reich etc.).Eine andere Szene zeigt Jesus bei seinem Kreuzweg. Alleine trägt er, unter ständigen Peitschenhieben, das Kreuz während er immer widerwillig zusammenbricht. Ein Jude hilft ihm dann das Kreuz zu tragen, zwar zunächst nicht freiwillig, was sich aber im Lauf des Weges ändert.Daher fällt es mir schwer, diesem Vorwurf Glauben zu schenken.“Die Passion Christi zeigt eine neue Darstellung von Gewalt.“Das ganz sicher. Mel Gibson, der schon mit „Braveheart“ einen Blutfest feierte, legt hier noch einen drauf. Alleine die etwas mehr als 20 Minuten lange Peitschenorgie zeigt Szenen, in denen nicht nur Blut den Boden tränkt, sondern auch kleine Fleischstücke aus dem Körper von Jesus gerissen werden.Die Härte nimmt zu, als Jesus ans Kreuz genagelt wird – nicht nur, dass man sieht, wie die Nägel durch die Handflächen gerammt werden, man sieht, wie seine Schulter ausgekugelt wird und immer wieder Blut fließt.Keine Frage, die Gewalt in diesem Film ist mehr als hart und nichts für schwache Nerven. Stellt sich die Frage, ob das nötig gewesen wäre… ich denke nicht – oder zumindest nicht in dieser Länge.Was für ein Fazit bleibt, ist die Erkenntnis, dass es sich hier um einen technisch und schauspielerisch gut gemachten Film handelt, auch wenn die ständigen Zeitlupeneffekt nicht immer passend sind.Was den Inhalt angeht, so muss jeder selbst wissen, ob er sich damit auseinandersetzen will, denn letztenendes ist die Interpretation davon das, was zu den Diskussionen geführt hat.

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