Utoya

Die 18-jährige Kaja (Andrea Berntzen) und ihre jüngere Schwester Emilie (Elli Rhiannon Müller Osbourne) verbringen ein paar Ferientage auf der norwegischen Insel Utøya. Als Kaja eines Tages in Diskussionen mit einigen anderen vertieft ist fallen Schüsse – ein wahnsinniger Massenmörder geht auf dem Gelände herum und erschießt jeden der ihm begegnet. Kaja versucht verzweifelt Emilie zu finden …

Hier ist natürlich ganz besondere Vorsicht geboten: ein Ereignis wie den Anschlag auf Utoya in einen Film zu verfrachten beinhaltet sehr viele Risiken. Es darf nicht passieren daß man das ganze als Thriller oder sonstigen Unterhaltungsfilm verfrachtet, ein dokumentarisches Abbilden eines Gemetzels macht ebenso wenig Sinn und Material für denjenigen der Spaß an einem Gemetzel hat sollte man soweit auch nicht liefern. Der Film findet im Ansatz den richtigen Weg, wenngleich ich es diskutabel finde die Thematik überhaupt filmisch zu verarbeiten. Im Film bekommen wir eine junge Frau als Hauptfigur und erleben die Vorfälle aus ihrer Sicht: d.h. man bekommt keinen umfassenden Blick, keine Hintergründe und keine Übersicht, sondern eben ein junges Mädchen daß am Anfang unbedarft mit ihren Freunden zusammen ist und dann geht das Gemetzel los. Allerdings wird es aus der sehr eingeschränkten Sicht der Hauptfigur geschildert: man sieht die Leichen und Opfer die sie sieht, ohne zu wissen wen es dort jeweils erwischt hat; man hört permanent die Schüsse und Schreie ohne zu sehen was dort vorgeht. Die Kamera klebt in langen Einstellungen an der Hauptfigur und wackelt mitunter daß einem schwindelig wird. Aufgrund der flüchtigen und bleichen Darsteller entwickelt man mit keiner Figur eine persönliche Bindung, gewinnt aber dennoch einen wagen Eindruck der aussichtslosen und verzweifelten Lage in die hier die besagten Jugendlichen gerieten (wenngleich ein Film so einen Vorfall natürlich nur wage erfassen kann). Am Ende bleibt ein Zwiespältiger Eindruck. Eigentlich ist das alles solide und ordentlich gefilmt und hält des öfteren auch die nötige Distanz – trotzdem erfüllt es eigentlich keinen Sinn.

Fazit: Ein furchtbarer Anschlag wie ein Thriller aus den Augen einer Betroffenen inszeniert – läßt nicht kalt, erfüllt aber auch keinen Zweck!

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