Shaft

JJ aka John Shaft Jr. (Jessie Usher) hat weder zu seinem Vater (Samuel L. Jackson) noch zu seinem Großonkel (Richard Roundtree) ein gutes Verhältnis. Als er jedoch beim FBI anfängt und ihm eine Ermittlung über den Kopf zu laufen droht vereinen sich die drei Shaft Generationen …

Auf dem Papier ist das eine unglaublich spannende Sache: der Original Shaft aus den 70ern, der Nachfolge Shaft von Anfang 2000 und ein moderner, junger Shaft gehen gemeinsam gegen das Verbrechen vor. Allerdings wirkt das im Marketing etwas epischer als im Film, da Richard Roundtree erst in den letzten zwanzig Minuten dazu stößt. Davor bekommt man die Blaupause eines typischen Buddy Cop Films, bzw. die nächste Variante von „der Harte und der Zarte“: der Jung Shaft ist clever, aber feige und unbeholfen, der ältere Shaft ist halt einfach Samuel L Jackson und absolviert Schießereien und Wortduelle einfach mit dessen typischer Coolness – und diese beiden ermitteln in einem Mordfall, der ebenso eine komplett formelhafte Krimihandlung darstellt ohne Überraschungen. Ich kann verstehen warum es der Film nichts ins Kino geschafft hat sondern direkt ei netflix erscheint, schade ist es trotzdem: mir fehlt der Bezug zur Figur Shaft, aber ich kann eben auch einfach ein wenig Spaß daran haben einfach nur Samuel L. Jackson zu sehen. Durch ihn ist es einfach eine nette Actionkomödie mit ein paar blutigen Schießereien, ein paar flotten Sprüchen und diverser Passabler Action. Nicht das was es hätte sein können, für einen Streaming Titel aber amtlich und ordentlich.

Fazit: Höchst amüsante Actionposse mit ultracoolem Samuel L. Jackson.
Rating: ★★★☆☆

Gut 20 Jahre nachdem die Serie „Deep Space Nine“ geendet ist blickt der Showrunner Ihra Behr zurück, interviewt die entsprechenden Darsteller und schwelgt mit ihnen in Erinnerung …

Schon der Freund mit dem ich hier das Kino betrat sagte beim reingehen: dies wird ein „Special Interest“ Film. Und das stimmt: ich habe selber „Deep Space Nine“ seinerseits sehr aufmerksam verfolgt und denke mit Nostalgie an die Serie zurück – darum erschien es mir gleichermaßen verstörend wie auch sympathisch dieses Thema in einem 130 Minuten langen Film aufgearbeitet zu sehen. Aber es sind halt zwei Komponenten die entsprechend zusammenkommen: zum einen eben das Thema das einen interessieren muß, zum anderen die Aufbereitung und Darstellung. Letzteres ist überragend: mit nahezu allen Darstellern die gealtert nochmal zu Wort kommen und sich erinnern; einer fiktiven weiteren Episode drin welche die Ereignisse fortführt und aufwendig aufpolierten Serienausschnitten gibt’s für den Fan und Kenner eine ganze Menge zu sehen. Gut, manches könnte man hinterfragen (warum z.B. eine Person geradezu rausgemobbt wurde während doch alle so sehr betonten daß dies alles immer sehr familiär gewesen sei), an manchen Stellen werden Bedeutungen zugeschustert die etwas zu schön zum wahrsein sin, aber letztlich: dies ist eine Insider Geschichte welche ihr Thema toll transportiert und dem entsprechenden Zuschauer sehr viel Freude macht.

Fazit: Episch aufbereiteter Rückblick, voller Spaß, Nostalgie und Faszniation.

Rating: ★★★★☆

Pets 2

Hund Max und seine Kumpanen haben tagsüber viel Spaß sobald ihre Herrchen aus dem Haus gehen, allerdings ist es damit vorbei als Spitzdame Gidget ein Spielzeug an eine Horde Katzen verliert und sich undercover dort einschleichen will …

Illumination legt nach: nach Den „Ich Einfach unverbeserlich“ Filmen wird nun auch Pets zum Franchise dem bestimmt noch weitere Teile folgen sollen. Aber brauchts das? Die Vorzüge von Teil 1 sind wieder da: flauschige, kuschelige Helden die allesamt zurückkehren. Die Fuiguren sind süß, Tierhalter finden bestimmt viele Eigenheiten ihrer Lieblinge wieder und die technische Umsetzung ist atemberaubend – nie war New York so farbenfroh und bunt animiert wie hier (außer bei Teil 1) und die fliegenden Blätter oder spitzen Nasen der Wölfe ergeben richtig tolle 3D Momente. Allerdings schlägt sich die Kiste Inhaltlich nicht gerade gut: es werden einfach drei Handlungen aufgebaut die separat nebeneinander laufen und kaum Berührungspunkte haben. Keine davon hat wirklich was zu erzählen, aber ebenso tut keine weh. An den lachenden Kleinkindern in meinem Kino konnte ich ableiten: für die ganz kleinen Semester macht die Geschichte sicherlich einen Heidenspaß. Als Film der wirklich was zu erzählen hat taugt es nicht so sehr …

Fazit: Kindgerechtes Sequel ohne erzählerischen Ballast!Rating: ★★☆☆☆

The Prodigy

Sarah und John Turner staunen über die unfassbaren Fähigkeiten die ihr Sohn Miles an den Tag legt. Schon bald glauben sie aber daß dessen Begabungen einen gefährlichen und dunklen Ursprung haben …

Die Story und der Inhalt klingen so altbekannt da man dabei schon wegschalten möchte: ein kleiner Junge zeigt bösartige, unheimliche Verhaltensweisen. Fortan ist seine Filmmutter und auch der Zuschauer auf der Suche nach einer Lösung: ist der Junge einfach nur böse? Steckt etwas anderes? Womöglich etwas übersinnliches? Ist eigentlich egal was, die Hauptsache ist daß die Zeit bis zur Enthüllung halbwegs spannend bleibt. Und das kriegt der Film hin. Zwar unter Einsatz vieler bekannter „Teufelskind“ Film Versatzstücke, aber diese werden hier allesamt korrekt und gut angebracht. Gewalt gibt’s dabei nicht so sehr, erst zum Ende hin wird’s an der Stelle etwas rabiater, bis dahin gibt’s eine stetig ansteigende Spannungskurve und eine sehr gekonnte Szene in einer Psychiaterpraxis. Lediglich bei der weiblichen Hauptfigur kann man Abstriche machen: „Orange is the new black“ Star Taylr Schilling macht das alles zwar solide, aber erreicht nicht die Intensität vergleichbarer Darstellerinnen.

Fazit: Xte Variante eines Teufelskinds daß zwar klein, aber sehr effektiv ausfällt!
Rating: ★★★★☆

Anna

Anna Poliatovas (Sasha Luss) ist nach außen hin ein angesagtes Pariser Model – doch in Wahrheit ist sie eine perfekt ausgebildete Auftragsmörderin des KGB. Als die CIA sie ins Visier nimmt droht alles aufzufliegen …

Bei Ansicht des Trailers und dem Zusammenzählen einiger Fakten kann man man sich recht schnell zusammenreimen was dies für ein Film ist: nach „Red Sparrow“ und „Atomic Blonde“ gibt’s erneut einen Agententhriller mit weiblicher, tougher Hauptfigur und ebenso ist der Film von Luc Besson der genau in diesem Genre mit „Nikita“, „Leon“ und Lucy bereits vorarbeit geleistet hat. Allerdings fällt der fertige Film dann doch irgendwie anders aus: klar, im Agentengenre sind alle dramaturgischen Formen von Intrigen schon genutzt worden, da kann man einfach nichts neues, frisches oder originelles anbringen, dennoch zieht Anna die richtige Entwicklung an der richtigen Stelle aus dem Hut ohne daß es unverständlich wird. Ebenso ist die verschachtelt erzählte Story komplex, wirft einen aber nicht raus. Die Actionszenen sind drin und dann eben auch etwas over the top, aber nicht so zahlrreich wie der Trailer es suggeriert. Und bei der Besetzung werden mit Saha Luss,, Helen Mirren, Luke Evans und einem wunderbar sakrastischen Cilian Murphy großartige Darsteller ins Feld geschickt. Deswegen: der eher unscheinbar erscheinende Thriller erweist sich als wendungsreich und ultraspannend.

Fazit: Großartiger Thriller der viele altbekannte Versatzstücke bestens neu aufbereitet!

Rating: ★★★★☆

Murder Mystery

Als ein älterer Milliardär in Europa ermordet wird geraten ein Polizist aus New York (Adam Sandler) und seine Frau (Jennifer Aniston) unter Verdacht. Fortan versuchen sie den Fall selber zu klären …

Sei ein Sklave im Himmel oder ein Star in der Hölle. In diesem Falle: sei ein unbeachteter, kleiner Titel im Kino oder ein Klickmagnet auf Netflix. Und in diesem Falle ist der zweite Fall eingetreten: wir haben hier eine kleine, unscheinbare Komödie die erst nach einer halben Stunde Fahrt aufnimmt, die unsympathische Figuren ins Zentrum setzt und eigentlich nichtig ist. Mit Jennifer Aniston und Adam Sandler hat der Film aber attraktive Hauptdarsteller welche die Zuschauer versuchen für sich zu gewinnen und das funktioniert im leichten Streaming Angebot bestimmt großartig. Filmisch betrachtet sind die beiden höllisch unsympathisch, der schwarze Humor ist speziell und nicht für jeden tauglich und der Film bietet auch keine rechten Schauwerte. Trotzdem hält alleine die Frage wer denn der Täter ist ausreichend bei der Stange. Im zu sehr überfluteten Streaming Angebot ragt der Film zwar nicht sonderlich heraus, aber stellt die Massen passabel zufrieden.

Fazit: Banale Krimikomödie mit prominenter Aufmachung und durch Netflix leichtem Zugang!

Rating: ☆☆☆☆☆

The Favourite – Intrigen und Irrsinn

Im England des 18. Jahrhunderts ist die kränkliche Königin Anne (Olivia Colman) kaum für ihre Pflichten geeignet und übergibt das Meiste an Lady Sarah (Rachel Weisz). Ebenso kommt das Dienstmädchen Abigail (Emma Stone) dazu und beginnt zu entdecken wie sie ihren Einfluß auf Anne für sich nutzen kann …

Die Inhaltsangabe könnte auch in eine ganz andere Richtung Film gehen: es geht um zwei Frauen die sich einen Konkurrenzkampf liefern, nicht um einen Mann sondern um die priviligierte Position an der Seite der englischen Königin. Wunderbar ist dabei die Besetzung: Rachel Weisz und insbesondere Emma Stone sind eigentlich Darstellerinnen die eher auf die sympathischen und herzlichen Figuren gesetzt werden, dürfen aber hier zwei bösartige Gestalten spielen die hinter höflicher Fassade die Intrigen und Gemeinheiten am laufenden Band anzetteln. Über die historische Genauigkeit kann ich nichts sagen, denke aber schon da dies hier für Schulunterricht und ähnliches taugt, da es das dekadente und oftmals absurde Leben am Hof ganz nett Zeigt. Zumal mit einer manchmal überraschenden Optik (Fischaugeneinsatz) und funkensprühenden Dialogen auch für Auge und Hirn einiges geliefert wird. Daher: keine Gefahr eines lauen Kostümschinkens, sondern flotte und hintersinnige Unterhaltung.

Fazit: Witzig und bissig in der Wirkung und großartig gespielt!

Ein Becken voller Männer

Bertrand (Mathieu Amalric), Marcus (Benoît Poelvoorde), Simon (Jean-Hugues Anglade), Laurent (Guillaume Canet), Thierry (Philippe Katerine), John (Félix Moati), Basile (Alban Ivanov) und Avanish (Balasingham Thamilchelvan) kommen auf einen absurden Gedanken um der Midlife Crisis zu entkommen: sie gründen ein männliches Snychronschwimmteam …

Eine französische Komödie die man durch einen Blick aufs Filmplakat scheinbar direkt und komplett erfasst: das Plakat zeigt einen Haufen unsportlicher Männer die in einem Beckenstehen. Wenn man dann noch die Handlung erfährt daß eben diese Gestalten versuchen sich an einer WM fürs Synchronschwimmen zu qualifizieren ist der Rest klar: es dürfte derbe und alberne Pointen geben und Charaktere die zu Witzfiguren werden. Dann ist man aber schon überrascht wie der Film ausfällt bzw. mit seinen Figuren umgeht: der Wettkampf spielt nur eine untergeordnete Rolle, primär wird fetzenhaft ein Blick auf die Leben der Männer geworfen und deren meist trostlose und problembehaftete Existenz offengelegt. Damit ist der Film dann doch mehr Drama als Komödie bevor es in der zweiten Hälfte zu einem konventionellen Sportfilm wird. Trotzdem stimmt vieles im Gesamtpaket: der Film hat durchaus das Herz am rechten Fleck und neben netten Figuren auch einige sehr herzliche Augenblicke, weswegen ein Blick durchaus lohnen kann.

Fazit: Herziger Film mit erstaunlich hohem Dramaanteil!

Rating: ★★★☆☆

Beautiful Boy

Bestürzt stellen David Sheff (Steve Carell) und seine Frau Vicky (Amy Ryan) fest daß ihr Mustersohn Nic (Timothée Chalamet) süchtig nach Meth ist. Davids Versuche seinen Sohn davon zu befreien werden stetig problematischer da Nic ständig lügt …

Im Ansatz hat der Film etwas daß ich höchst interessant finde: es werden reale Erlebnisse aus zwei Quellen geschildert. Es ist die Geschichte eines Vaters der mit der Drogensucht seines Sohnes umgeben muß und die beiden gibt es wirklich und beide haben über ihre Erlebnisse Memoiren verfasst. Der Film kombiniert diese, es wird also gleichermaßen die Sicht vom Jungen wie auch vom Sohn ins Drehbuch eingebunden. Da es aber auf reale Dinge blickt bleibt filmische Erhöhung und Übertreibung eher aus. Vielmehr hat man ein kleines Familiendrama mit furchtbaren Momenten und der vonS teve Carrell gespielten Hauptfigur dessen Qual und Leid man selbst körperlich spüren kann. Die Dramaturgie verläuft schleppend, aber die Darsteller reißen es mehr als raus.

Fazit: Überragende Darsteller einer schlimmen Phase .- etwas ereignisarm, aber berührend gespielt!

Ben is back

Nach schlimmer Vergangenheit kehrt an Weihnachten Ben Burns (Lucas Hedges) unerwartet zu seiner Familie zurück. Damit reißen aber Wunden auf und seine Mutter Holly (Julia Roberts) einige Not um Katastrophen zu vermeiden …

Ein Film mit dieser Thematik und Julia Roberts auf dem Cover wäre zu anderen Zeiten sicherlich mit mehr Zuckerguß ausgefallen. In der hier präsentierten Form ist es ein knüppelhartes Drama über eine Mutter die in die Drogenszenerie ihres Sohnes abtaucht. Dabei gefällt mir ein Aspekt vor allen andern: Roberts Figur ist zwar emotional, aber vernünftig, ebenso erscheint die gebeutelte Figur des Ben – und obwohl sie klar und offen aufeinander zugehen gibt’s es Differenzen und Probleme die eben doch größer als sie sind. Ebenso wird ungeschönt gezeigt wie das Vertrauen in den Jungen einerseits auf die Realität trifft und eben liebende Menschen sich mit Misstrauen und Skepsis begegnen. All das kommt mit großartigen Darstellern und bedrückender, aber nicht zerschmetterter Stimmung daher. Ein rabiates Familiendrama also in dem durchaus Gefühl steckt – aber auch ganz viel Kummer.

Fazit: Bitter und schmerzhaft – ein Film bei dem man froh ist nicht jemand von den Hauptfiguren zu sein!
Rating: ★★★★☆