Archiv der Kategorie: Thriller

Widows – Tödliche Witwen

Eine Truppe Gangster wird bei einem Coup komplett getötet. Die Hinterbliebenen Witwen Veronica (Viola Davis), Alice (Elizabeth Debicki), Linda (Michelle Rodriguez) und Belle (Cynthia Erivo) schließen sich zusammen um ihre Männer zu rächen …

Nicht gerade der Film anch dem er aussieht oder nach dem es der Trailer wirken läßt: dies ist kein Heist Movie, kein Actionfilm, keine Story über ein paar Powerfrauen die galant der bösen Männerwelt in den Arsch treten. Nein, dies ist eine hoch komplexe, vielschichtige Story, in der es um Verrat, Trauer, Kummer und Politik geht, in erster Linie geht es um das Leid der Frauen die ihre Männer verloren haben und die furchtbaren Flgen die das mit sich bringt. All das getragen von großartigen Darstellern und einer endlos trostlosen Atmosphäre und ganz viel Traurigkeit. Der Thrillerpart tritt neben dem Dramaaspekt zurück, weswegen ichs voll verstehen kann wenn es Leute gibt die diesen Film nur langweilig finden. Wer sich aber darauf einlassen kann kann einen großartigen, so heute nicht mehr üblichen Film genießen.

Fazit: Mehr Drama als Thriller mit dem Schwerpunkt auf dem Kummer der Hauptfiguren und immens vielschichtigen Nebenhandlungen!

Videoreview von mir: https://www.youtube.com/watch?v=KBpiTrkLuKg

Verschwörung

Lisbeth Salander (Claire Foy) hat den Draht zu Mikael Blomkvist (Sevvir Gudnason) gekappt und bringt sich in große Schwierigkeiten als sie eine Verschwörung innerhalb der NSA entlarvt. Ebenso ist Blomkvist mit Ermittlungen beschäftigt und stößt dabei auf Lisbeth …

Die Lisbeth Salander Saga geht weiter, allerdings auf Neuland: der Film basiert sehr wohl auf der amerikanischen Verfilmung mit Daniel Craig, fußt aber dann doch auf einem neuen Roman den ein anderer Autor nach Stieg Larson geschrieben hat. Und erfreulicherweise kann man diesen Film schauen und auch genießen ohne etwas von dem alten Zeugs zu kennen. Im Kern hat man hier einen Thriller nach Schema F: wenig was man nicht schonmal gesehen hat, kaum etwas daß nicht schonmal woanders eingesetzt wurde – aber es sind Dinge die hier wie auch bei anderem schon immens gut geklappt haben. Wenn man sich an was aufhängen will kann man sicher was finden – seien es die teils so eingesetzten Klischees, sei es die mitunter übersteigerte Heldin die gleichermaßen coole Sau wie armes Opfer verkörpert und da nicht immer restlos ausgewogen wirkt. Oder sei es daß eigentlich kein Nebendarsteller irgendeine Form eines „Ausdrucks“ besitzt und irgendwelche Punkte setzz. Aber wozu soll man das bemängeln: wenn man die gelegentlichen Klischees runterschluckt bleibt ein konventioneller, spannender und immens mitreißender Thriller übrig.

Fazit: Arbeitet zwar mit vielen Klischees, punktet aber mit Action, Spannung und toller Heldin!
Rating: ★★★★☆

Tödliches Verlangen

Katie (Nicky Whelan) will mit ihrer Tochter in einer neuen Stadt ein neues Leben beginnen und freundet sich mit dem Ehepaar Angela (Gina Gershon) und Brian Morgan (Nicolas Cage) an die sie als Nanny einstellen. Schon bald scheint sich bei Katie aber eine zwangshafte Verhaltensstörung zu offenbaren …

Wenn Nicolas Cage auf dem Cover steht weiß man doch im Grunde womit man es zu tun hast, zumindest wage, vor allem wenn der Film nicht allzu alt ist. Wobei dieser hier aus der Masse seiner Billigproduktionen doch passabel heraussticht Vor allem weil er einen harmlosen Normalo spielt der außer bei ein paar Wutszenen nie in seinen üblichen Modus verfällt. Des weiteren bringt der Film ihn mit seiner „Face / Off“ Kollegin Gina Gershon zusammen, was ganz nett ist. Der Rest? Ein Film der früher als RTL TV Film gelaufen wär, die hunderste Version der Psychopathin die eine brave Familie belästigt und quält und die Story einer Protagonistin die zwar alles weiß, der aber keiner glaubt. Wer damit leben kann daß dieser Film niemals die routinierten Bahnen verläßt kann andertghalb passable Thrillerstunden ansehen, jeder der dieses Ding ausläßt hat nichts verpaßt.

Fazit: Kleiner, völlig austauschbarer Thriller!

Rating: ★★★☆☆

Arsenal

Seit Kindertagen haben die Brüder Mikey (Johnathon Schaech) und JP (Adrian Grenier) stehts aufeinander aufgepaßt – trotzdem wurde Mikey ein unbedeutender Mafia-Handlanger während aus JPEigentümer einer kleinen Baufirma wurde. JP gerät dann aber mit dem Gangsterboss Eddie King (Nicolas Cage) aneinander der der seine Familie bedroht und hofft auf Hilfe des Polizisten Sal (John Cusack) …

Ein Film bei dem Nicolas Cage und John Cusack auf der Besetzungsliste auftauchen – es gab Zeiten wo mich das restlos begeistert hätte. Heute ist das Mitwirken dieser beiden Herren ein ganz guter Beleg dafür daß man sich im billigeren Filmsegment bewegt. Wenn man das akzeptiert hat und es bewußt anschaut kann man mit dieser Nummer hier aber ganz zufrieden sein. Zwei Brüder die totz Differenzen gemeinsam gegen ein paar Gangster vorgehen sind keine neue Story, aber solide Standardware über der Cage einsam thront: sein absolut bescheuerter, alberner Vogel von Gansgsterchef mit der extrafiesen Frisur stellt ein neues Highlight seiner Overacting Rollen da und ist ein Garant für ein stetiges Dauergrinsen. Das mag manch einer auch bei den recht blutigen Actionmomenten dieses Films im Gesicht haben. Darum: es ist ein kleiner, schlichter und altbekannter Film der aber auf dem Sektor auf dem er unterwegs ist eigentlich alles richtig macht.

Fazit: Standard Gangsterstory, dafür Cage in einer seiner schrillsten Rolle.

Nur ein kleiner Gefallen

Stephanie (Anna Kendrick) versorgt alleine ihren Sohn Miles (Joshua Satine) und ist stets hilfsbereit. So nimmt sie auch Nicky (Ian Ho), den Sohn ihrer Freundin Emily (Blake Lively) für ein paar Stunden zu sich – doch Emily kehrt nicht zurück um den Jungen auszuhelfen …

Der Film kombiniert zwei gängige Elemente in sehr eigenartiger Ausrichtung: Comedy und Thriller. Leider stehen sich diese im Weg: der Film ist über weitete Strecken amüsant und stetig lustig, das aber verhindert sehr oft daß die richtige Spannung aufkommen kann. Das kann sie aber auch aus einem anderen Grund nur schwer: wegen den restlos überzeichneten Hauptfiguren und der Umgebung. Hier ist alles larger than life: vor allem Anna Kendrick als perfektionierte Übermutti die ihr Leben, einen Blog, das Kind, einfach alles stetig schafft und dabei nicht mal einen Funken Ermüdung zweigt, ebenso Blake Lively die eine perfekt auf sie zugeschnittene Rolle als Miststück abgibt. Die Spannung entsteht letztlich wohl mehr aus der Neugier daß man wissen will was es denn nun final mit den Figuren auf sich hat als durch eine gelungene Atmosphäre – aber am Ende ist man überrascht daß dieser oftmals ungleich ausbalancierte Film durchaus so amüsant daher kommt.

Fazit: Sehr merkwürdiger Film mit edler Ausstattung und restlos überzeichneten Figuren!

Videoreview von mir: https://www.youtube.com/watch?v=Xe5r7Py63bI

Abgeschnitten

Rechtsmediziner Paul Herzfeld (Moritz Bleibtreu) findet bei einer Leiche einen Zettel mit der Handynummer seiner Tochter Hannah (Barbara Prakopenka). Diese wurde von Jan Erik Sadler (Lars Eidinger) entführt und Paul muß nach Helgoland gelangen um Hannah zu retten. Dazu braucht er aber die Hilfe von Comiczeichnerin Linda (Jasna Fritzi Bauer) und Hausmeister Ender (Fahri Yard?m) …

Eigentlich großartige Voraussetzungen: der Trailer vermittelte eine immens gute und düstere Stimmung, die Besetzung mit Moritz Bleibtreu, Jasna Fritzi Bauer und Lars Eidinger ist hochkarätig und die Vorlage stammt vom populären Thrillerautor Sebastian Fitzek. Und man merkt am Film daß Potential vorhanden war, allerdings stammt dies aus einer 400 Seiten langen Vorlage die für den Film merklich zusammengekürzt werden mußte. Das resultiert in einer sehr spannenden ersten Hälfte in der insbesondere die krasse Situation in der ein Laie eine Leiche sezieren muß für großartige Spannung sorgt – aber wenn dann in der zweiten Hälfte die einzelnen Entwicklungen sieht, die Hintergründe und was dann wirklich als wichtig übrig bleibt verliert man schnell den Faden. Von merkwürdigen Schauplatzwechseln zu zahlreichen unglaubwürdigen Momenten und Plotpoints die nutzlos verpuffen – alles wird nur von den Darstellern und der Atmosphäre zusammengehalten. Dabei bleibt die Scheußlichkeit und die Anspannung bis zum Ende ungebremst erhalten, allerdings ohne daß einem die Figuren ernsthaft nahegehen und es fällt alles restlos auseinander wenn man anfängt das gezeigte zu hinterfragen.

Fazit: Effektive Spannung und Atmosphäre, aber eine unklare Handlung und ein schlecht aufgebautes Drehbuch!

Rating: ★★☆☆☆

The Guilty

Asger Holm (Jakob Cedergren) war früher Polizist, ist aber nun in einem Call Center. Dort empfängt er den Anruf von Iben (Jessica Dinnage) die gerade enführt wird – und er versucht ihr zu Hilfe zu kommen …

Weniger geht wirklich nicht: ein Mann sitzt in einem Raum und telefoniert, in diesem Fall ein Angestellter in einer Notrufhotline. Der ist eigentlich voller Polizist und voller Tatendrang und wird in einen Sachverhalt verwickelt in den er sich gerne mehr involvieren würde, lehnt sich dabei auch mitunter ganz schön weit aus dem Fenster. Ich fand es klasse weil man so sehr in die Lage der Hauptfigur versetzt ist: man hat nur was man aus dem Hörer hört, sieht nichts, hört nichts und kommt aufgrund der Indizien zu den gleichen Schlußfolgerungen wie die Hauptfigur – daß deren Ansichten mitunter falsch sind und später auch zu falschen Schlüssen führen wird dadurch absolut nachvollziehbar. Und dank dem zwar unsympathischen, aber greifbaren Helden entstehen 80 Minuten pures Spannungskino daß zwar keine optischen Schauwerte hat, aber eine durchgehende Spannungskurve.

Fazit: Thrill pur mit krassem Twist – minimalistisch, aber effektiv!

The Humanity Bureau

In naher Zukunft große Bereiche der USA durch die Folgen der globalen Erwärmung unbewohnbar geworden. Dabei regelt das „Humanity Bureau“ die Umsiedlung der Menschen in sichere Bereiche. Als aber Mutter Rachel Weller (Sarah Lind) und ihr kleiner Sohn Lucas (Jakob Davies) nach„New Eden“ abgeschoben werden sollen protestiert sie bei ihrem Sachbearbeiter Noah Kross (Nicolas Cage) ..

Das übliche Spiel: Nicolas Cage über nimmt die Rolle in einem kleinen, direkt fürs Heimkino produzierten Film. Diesmal einer der zumindest im Ansatz Potential hat: es spielt in der Zukunft und geht um Resourcenknappheit, Deportation – also Themen die eine gewisse Brisanz inne haben. Leider aber nicht das Budget um daraus wirklich was zu machen / formen. Statt dessen begnügt sich der Film damit leere Gegenden, Wüsten oder leerstehende Lagerhallen als Kulissen zu nehen und jagt Cage it Frau und Kind einmal durch diese Szenerie. Viel mehr gibt’s nicht, ebenso hat Cage hier wieder mal einen sterilen Part den er solide angeht, aber eigentlich keine Chance hat markante Punkte zu setzen. Daher: durchweg verzichtbar.

Fazit: Langweilig und aussagelos, dabei hat die Grundthematik durchaus Potential – und Cage ist die Erwähnung nicht wert.

Rating: ★☆☆☆☆

Bad Times at the El Royale

Ein langer Abend für den Concierge Mike Miller (Lewis Pullman) im Hotel El Royal. Seine Gäste sind der Priester Daniel Flynn (Jeff Bridges), Sängerin Darlene Sweet (Cynthia Erivo), Staubsaugervertreter Laramie Seymour Sullivan (Jon Hamm) und eine mysteriösen Unbekannten (Dakota Johnson). Schon bald ereignen sich selstsame Vorfälle und der Sektenführer Billy Lee (Chris Hemsworth) tauchst auf …

Bei dem Film wird ein permanenter Vergleich gezogen, nämlich mit den Werken von Quentin Tarantino. Man erkennt typische Merkmale: den Einsatz von meist kultiger Musik, ein gähnend langsames, mitunter fast schnarchendes Erzähltempo und das endlose Auswalzen von Szenen und ein haufen verwegener, kultiger Figuren. Das Problem ist daß der Film am Ende keinen Nährwert hat: es wird einfach ein großes Rätsel aufgebaut, schrittweise durch Rückblenden untermauert und enthüllt und am Ende liegt alles offen . Dann hat man zwar nichts gelernt, nimmt keine Moral mit, es bleiben einfach zwei einhalb Unterhaltsame Stunden. Man muß sich allerdings auf das komplett entschleunigte Erzähltempo einstellen und einlassen können, gelingt dies kann man an vielen tollen Twists, spannenden Methoden (etwa eine Szene die immer wieder aus anderen Blickwinkeln gezeigt werden) und coolen Figuren seine Freude haben. Nach hinten raus bleibt allerdings nicht viel, außer einfach einem lässigen Film mit Atmosphäre. Stars und Optik.

Fazit: Ein clever konstruierter Thriller mit immens gebremster Erzählweise!Rating: ★★★★☆

Ballon

Die Familien Strelzyk und Wetzel planen im Jahre 1979 die Flucht aus der DDR. Diese soll mittels einem selbst gebastelten Heißluftballon gelingen, scheitert aber kurz vor dem Ziel. Fortan müssen einerseits ihre Spuren verwischen und im Stillen einen neuen Ballon bauen …

Endlich: Michael Bully Herbig macht mal einen ernsthaften Film. Darauf habe ich mich sehr gefreut, einfach weil ich seine bisherigen Werke auch immer unter dem handwerklichen Aspekt gesehen habe und ihn für einen der fähigsten deutschen Regisseure halte. Einer der hier auch großartiges Material zur Verfügung hat: Die Story ist eigentlich recht schlicht, zwei Familien unternehmen zwei Fluchtversuche, aber daraus resultieren Unmengen an Spannungsmomenten: die Paranoia, die Belastung, die Bedrohung und die Angst der Familien davor entdeckt zu werden reicht alleine schon um trotz des bekannten Ausgangs die Spannung hochzujubeln. Negativ fallen ein paar schlechte Effekte auf (das Berlin der damaligen Zeit sieht mitunter etwas klobig aus) und eine sehr plump eingesetzte Traumsequenz, aber das ist jammern auf hohem Niveau. Anonsten hat man eine bewegende Geschichte, sympathische und engageirte Darsteller und eben das Ausloten von Spannung überall wo es geht – und definitiv ganz großes deutsches Kino,

Fazit: Spannungskino vom Feinsten, dazu eine Würdigung des unglaublcihen Muts zweier Familien!

Rating: ★★★★★