Archiv der Kategorie: Drama

Brittany runs a marathon

Das New Yorker Partygirl Brittany (Jillian Bell) führt zwar ein exzessives Leben, ist aber unglücklich. Als ihr Arzt sie darauf hinweist daß sie abnehmen muß gelangt sie an eine Lauftruppe. So setzt sich Brittany das ehrgeizige Ziel einen Marathon zu laufen …

Es ist ja mittlerweile ein ständig wiederholtes Prozedere: Streaminganbieter bringen manche Titel kurzzeitig ins Kino um dann später bei Preisverleihungen entsprechend mitsprechen zu können. Warum das bei diesem Hier passiert ist kann ich aber nicht verstehen. Das heißt nicht daß dieser Film schlecht ist, aber er rangiert nicht in solchen Dimensionen. Dafür weiß er zu überraschen: die Aufmachung und die Story sowie Jillian Bell lassen es wirken als habe man es hier mit einen seichten Komödie zu tun. Es gibt durchaus auch humorvolle Momente, aber der generelle Grundton ist merkwürdig traurig. Hier geht es um eine Frau die ihr Leben nicht geregelt bekommt und im Laufen einen Weg findet aus allem auszubrechen. Dabei gibt es Rückschläge, dabei gehen Dinge schief … und die Hauptfigur ist ohnehin jemand der sich selbst überhaupt nicht leiden kann. Diese Dinge werden nicht immer angenehm, aber eben durchgehend sehr ehrlich an den Zuschauer vermittelt. Das liegt wohl daran daß der Film eine wahre Geschichte erzählt. Und auch wenn das alles nicht nennenswert aufregend erscheint: jeder der schonmal versucht hat sich zu sportlicher Aktivität aufzuraffen weiß wie schwer das ist und was für einen Kampf die Hauptfigur alleine damit durchstehen muß.

Fazit: Bemerkenswert ehrlich und irgendwie traurig, ebenso aber mit Optimismus und Kraft!

Border

Tina (Eva Melander) arbeitet als Grenzbeamtin und besitzt übermenschliche Geruchsfähigkeiten, ebenso wie die Gabe Emotionen zu erfassen. Dann trifft sie auf Vore (Eero Milonoff) mit dem sie einiges gemeinsam zu haben scheint …

Dies ist wohl der Prototp eines Festivalfilms und ich werde garnicht erst so tun als sei ich der richtig Typ für so einen Stoff. Ich kann aber respektieren da0 hier eine unscheinbare geschichte entfaltet wird mit einer ungewöhnlichen Hauptfigur – und damit eine sehr eigene Mischung aus Fantasy, Krimi, Thriller und Drama ausgebaut wird. Mit der entstellten Hauptfigur hat man schon eine ganz markante Heldin, die Teilung zwischen deren beruflichen und privaten Problemen macht fast schon zwei Filme draus. Der Look ist manchmal gezielt trist, in manchen Momenten ist aber auch eine fast märchenhaft anmutende Stimmung im Raum … und mehr sollte man schlichtweg nicht sagen. Ich selber habe mehr Respekt als Begeisterung für diesen Genremix über, aber es gibt sicherlich so einige die ihn restlos zu feiern wissen.

Fazit: Spezieller Genremix der sicher nicht für jeden Zsuchauer klappt!

King of Comedy

Rupert Pupkin (Robert DeNiro) hält sich für einen großen Komiker und sehnt sich nach einer Chance in der Show des berühmten Jerry Langford (jerry Lewis). Als ihm dieser Hoffnung macht, aber letztzlich doch enttäuscht greift Rupert zu verzweifelten Maßnahmen: er enführt Larry um einen Auftritt in der Show zu erpressen …

Ich hatte mich mit diesem Film eigentlich nie nennenswert befasst, im Rahmen von „Joker“ fiel dann aber immer wieder der Verweis auf. Und es liegt auf der Hand: beide Geschichten halten von psychisch labilen Gestalten die nach Ruhm und Aufmerksamkeit lechzen und als sie das Ersehnte nicht erhalten greifen sie zu drastischen Maßnahmen. Allerdings ist dieser hier eher ein Drama als ein Thriller, hat auch ein paar lustige Momente und geht zu keinem Zeitpunkt zu weit oder wird zu krass. Und obwohl (oder gerade weil) Robert deNiro die Rolle so gut spielt: ich fand es furchtbar unangenehm seinen Pupkin zu sehen und die Momente in denen er es extra übersieht daß er auf Ablehnung und Zurückweisung stößt. Ich hoffe sehr daß durch die Erwähnung im Rahmen von Joker noch andere dazu kommen sich diesen mal in Ruhe anzuschauen.

Fazit: Irgendwo zwischen Drama und Komödie angesiedelt mit stellenweise unangenehmen Momenten!

THe House that Jack built

Serienmörder Jack (Matt Dillon) hat über viele Jahe grausame Taten begangen, ist nun aber selber zu Tode gekommen. Er wird von Verger (Bruno Ganz) in die Hölle geführt und erzählt auf dem Weg seine Taten …

Die Story einzig und alleine für sich wäre reine Horrorkost und könnte auch in einen puren Horrorspaß umgewandelt werden. Da es aber ein Film von Lars von Trier ist sollte man das so nicht erwarten, hier hat man es wohl it einer Art Kunstfilm zu tun. Wer Leichen, Gewalt und diese Dinge will wird zwar fündig, aber lohnt es sch 150 Minuten für einen Splatterfilm abzusitzen? Wohl nicht. Es sind aber andere Dinge die faszinieren. Die eiskalte Vorgehensweise des dennoch charismatischen Matt Dillons ist faszinierend, auch der ruhig gehaltene Grundton ist interessant. Ich denke zwar nicht daß ich in die volle Tiefe dessen gelange was von Trier hier beabsichtigt hatte, fand ihn aber durchweg spannend und eben aufgrund der hohen Dialogdichte sehr interessant.

Fazit: Brutalste Morde gepaart mit ewig langen Dialogpasagen – spezielle Kost!

My Days of Mercy

Lucy (Ellen Page) reist mit ihrer Schwester Martha (Amy Seimetz) und ihrem kleinen Bruder Ben (Charlie Shotwell) durch die Vereinigten Staaten, um gegen die Todesstrafe zu protestieren. So lernt sie Lucy Mercy (Kate Mara) kennen in die sie sich verliebt und mit der sie eine Beziehung beginnt. Allerdings wird es zum Problem daß Lucy eine Befürworterin der Todesstrafe ist …

Die Story klang für mich sehr interessant weil sie einige Aspekte zusammen bringt: einerseits geht es um das Thema Todesstrafe und die Gegenüberstellung von nachvollziehbaren Standpunkten, dazu die komplizierte Beziehung zweier Frauen die sich zwar Halt geben, deren Ansichten dabei aber im Konflikt stehen und es ist ein Familiendrama um eine Familie die ein Mitglied im Todestrakt sitzen hat. Daß dabei keine spaßige Romanze rauskommt ist wohl klar, trotzdem war ich leicht ernüchtert darüber wie kalt mich der Film gelassen hat. Das mag aber an mir gelegen haben. Die Darsteller und das Grundthema sind interessant genug um es mal hiermit zu versuchen, zumal es um Ende hin richtig bitter und tragisch wird.

Fazit: Kleiner, unscheinbarer Film mit spannendem Grundkonflikt!

Leid & Herrlichkeit

Salvador Mallo (Asier Flores/ Antonio Banders) ist ein gefeierter Regisseur der auf sein langes und umfangreiches Leben zurückblickt; wie er u.a. durch Vater (Raúl Arévalo) und Mutter (Penélope Cruz) geprägt wurde und wie ihn sein Weg nach Madrid führte wo er auf Federico (Leonardo Sbaraglia) trifft …

Ich bin kein wirklicher Fan oder gar Kenner von Pedro Almodovar, mir sind nur hier und da mal einzelne Titel begegnet zu denen ich kaum Zugang hatte. Ähnlich geht es mir hier, wobei ich im Kern schon erahne was der Film aussagen soll. Antonio Banders spielt eine Art Abbild von Almodovar, einen Mann in einer Krise und beleuchtet die Vergangenheit und Gegenwart und insbesondere wegweisende Momente die ihn zu dem gemacht haben was er ist. Ebenso nimmt sein kränklicher Zustand eine sehr große Fläche ein und wird sehr aufwendig gezeigt und portraitiert, Es gibt wenig Handlung; eigentlich keine, nur eben Szenen und Momente und das emotionale Vorführen. Das alles passiert in einer ganz eigenen Stimmung die man faszinierend oder nervig finden kann, genauso wie es bei Banderas Figur wirken kann, der als jammeriger und mitunter weinerlicher Kerl Mitgefühl und Abscheu erwecken kann. Da ich kein Kenner des Machers bin dürften mir sehr viele Anspielungen ect. Entgangen sein, ich denke aber mit einer gewissen Offenheit an das Thema Film kann man diesem hier durchaus mal eine Chance geben.

Fazit: Nicht sehr plotreich, dafür eine sehr emotinale und wohl persönliche Auseinandersetzung mit einem filmischen Abbild des Regisseurs!

Rating: ★★★★☆

Roads

Gyllen (Fionn Whitehead) stiehlt in Marokko das Wohnmobil seines Stiefvaters und reist nach Frankreich umd dort seinen wahren Vater zu suchen. Begleitet wird er vom Kongolesen William (Stéphane Bak) der auf der Suche nach seinem verschwundenen Bruder ist …

Ein Roadmovie in seiner eigensten Form: zwei junge Menschen treffen in der Fremde unter sehr ungünstigen Umständen aufeinander, haben direkt eine gute Chemie miteinander und schließen sich zusammen um die gemeinsame Reise und die damit verbundenen Strapazen und Probleme gemeinsam zu lösen. Mehr braucht es eigentlich nicht wenn alles Komponenten so gut vorgegeben sind wie hier: zwei sympathische Darsteller die doch auf ihre eigene Weise unauffällig sind, diverse chaotische Zwischenfälle (etwa einen Kurzauftritt von Moritz Bleibtreu) und ein sehr emotionaler Grundton sowie eine realistische, hochglanzfreie Sicht auf die Ereignisse. Damit ist das zwar wieder ein Tiel der klein, leise und unauffällig bleibt, aber eben einer der Filme die ein entsprechendes Publikum dankbar annimmt. Erst recht wenn man in den diversen Ländern in denen er spielt mal war.

Fazit: Kleines, leises Roadmovie mit toller Chemie zwischen den Hauptfiguren!

Marriage Story

Theaterregisseur Charlie (Adam Driver) und Schauspielerin Nicole (Scarlett Johansson) haben sich nach zehn Jahren nichts mehr zu sagen und wollen sich trennen. Als dann aber mittels Anwälten verhandelt werden soll bricht eine schmutzige Schlacht an …

Netflix fährt weiterhin eine neue Taktik: statt schlichter Masse soll wohl nun Qualität überzeugen, dazu werden hochwertige Filme mit hochwertiger Besetzung rausgebracht, diese erscheinen dann eben auch vorab noch im Kino um bei künftigen Preisverleihungen mitmischen zu können. Im vorliegenden Fall zielt man dabei wohl auf die Darstellerpreise. Es geht um eine Scheidung und zwei Parteien die versuchen alles was anfällt human und friedlich zu lösen, aber das nicht lange durchhalten so daß dann das pure Psychochaos beginnt. Die Lauflänge von 135 Minuten ergibt sich dann daraus daß der Film entsprechende Szenen lange ausspielt, daß Darsteller sich aussprechen, ausschreienund es wie realistische, lange Gespräche erscheint. Besonders gemein dabei ist daß der Film keine Position bezieht sondern beide als sympathische Personen etabliert bevor er dann beide ins Bodenlose stürzen läßt bei dem sie sich auch gegenseitig einiges zumuten und antun. Das zu schauen ist nicht schon, ist anstrengend und fordernd – aber alleine aufgrund der Darsteller mehr als lohnend.

Fazit: Großes Darstellerkino in langen, schmerzhaften Dialogen!

Rating: ★★★★☆

The Farewell

Billi Wang (Awkwafina) ist eine erfolglose Schriftstellerin aus New York mit chinesichem Hintergrund. Als sie erfährt daß ihrer Großmutter Nai Nai (Zhao Shuzhen) nicht mehr viel Zeit bleibt reist sie nach Hause zurück um ihr beizustehen – wobei ganz Unterschiedliche ansichten aufeinander treffen …

Manchmal braucht ein Film keine richtige Story, so auch in diesem Fall: der Schwerpunkt liegt einfach darauf eine Hauptfigur in eine Situation zu bringen die der Zuschauer eben miterleben und durchstehen muß. Das bedeutet in diesem Film: die Hauptfigur ist eine junge Frau die zu einer Hochzeit reist bei der sie weiß daß die anwesende Großmutter todkrank ist, wie auch alle anderen Anwesenden – nur die betroffene Person weiß nichts. Ihre emotionale Anspannung in dieser Lage reicht schon um den Film zu füllen. Es reiht einfach Szenen aneinander wie das gemeinsame Essen, betrunkene Verwandte, beiläufige Gespräche … das wirkt nicht sehr spektakulär, aber eben ungemein lebensecht was darauf begründet daß die Geschichte wahr ist (und im Abspanne ine schöne Pointe bereit hält). Dadurch entsteht eine hohe emotionale Dichte und anderthalb ruhige, aber mitnehmende Kinostunden nach denen man gleichermaßen fröhlich wie etwas traurig den Film verläßt.

Fazit: Sensibles Drama ohne besondere Ereignisse, aber wunderbar ruhiger Erzählweise und hoher Glaubwürdigkeit!

Rating: ★★★★☆

Jonathan

John und Jonathan (Ansel Elgort) sind Zwillingsbrüder und gehen den Pakt ein niemals eine Beziehung zu beginnen. Über soziale Medien jedoch lernt John doch jemanden kennen was das Verhältnis zu seinem Bruder ins Wanken bringt …

Da bin ich etwas unsachlich wenn ich sage: Ansel Elgort hat von Anfang an bei mir ein paar Pluspunkte. Das liegt wohl daran das er bei „Baby Driver“ einen der liebenswertesten Charaktere die ich je gesehen habe verkörpert hat. Davon ist er im neuen Film weit entfernt, wobei dieser hier mit einem recht spannenden Ansatz daher kommt: ein Bruderpaar teilt sich den gleichen Körper und kommt sich eben dadurch in die Quere als es um eine Frau geht. Wie sehr das glaubwürdig oder gar medizinisch belegbar ist sei dahin gestellt, für den Titel reicht es . Es geht nicht um Kitsch sondern eben ein schweres Verhältnis zwischen zwei Brüdern in einer ungewöhnlichen Lage, um Eifersucht, einen Trennungsprozess und eine komplizierte Dreiecksbezieung Das alles ergibt ekeinen lauten, reißerischen Titel, sondern leises, stilles Dramakino mit kleinen Spannungsgsanteilen. Die Idee ist zwar etwas faszinierender als der Film, nicht zuletzt dank Elgorts spiel kommt aber keine Langeweile auf.

Fazit: Kein Mainstream, sondern ein spezielles Drama in ausgesprochen ruhiger Form!

Rating: ★★★☆☆