Archiv der Kategorie: Drama

The Disaster Artist

Auf der Schauspielschule lernen sich Tommy Wiseau (James Franco) und Greg Sestero (Dave Franco) kennen und werden beste Freunde, merken aber recht schnell daß sie keine Chance auf eine Karreire haben. Trotzdem versuchen sie sich an einem eigenen Film, trommeln alle Möglichkeiten zusammen die sich ihnen bieten und versuchen sich am eigenen Drehbuch „The Room“ …

Bei diesem Film bin ich außen vor: ich habe „The Room“ so nie geschaut, kenne aber natürlich Tommy Wiseau und wie absurd der Typ erscheint, sowohl in den Clips aus dem Film wie bei sonstigen Auftritten. Ich kann also keine Bezüge und Vergleiche zum Vorbild ableiten, aber der Film funktioniert auch bestens für sich: als Komödie überzwei Außenseiter die versuchen Erfolg zu haben und als Geschichte eines komischen Kauzes der Leidenschaft, aber kein Talent hat. Obendrein bringt der Film das Paradox daß man sich über anderthalb Filmstunden mit Wiseau beschäftigt, aber der Mann nachher immer noch ein großes Rätsel ist. Dank des brüllend komischen Spiels von James Franco der auch Regie geführt hat und zahlreichen Promis in kleinen Rollen ist „The Disaster Artist“ ein Heidenspaß und emotionales Drama in einem.

Fazit: Liebevolle Würdigung eines unergründlichen, schrägen Vogels

Boys don’t cry

Teena Brandon (Hilary Swank) ist zwar ein junges Mädchen, möchte aber als Junge leben und passt ihr Erscheinungsbild so an daß man sie in der Tat dafür hält. So erzeugt sie in ihrem neuen Umfeld einige Gefühlsverwirrungen die auf ein grausames Ende hinsteuern …

Der Film mit dem Hillary Swank ihren ersten Oscar verdiente – und das völlig zu Recht. Ihre Darstellung eines Transsexuellen haut um, der Film in dem sie es tut aber nicht so ganz. Mir geht es etwas zu abrupt los und ich habe keine richtige Ahnung wer die Hauptfigur ist, auch wenn später einzelne Aspekte über sie zu Tage kommen bleibt sie mir bis zum Ende hin stark verschlossen. Bei der Geschichte wird zwar auf eine reale Vorlage gesetzt, allerdings dürfte man an vielen Stellen der Dramaturgie wegen ein paar Sachen angepasst haben, das behaupten jedenfalls wahre Beteiligte an der Tragödie die sich hier ereignet hat. Aber seis drum: ein ungehobelter, unbequemer Film, mit eigenwilliger Inszenierung, eigenwilligem Soundtrack und dem Look eines Indenpendent Films. Und schön zu wissen: es war keine Überragende Einzelleistung von Swank.

Fazit: Ungehobelte Darstellung einer furchtbaren Tragödie und emotionales Kino von ungeahnter Wucht!

Maria Magdalena

Die junge Maria Magdalena ist Geburtshelferin (Rooney Mara) in einem Fischerdorf und wird von ihrem Vater verstoßen als sie sich weigert sichv erheiraten zu lassen. Statt dessen schließt sie sich der Bewegung von Jesus of Nazareth (Joaquin Phoenix) an mit dessen Gemeinschaft sie auf eine mystische Reise nach Jerusalem geht …

Einerseits ist die Bibel eine Quelle endloser Geschichten, Metaphern, Bedeutungen und Hintersinn und trotzdem ist es selten nennenswert tauglich ausgefallen wenn eine Bibelkiste auf die große Leinwand kam. Selbst bei entsprechender Qualität des Films ist meistens das Publikumsinteresse recht überschaubar und auch bei diesem hier habe ich den Eindruck gehabt daß er im Kino nicht allzu sehr wahr genommen wurde. Das ist allerdings schade da er vor allem Eines ist: ganz großes Darstellerkino. Und dieses fußt auf den zwei Hauptfiguren: einerseits der Jesus Darstellung von Joaquin Phoenix, der in der Tat eine gutherzige Präsenz hat, wobei er mir in manchen Predigten wie ein Fanatiker anhört. Desweiten gibt es Rooney Mara, die das Herzstück darstellt, da der Film ihre Geschichte und die Begegnung und das Anschließen an die Jünger behandelt. Dabei kenne ich die wesentlichsten Punkte aus der Bibel, bekomme aber durch die ungemeine Ausstrahlung von Mara einen immens guten Eindruck. Auch wenn der restliche Film sehr ruhig und langsam und staubig daherkommt lohnt es einen Blick drauf zu werfen.

Fazit: Bibelverfilmung aus einer anderen Perspektive – sehr langsam aber mit immens präsenten Darstellern.

Wie der Vater

Rachel (Kristen Bell) hat ihren Beruf zu lange vorne angestellt und wird als Folge vor dem Altar versetzt. So beschließt sie trotzdem die gebuchten Flitterwochen anzugehen und nimmt als Begleitung ihren Vater (Kelsey Grammer) mit zu dem sie eigentlich die Bindung verloren hat …

Die Netflix Produktion der Woche bei der man inhaltliche Dinge erzählen kann ohne wirklich zu spoilern: was passiert ist klar, wie es jeweils dargestellt wird eine ganz andere Sache. Eine junge Frau wird bei der Hochzeit stehen gelassen – aber nicht als Opfer sondern durchaus als nicht wirklich sympathisch dargestellt. Diese Frau schleift nach einer Sauftour ihren Vater zu dem sie keine Beziehung hat auf eine Kreuzfahrt, allerdings wird auch diese Sauftour nicht gerade als wildes Partyevent präsentiert sondern relativ sachlich, es gibt ein homosexuelles Paar auf der Fahrt die nicht allen gängigen Film-Schwulenklischees entsprechen und ebenso gibt es in Bezug auf den Vater zum Ende hin einen Twist den man so nicht unbedingt geahnt hat. Paßt also alles, man kann sich denken in welche Richtung es geht, nur eben nicht wie die einzelnen Versatzstücke aussehen. Und so kann man eigentlich klarkommen: mit bekannten Gesichtern (Kelsey Grammer und Kirsten Bell sind Gesichter für die man nicht in ein Kino rennen würde, aber sehr wohl gerne unter solchen Umständen anschaut), einem netten Umfeld (insbesondere zum Ende hin wenn die Nummer zeitweise auf Hawaii spielt und man den Eindruck hat die Darsteller haben nur mitgemacht weils so ein schöner Drehort war) und einer zwar zeitweise unausgeglichenen, aber passablen Mischung aus Komik und Tragik. Ein kleines, harmloses Filmchen, eben genau den passablen aber brauchbaren Netflix Standard darstellt

Fazit: Passable Mischung aus Komödie und Drama mit urlaubstauglichem Look!

Rating: ★★★☆☆

Papillon

Henri „Papillon“ Charrière (Charlie Hunnam) wird ein Mord angehangen den er nicht begangen hat und er wird zu lebenslanger Haft in der berüchtigten Strafkolonie St. Laurent in Französisch-Guayana verurteilt. Als er dem Fälscher Louis Dega (Rami Malek) das Leben rettet treffen sie eine Vereinbarung:Papillon beschützt ihn weiterhin während Louis ihn bei seinen Fluchtplänen unterstützt …

Mr ist es sehr wohl bewußt daß es hierzu ein gefeiertes und zum Klassiker gezähltes Original gibt, das habe ich aber selber nie gesehen, ich muß ich hier also damit begnügen was ich hier gesehen habe. Erstmal eine Bestätigung: Leben paßt nicht in ein Drehbuch. Heißt. Das der Film zwar eine wahre Geschichte nacherzählt, diese aber einige Ereignisse und Dinge enthält die nicht in der normalen Altstruktur eines Drehbuchs passieren. Ich sehe also eine wahre Story ind er die Hauptfigur nichts anderes tut als leiden. Charlie Hunam kriegt das zwar solide transportiert, ich verstehe trotzdem nicht woher seine Figur ihren Antrieb und ihre Energie hat und woher die Kraft kommt all das auszuhalten. Ansonsten ist der Film von einer sehr altmodischen Filmweise die ihn nach heutigen Gewohnheiten sehr gebremst wirken läßt. Totale Nieten aber: zum einen der kreidebleiche Kontrahent in Gestalt des bösen Direktors der nicht den Hauch eines Kontrahenten abgibt, zum anderen einige extrem laue Green Screen Anwendungen die den Film unfassbar künstlich wirken lassen. Es hat schon schlimmere Neuverfilmungen gegeben, abr einen grund hierfür sehe ich nicht.

Fazit: Bleich und schleppend, aber mit pasablen Darstellern und ein paar gelungenen Momenten!

Rating: ★★☆☆☆

Die dunkelste Stunde

Winston Churchill (Gary Oldman) übernimmt 1040 das Amt des britische Premierministers als Nachfolger von Neville Chamberlain (Ronald Pickup) und stgeht gleich vor der Mission, Verhandlungen mit Adolf Hitler zu führen. Schon bald muß er den Einzug der Nazis unterbinden und sich obendrein mit politischen Intrigen herumschlagen …

Hier mußte ich recht schnell feststellen daß mich der Film in seiner Gesamtheit stark überfordert: vor allem der historische Kontext ist für ein schlichtes Gemüt wie das meine deutlich zuviel. Immerhin kam der Film relativ knapp nach „Dunkirk“; wodurch die dort erwähnten Punkte und die Lage in Dünnkirchen einigermaßen präsent war, aber trotzdem ist mir der Gesamtzusammenhang nicht so zugegangen wie es sollte. Also mußte ich den Film auf andere Stärken in betrachten, und das kann ja am Ende nur eine sein: Gary Oldman. Als kauziger, oftmals lustiger Kerl rennt er durch den Film und schnattert sich den Mund fusselig, meist in Szenen wo in fast schwarzweißer Beleuchtung viele gewichtige Männer stehen die er mit seinen feurigen Reden in seinen Bann zieht, wobei ich das wahre Highlight in der Szene sehe in der Churchhill sich in eine normale Bahn setzt und das Volk um seine Meinung bittet. Alleine das, aber vorrangig die energiegeladene Vorstellung Oldmans machen den Film vergnüglich, interessant und selbst wenn man nicht alle Zusammenhänge soweit hinkriegt spannend. Wann kriegt man schonmal einen Kriegsfilm in dem nur geredet wird?

Fazit: Mag für Nicht Historiker etwas anstrengend sein, unterhält aber bestens mit Gary Oldman in redseliger Bestform!

Rating: ★★★★☆

Brain on Fir – Feuer im Kopf

Susannah (Chloë Grace Moretz) arbeitet als Journalistin bei der New York Post hat tolle Kolelgen und ein intaktes privates Umfeld. Dann setzen abrupt Halluzinationen bei ihr ein – und dieser Zustand wird immer schlimmer, ohne daß Ärzte einen Grund benennen können …

Ich frage mich bei manchen Darstellern in bestimmten Rollen warum sie gerade den jeweiligen Film gewählt haben. Im vorliegenden Fall denke ich mal daß Chloe Grace Moretz Lust hatte sich mal so richtig auszubrüllen – der Film enthält unzählige Szenen und Stellen in denen sie toben, rumschreien und ausrasten kann. Allerdings auf dramatische Weise, als eine junge Frau die über sich selbst die Kontrolle verliert und auf nicht nachvollziehbare Weise den Verstand verliert. Das fußt auf einem wahren Fall und zeigt wie eine bestimmte Diagnose bei einer jungen Frau gemacht wurde die dann relevant wurde und auch bei anderen festgestellt wurde, demonstriert am Schicksal einer einzigen betroffenen Frau. Das heißt, man hat anderthalb Stunden unangenehme Szenen in denen die Hauptfigur in immer mehr Alltagsmomente gerät und nicht mehr klarkommt, des weiteren sehr viele Szenen in denen Verwandte verzweifeln, mit Ärzten rede und nach einer Lösung suchen. Das ist alles recht unangenehm, aber durchaus auch bewegend, ergreifend und beunruhigend. Fürs Kino hätte die Sache nicht viel her gegeben, als Netflix Veröffentlichung der Woche ist es ein lohnender Klick.

Fazit: Kleiner Film, unaufdringlich, nett gespielt und mit interessantem Thema!

Demolition – Lieben und Leben

Das perfekte Leben des Bankers Davis Mitchell (Jake Gyllenhaal) endet brutal als seine Frau bei einem Autounfall ums Leben kommt. In diesem Schockzustand kommt niemand mehr an ihn ran, auch sein Schwiegervaters Phil (Chris Cooper) nicht. Davis beginnt damit Beschwerdebriefe an Firmen zu schicken wodurch er an Karen Moreno (Naomi Watts) gerät …

Bei diesem Film habe ich die Verbreitung in Deutschland nicht völlig verstanden: er lief regulär, aber wenig beachtet im Kino und erschien dann nicht in den üblichen Verbreitungswegen (zb: DVD On Demand Diensten); ich konnte ihn nun auf amazon nachholen. War die längere Wartezeit darauf es wert? Durchaus. Weil ich einen Film zu sehen bekam der nicht den zu erwartenden Weg nahm: ein Mann verliert seine Frau und trauert, findet einen merkwürdigen therapeutischen Ansat darin zu zerstören und zerlegt sein glänzendes, aber hohles Leben und seine Umfeld und knüpft eine nette Freundschaft mit einer Frau von einer Beschwerdehotline. Das alles in einem Film der die Stimmungen ständig wechselt, auf tieftraurige Momente folgen unverständlich lustige Augenblicke und manchmal völliger purer Wahnsinn. Gylenhaal trägt das alles, schreitet durch dieses filmische Wechselbad der Gefühle und obwohl man nie wirklich versteht wer er eigentlich ist und was ihn ihm vorgeht berührt einen das was er tut. Als normales Drama würde ich den Film nicht empfehlen, als jemand der mal etwas schauen möchte das vom gewohnten abweicht kann mans definitiv mal probieren.

Fazit: Emotional, absurd lustig und nicht immer griffig – hochemotionaler Film der nicht kalt lässt!

Rating: ★★★★☆

Genauso anders wie ich

Kunsthändler Ron Hall (Greg Kinnear) und seine Frau Deborah (Renée Zellweger) scheinen nach außen hin eine wundervolle Beziehung zu führen, in Wirklichkeit haben sie sich nach 19 Jahren Ehe nichts mehr zu sagen weswegen Ron eine Affäre begionnen hat. Deborah träumt indes von einem fremden Mann der ihr eines Tages in Gestalt von Denver Moore (Djimon Hounsou) gegenüber steht …

Ein Ehepaar das sich nach langer Zeit nichts mehr zu sagen hat sucht die Freundschaft eines Obdachlosen der ihr Leben verändert und in positiver Weise durcheinander wirbelt – klingt nach Edelkitsch, hat aber mit der hochkarätigen Besetzung durchaus ein wenig Interesse verdient. Wobei mich eigentlich zwei Dinge sehr fasziniert haben: zum einen eben daß die Story wahr sein soll, zum anderen Rene Zellweger die zwar nicht allzu viel darstellerisch zu tun hat, aber hier irgendwie so optisch umgestaltet wurde daß sie fast garnicht mehr zu erkennen ist. Ansonsten hat man sanftes, ruhiges und geschwätziges Dramakino mit einem Schuß Wohlfühlfaktor, ergänzt durch einen ganz kleinen Funken „Märchen“: nichts was unbedingt geschaut werden muß, aber ebensowenig etwas vor dem man sich „weigern“ braucht sollte man mal in die Lage kommen es zu schauen.

Fazit: Redseliges Drama mit leichtem Humoranteil; nicht gerade unfassabr neu, aber sehr wohl interessant!

Tully

Marlo (Charlize Theron) ist von ihren mütterlichen Aufgaben restlos geschlaucht: mit Tochter Sarah (Lia Frankland) läuft alles gut während Sohn Jonah (Asher Miles Fallica) scheinbar ein Autist ist und sie als drittes Kind ein Baby versorgt. Als sie nicht mehr kann engagiert sie eine „Night Nanny“ namens Tully (Mackenzie Davis) die ihr ermöglichen soll wieder zu Kräften zu kommen …

Der Film hat im Grunde keine nennenswerte Handlung und ergeht sich eher im Zeigen einer Situation: hier ist es das Muttersein im Jahre 2018. Und nimmt dafür Charlize Theron, eine Frau die auch auf Kommando eine Kommode spielen könnte. Das unter der sensiblen Regie von „Juno“ Macher Jason Reitman reicht doch im Grunde schon: es wir deinfach nur gezeigt wie sich eine ausgelaugte und gestresste Mutter durch ihren Alltag kämpft und dann in Form einer Nachtnanny unterstützende Hilfe erhält – und so wie Charlize Theron im Film erlöst wird spürt man auch als Zuschauer eine gewisse Erleichterung. Spektakulär ist dabei zwar nichts, dafür aber durchgehend sehr glaubwürdig, sensibel und spricht dabei bestimmt vielen Frauen aus der Seele. Den merkwürdigen dritten Akt hätte ich so zwar nicht gebraucht, aber das ruiniert den Film nicht.

Fazit: Zarter kleiner Film, zwar plotarm, dafür lebensnah und toll gespielt!