Archiv der Kategorie: Drama

Deine Juliet

Journalist Juliet Ashton (Lily James) reist auf die Insel Guernsey um einen Artikel pber einen dortigen Buchclub zu schreiben, der den Mitgliedern geholfen hat den Zweiten Weltkrieg zu überstehen. Dabei wird sie durch die Insel und insbesondere Dawsey Adams (Michiel Huisman) beeindruckt …

Eine Buchverfilmung deren Vorlage ich nicht kenne; deren Cover jedoch die Erwartungen etwas anders lenkt: das sieht alles nach einer Romanze aus. Wenn man den Film aber schaut merkt man daß es um andere Dinge geht: der Zauber des Lesens kommt beiläufig vor, vorrangig ist es aber das Aufarbeiten von schmerzlichen Erlebnissen und Erfahrungen rund um den zweiten Weltkrieg. Eine Schriftstellerin besucht ein Dorf und erfährt welche tragischen Ereignisse dort vorgefallen sind und nebenbei greift sie in die Folgen ein uns es bahnt sich am Rande eine kleine Love an. Das ist kleines, ruhiges und emotionales Kino das sich wohl nur einem entsprechenden Zielpublikum voll erschließt; andere dürften das recht langweilig finden. Für Freunde von solchen Filmen sollte er aber defintiv lohnend sein.

Fazit: Weniger die Romanze nach der er aussieht, mehr ein bitteres und ruhiges Drama!

Rating: ★★★★☆

Adrift – Die Farbe des Horizonts

Bei einer Reise nach Tahiti funkt es direkt zwichen Tami Oldham (Shailene Woodley) und Richard Sharp (Sam Claflin). Die beiden planen einen gemeinsamen Segeltrip – als ihr Boot dann aber in ein Unwetter gerät beginnt für die beiden ein langer Kampf ums Überleben …

Der Film kommt mir selber wie eine Mischung aus zwei Genres vor: einerseits ein sehr sympathischer Liebesfilm über zwei die sich treffen und sofort eine trolle Chemie miteinander haben und dann eben ein gemeinsames Erlebnis beginnen, eben einen Segeltrip. Auf der anderen Seite eben ein Survival Thriller über zwei die auf dem Meer in einer furchtbaren Lage gefangen sind und deswegen ums Überleben kämpfen müssen. Dabei bin ich zwiegespalten: ich kann verstehen daß die Lage in der man alleine auf dem Meer den Naturgewalten ausgesetzt ist total krass sein muss – glaube aber ebenso daß man das schwer in einen Film gepresst bekommt. Für mich jedenfalls funktioniertdas nicht, auchw ennder Streifen sich da alle Mühen gibt die Hilflosigkeit und Aussichtslosigkeit der Figur darzustellen. Allerdings ist das egal wenn man am Ende Bilder der wahren Leute sieht und wei daß man gerade eine echte Geschichte gesehen hat: das schockt nochmal zusätzlich.

Fazit: Mischung aus Romanze und Thriller, für mich etwas farblos, aber trotzdem ergreifend.

Der Junge muß an die frische Luft

Der neunjährige Hans-Peter (Julius Weckauf) entdeckt 1972 sein großes Talent andere zum lachen zu bringen und tobt sich bei seiner fröhlichen Verwandtschaft immer weiter aus. Als dann aber seine Mutter Margret (Luise Heyer) nach einer OP immer mehr in Depressionen abdriftet hat er noch mehr Motivation …

Nach „Ich bin dann mal weg“ ein weiterer Film der sich mit dem Leben von Hape Kerkeling befasst, diesmal geht es um die Jugendjahre, genau genommen die Zeit Anfang der siebziger in denen das Leben des dort etwa 10 jährigen Hans-Peter durch einige grausame Schicksalsschläge durchgerüttelt wurde und wie er dabei seinen Humor als Waffe gegen die grausame Realität entdeckt und verwendet. Der Film ist indes überaus plotarm, aber das ist das wahre Leben meist. Dafür ist er eine große Liebeserklärung: an die Familie Kerkelings, eine handvoll feierwütiger, fröhlicher Arbeitergestalten die irgendwie alle auf ihre Weise sich im guten abmühen, ebenso ein aufarbeiten von tragischen Momenten und dem durchleben. Der Film hält erzählerisch zwar inne wenn er z.B. eine Beerdigung lange zeigt, greift aber den unfassbaren Kummer exakt auf und vermittelt ihn fast zu gut an den Zuschauer. Und es ist ein toller Darstellerfilm bei dem insbesondere der kleine Julius Weckauf in begeisternder Form aufspielt und die Zuschauerherzen für sich gewinnt. Vielleicht auch weil der Film nicht mit Gewalt darauf pocht daß hier eine Kerkeling Geschichte erzählt wird sondern die Hauptfigur für sich alleine steht.

Fazit: Trauriger Film mit lustigen Momenten und lebensechten Darstellern – absolut emotional und glaubwürdig!

Rating: ★★★★☆

The Happy Prince

Oscar Wilde (Rupert Everett) wird 1897 aus dem Gefängnis entlassen und flieht nach Paris. Dort verprasst er sein Vermögen bis ihn sein Liebhaber Lord Alfred Douglas (Colin Morgan) zu einer folgenreichen Reise nach Neapel überredet …

Das ist schon ein ziemlicher Zwiespalt: mich hat dieser Film einerseits kalt gelassen was die Inszenierung und den Unterhaltungswert angeht, auf der anderen Seite erfüllt de mich mit Respekt und Mitleid. Respekt für Regisseur und Hauptdarsteller Rupert Everett der wohl einiges an Aufwand Zeit und Energie in dieses Projekt gesteckt hat und es als so unglaublich unverzichtbar und wichtig ansah. Des Weiteren erfinde ich tiefes Mitleid für das Gezeigte Schicksal: dem Leiden eines Mannes dessen Pech es war in der falschen Zeit homosexuell zu sein und so müssen wir mit ansehen mit dieser Mann den ich dabei nicht mal nennenswert sympathisch finde aufgrund seines übertriebenen Auftretens nach und nach geächtet wird, von seinem Umfeld verstoßen und voller Reue und Trauer stirbt. Unter dem Aspekt „ich gucke mir mal einen Film an und möchte ein wenig unterhalten werden“ funktioniert das alles natürlich gar nich,t als Vermittlung tiefer Gefühle und brutalen Schmerzes ist das Ding in seiner Art unglaublich effektiv.

Fazit: Bitterer Blick auf einen traurigen Mann und dessen schlimmes Schicksal

Goodbye Christopher Robin

A.A. Milne (Domhnall Gleeson) diente im ersten Weltkrieg und kehrt er zu seiner Frau Daphne (Margot Robbie) zurück mit der er bald Vater von Christopher Robin (Will Tilston) wird. Eines Tages inspiriert der Junge A.A. zu einer Geschichte mit seinen Stofftieren. Schon bald wird der Ruhm aus dem folgenden Buch zur Belastung für die Familie …

Ein Thema das mir so vorher nie präsent war und dann im Sommer 2018 gleich doppelt ins Kino gelangte: zum einen mit „Christopher Robin“, der die Fantasygeschichte aus dem „Winnie Puh“ Buch weiterspann, zum anderen mit diesem hier der die Entstehungsgeschichte des Buchs beleuchtet. Ich habe aber nicht wirklich das Gefühl eine ausgefeilte Biographie zu sehen, statt dessen einen Film der volles Rohr auf die Dramaschiene setzt und zeigt wie ein vom Krieg traumatisierter Mann im Spiel mit seinem Sohn Trost und Frieden mit der Welt findet, aber eben dieses Spiel in Buchform verkauft und damit einen schweren Konflikt auslöst. Dabei geht der Film in Extreme, heißt die Dramaszenen sind wirklich knüppelhart, die Spielszenen warmherzig und schön und der ganze Film stimmig in der gezeigten Welt. Man muß sich natürlich für den Stoff interessieren und sollte keine sanfte Fantasygeschichte erwarten (da ist man beim Ewan MCGregor Film besser aufgehoben), aber wer die ganze Thematik mal gefühlvoll und auch tragisch anschauen mag wird hier sicherlich zufrieden.

Fazit: Sanftes Vater und Sohn Drama mit warmherzigen und tragischen Momenten

Mein Name ist Somebody

Aussteiger Thomas (Terence Hill) möchte alleine sein, läßt sein Leben in der Provinz hinter sich und reist mit seiner Harley durch die spanische Wüste. Ungewollt rettet er Lucia (Veronica Bitto) aus den Händen zweier Verbrecher und hat auf der weiteren Reise ungewollte Turbulenzen …

Ist es besser zu verblassen oder zu verglühen? Im Falle dieses Films oder genau genommen im Falle Terrence Hill stellt einen das vor die Frage: ist es schön Terrence Hill nochmal auf einer Leinwand zu sehen oder ist es ärgerlich in was für einem Stuß? Wobei ich dem Film vorrangig seinen deutschen Untertitel vorwerfe: Zwei Fäuste kehren zurück was schlichtweg nicht weiter von der Realität weg sein könnte. Hill fährt den Film über zusammen mit einer jungen Frau auf einem Motorrad durch Spanien, es folgen ein paar harmlose Dialoge und ein paar nette Momente mit Menschen die ihnen auf der Reise begegnen – und dann läuft auch schon der Abspann. Von Prügeleien und Witz keine Spur, mehr ein ruhiges Altwerk für das man wohl auch ein gewisses Alter parat haben sollte um damit was anfange zu können.

Fazit: Ein Film wie aus einer anderen Zeit, bei der lediglich Hills Präsenz ein wenig Interesse generieren kann.

Rating: ★★★☆☆

Max Schmeling – Eine deutsche Legende

Während des Dritten Reiches schafft es Max Schmeling (Henry Maske), zum populärsten Boxer Deutschlands aufzusteigen – und verleugnet so gut es geht daß Hitler ihn für Marketingzwecke einspannt. Gleichzeitig versucht er jedoch jüdischen Flüchtlingen zu helfen …

Bei dem Film gibt’s ja aufgrund der beiden Hauptbeteiligten kaum eine Chance ihn ernst u nehmen: zum einen wegen Regisseru Uwe Boll, der seinen Ruf als schlechtester deutscher Filmemacher partout nicht losgeworden ist weswegen viele dem Titel keine wirkliche Chance einräumen wollten. Zum anderen wegen der Besetzung der Hauptfigur die gleichermaßen passend und unpassend ist, nämlich Boxer Henry Maske. Der kann dann natürlich in den zahlreichen Boxpassagen physisch großartig bestehen, ist aber umso hölzerner in den Spiel und Dramaszenen. Aber das muß man gar nicht so hoch hängen: es ist kein fetter Blockbuster und kein episches Ding, sondern eben ein deutscher Film dem an manchen Stellen nur ein überschaubares Budget zur Verfügung stand und der versucht daraus alles was geht zu nutzen. Wie historisch akurat die Geschichte dabei ist vermag ich nicht zu sagen, halte sie aber für glaubwürdig, ebenso denke ich daß die Darstellung Schmelings vielleicht nicht allzu großartig, aber interessant und mögenswert ist. Daher: Versuch ist es wert wenn man die Vorurteile über Boll einfach mal ausblendet.

Fazit: Wie ein großer TV Film, aber nicht zwangsweise so katastrophal wie sein Ruf.

 

Bohemian Rhapsody

Freddie Mercury (Rami Malek) gründet mit Brian May (Gwilym Lee), Roger Taylor (Ben Hardy) und John Deacon (Joseph Mazello) im Jahre 1970 die Band Queen. Während die Band sehr erfolgreich wird und nach außen hin eine glitzernde Fassade aufbaut sieht es hinter den Kulissen ganz anders aus: Freddie kämpft damit sich seine Homosexualität einzugestehen …

Hier kann man nicht rational drüber schreiben oder gar urteilen: wenn man als Fan die Thematik rangeht ist man so sehr mit dem Herz dabei daß einen die Schwächen des Films nicht eine Sekunde lang stören werden. Dramaturgisch bzw. erzählerisch könnte man dem Film manches vorwerfen, z.B. daß er keinen Schwerpunkt hat: eine Biographie der Band, ein direkter Blick auf Mercury selbst, ein Betrachten der Musik – all solche Elemente sind drin, werden aber letztlich zu einem Unterhaltungsfilm verdampft. Heißt, man hat eigentlich eine komplette Standardstory einer Band die sich findet, aufsteigt, strauchelt, sich wieder vereint und einen fuliminanten Showdown zieht, in dem Falle das Live Aid Konzert. Inhaltlich nähert sich der Film der Figur Mercurys auch nicht richtig an, zeigt ihn oberflächlich als komischen Kauz, aber netten Kerl und die emotionale Fallhöhe ist dabei auch nicht besonders hoch. Aber was stört das wenn man am Ende kriegt was das Fanherz wünscht: die Jungs werden trotz mancher Macken als sympathischer Haufen gezeigt und die Musikeinlagen sind wuchtig und episch, wenn auch überlang inszeniert. Schade nur daß bei den finalen Konzertszenen die Spezialeffekte nur so überschaubar ausfallen.

Fazit: Inhaltlich zwar emotional, aber etwas seicht, doch die Musikeinlagen und sympathische Darstellung der Personen wird dem Fan für alles genügen!

Rating: ★★★★☆

Videoreview von mir: https://www.youtube.com/watch?v=XFZjnZYXpGo&t=6s

Der Buchladen der Florence Green

Die verwitwete Florence Green (Emily Mortimer) zieht in den 50er Jahren in die Küstenstadt Hardborough. Dort eröffnet sie eine Buchhandlung beginnt die Anwohner des Ortes für Literatur zu begeistern – macht sich damit aber die einflussreiche Violet Gamart (Patricia Clarkson) zur Feindin …

Hier bin ich wohl selber ein wenig Opfer meiner eigenen Erwartungen geworden: ich hatte den Trailer nicht wirklich gesehen, nur das Cover und die Story gelesen. Daraus hatte ich wohl eine Art „Bücherversion“ von Chocolat erwartet, in dem eine Frau mittels lesen zauber und Begeisterung in ein kleines Dorf trägt. So kommt der fertige Film aber nicht daher: es ist ein fast schon düssteres Drama über eine offenherzige Frau mit ehrlichem, guten Anliegen der von allen Seiten Steine in den Weg gelegt werden. Dabei sind insbesondere die Szenen in denen sie mit Bill Nighy zu tun hat emotional und bewegend, der Rest macht einen bei dem Groll der Emily Mortimer entgegen schlägt geradezu wütend. Die kleine, feine britische Komödie die ich mir gewünscht habe war es leider nicht, dafür ein trauriger, feinfühliger Stoff darüber wie auch gute Absichten scheitern können – ohne daß man sich nachher schlecht fühlt.

Fazit: Traurig, aber irgendwo doch optimistisch!

Rating: ★★★★☆

A Beautiful Day

Kriegsveteran und Ex-FBI-Agent Joe (Joaquin Phoenix) verdient sein Geld indem er Mädchen aus Mädchenhändlerringen befreit wobei er alleine und gewaltreich vorgeht. Privat versorgt er liebevoll seine senile Mutter. Dann aber droht ein Auftrag aus dem Ruder zu laufen …

Joaquin Phoenix als traumatisierter Einzelkämpfer der entführte Kinder freikloppt – das klang in der Tat nach ein wenig mehr routinierter Action mit Thrillereinlagen. Der Film fällt jedoch fast unter den Oberbegriff Kunstfilm: es geht weniger um die geschehenen Handlungen, nur um die darin feststeckenden Figuren, d.h die Action wird mitunter nicht mal richtig gezeigt. Der Fokus liegt auf einem großartigen, seelisch zermürbten Phoenix und der fast traumartigen Sicht darauf wie er in eine politische Intrige gerät. Dabei wird wenig gesprochen, viel gemordet und insgesamt wird mit Musik und anderen Elementen eine unfassbare Atmosphäre der Schwere und des Schmerzes erzeugt. Sicherlich kein leicht verdaulicher Titel und sicehrlich nichts was man so nebenbei guckt.

Fazit: Brutales, verstörendes Drama mit Thrillerhandlung, stellenweise aber fast kunstvoller Inszenierung!
Rating: ★★★☆☆