Archiv der Kategorie: Drama

Max Schmeling – Eine deutsche Legende

Während des Dritten Reiches schafft es Max Schmeling (Henry Maske), zum populärsten Boxer Deutschlands aufzusteigen – und verleugnet so gut es geht daß Hitler ihn für Marketingzwecke einspannt. Gleichzeitig versucht er jedoch jüdischen Flüchtlingen zu helfen …

Bei dem Film gibt’s ja aufgrund der beiden Hauptbeteiligten kaum eine Chance ihn ernst u nehmen: zum einen wegen Regisseru Uwe Boll, der seinen Ruf als schlechtester deutscher Filmemacher partout nicht losgeworden ist weswegen viele dem Titel keine wirkliche Chance einräumen wollten. Zum anderen wegen der Besetzung der Hauptfigur die gleichermaßen passend und unpassend ist, nämlich Boxer Henry Maske. Der kann dann natürlich in den zahlreichen Boxpassagen physisch großartig bestehen, ist aber umso hölzerner in den Spiel und Dramaszenen. Aber das muß man gar nicht so hoch hängen: es ist kein fetter Blockbuster und kein episches Ding, sondern eben ein deutscher Film dem an manchen Stellen nur ein überschaubares Budget zur Verfügung stand und der versucht daraus alles was geht zu nutzen. Wie historisch akurat die Geschichte dabei ist vermag ich nicht zu sagen, halte sie aber für glaubwürdig, ebenso denke ich daß die Darstellung Schmelings vielleicht nicht allzu großartig, aber interessant und mögenswert ist. Daher: Versuch ist es wert wenn man die Vorurteile über Boll einfach mal ausblendet.

Fazit: Wie ein großer TV Film, aber nicht zwangsweise so katastrophal wie sein Ruf.

 

Bohemian Rhapsody

Freddie Mercury (Rami Malek) gründet mit Brian May (Gwilym Lee), Roger Taylor (Ben Hardy) und John Deacon (Joseph Mazello) im Jahre 1970 die Band Queen. Während die Band sehr erfolgreich wird und nach außen hin eine glitzernde Fassade aufbaut sieht es hinter den Kulissen ganz anders aus: Freddie kämpft damit sich seine Homosexualität einzugestehen …

Hier kann man nicht rational drüber schreiben oder gar urteilen: wenn man als Fan die Thematik rangeht ist man so sehr mit dem Herz dabei daß einen die Schwächen des Films nicht eine Sekunde lang stören werden. Dramaturgisch bzw. erzählerisch könnte man dem Film manches vorwerfen, z.B. daß er keinen Schwerpunkt hat: eine Biographie der Band, ein direkter Blick auf Mercury selbst, ein Betrachten der Musik – all solche Elemente sind drin, werden aber letztlich zu einem Unterhaltungsfilm verdampft. Heißt, man hat eigentlich eine komplette Standardstory einer Band die sich findet, aufsteigt, strauchelt, sich wieder vereint und einen fuliminanten Showdown zieht, in dem Falle das Live Aid Konzert. Inhaltlich nähert sich der Film der Figur Mercurys auch nicht richtig an, zeigt ihn oberflächlich als komischen Kauz, aber netten Kerl und die emotionale Fallhöhe ist dabei auch nicht besonders hoch. Aber was stört das wenn man am Ende kriegt was das Fanherz wünscht: die Jungs werden trotz mancher Macken als sympathischer Haufen gezeigt und die Musikeinlagen sind wuchtig und episch, wenn auch überlang inszeniert. Schade nur daß bei den finalen Konzertszenen die Spezialeffekte nur so überschaubar ausfallen.

Fazit: Inhaltlich zwar emotional, aber etwas seicht, doch die Musikeinlagen und sympathische Darstellung der Personen wird dem Fan für alles genügen!

Rating: ★★★★☆

Videoreview von mir: https://www.youtube.com/watch?v=XFZjnZYXpGo&t=6s

Der Buchladen der Florence Green

Die verwitwete Florence Green (Emily Mortimer) zieht in den 50er Jahren in die Küstenstadt Hardborough. Dort eröffnet sie eine Buchhandlung beginnt die Anwohner des Ortes für Literatur zu begeistern – macht sich damit aber die einflussreiche Violet Gamart (Patricia Clarkson) zur Feindin …

Hier bin ich wohl selber ein wenig Opfer meiner eigenen Erwartungen geworden: ich hatte den Trailer nicht wirklich gesehen, nur das Cover und die Story gelesen. Daraus hatte ich wohl eine Art „Bücherversion“ von Chocolat erwartet, in dem eine Frau mittels lesen zauber und Begeisterung in ein kleines Dorf trägt. So kommt der fertige Film aber nicht daher: es ist ein fast schon düssteres Drama über eine offenherzige Frau mit ehrlichem, guten Anliegen der von allen Seiten Steine in den Weg gelegt werden. Dabei sind insbesondere die Szenen in denen sie mit Bill Nighy zu tun hat emotional und bewegend, der Rest macht einen bei dem Groll der Emily Mortimer entgegen schlägt geradezu wütend. Die kleine, feine britische Komödie die ich mir gewünscht habe war es leider nicht, dafür ein trauriger, feinfühliger Stoff darüber wie auch gute Absichten scheitern können – ohne daß man sich nachher schlecht fühlt.

Fazit: Traurig, aber irgendwo doch optimistisch!

Rating: ★★★★☆

A Beautiful Day

Kriegsveteran und Ex-FBI-Agent Joe (Joaquin Phoenix) verdient sein Geld indem er Mädchen aus Mädchenhändlerringen befreit wobei er alleine und gewaltreich vorgeht. Privat versorgt er liebevoll seine senile Mutter. Dann aber droht ein Auftrag aus dem Ruder zu laufen …

Joaquin Phoenix als traumatisierter Einzelkämpfer der entführte Kinder freikloppt – das klang in der Tat nach ein wenig mehr routinierter Action mit Thrillereinlagen. Der Film fällt jedoch fast unter den Oberbegriff Kunstfilm: es geht weniger um die geschehenen Handlungen, nur um die darin feststeckenden Figuren, d.h die Action wird mitunter nicht mal richtig gezeigt. Der Fokus liegt auf einem großartigen, seelisch zermürbten Phoenix und der fast traumartigen Sicht darauf wie er in eine politische Intrige gerät. Dabei wird wenig gesprochen, viel gemordet und insgesamt wird mit Musik und anderen Elementen eine unfassbare Atmosphäre der Schwere und des Schmerzes erzeugt. Sicherlich kein leicht verdaulicher Titel und sicehrlich nichts was man so nebenbei guckt.

Fazit: Brutales, verstörendes Drama mit Thrillerhandlung, stellenweise aber fast kunstvoller Inszenierung!
Rating: ★★★☆☆

Das schweigende Klassenzimmer

Die aus der DDR stammenden Abiturienten Theo (Leonard Scheicher) und Kurt (Tom Gramenz) sehen in einem Kino in Westberlin Bilder vom niedergeschlagenen Volksaufstand in Budapest. Mit ihren Mitschülern Lena (Anna Lena Klemke), Paul (Isaiah Michaelski) und Erik (Jonas Dassler) beschließen sie im Unterricht eine Schweigeminute für die Opfer einzulegen. Die harmlose Aktion hat ungeahnte Folgen …

Das ist natürlich ein Titel den man aus der heutigen Zeit nahezu ungläubig schaut: eine Handvoll Schüler zeigen freies Denken und begehen einen völlig harmlosen Protestakt der es aber nach sich zieht daß ihr ganzes Leben den Bach runtergeht und in furchtbaren Folgen für alle Enden könnte. So dramatisch die Lage auch für die Figuren sit, so unscheinbar ist der Film, zumindest in seiner Aufmachung. So gesehen gibt’s ja kaum mehr als eine Handvoll Jugendlicher die in größtenteils Klassenzimmerszenen oder auch in kleinen Hinterkammern reden. Aber es ist eine unglaubliche Bedrohung in der Luft und der Druck lastet mehr und mehr auf den Figuren – und wird für die Zuschauer ebenso langsam spürbar. Die unglaublichen Folgen einer kleinen Geste resultieren in einem hoch spannenden Drama das noch dadurch verstärkt wird daß es eine wahre Geschichte ist.

Fazit: Schülerdrama das zum Polithriller wird – sehr hart und mit stetig steigender Spannung!

Lady Bird

Christine McPherson (Saoirse Ronan) stand immer im Schatten ihrer dominanten Mutter Marion (Laurie Metcalf) und will nur ihrer Heimatstadt entfliehen. In ihrem letzten Schuljahr visiert sie ein College an der Ostküste an und lernt obendrein zwei interessante Jungs kennen, Danny (Lucas Hedges) und Kyle (Timothée Chalamet) …

Es gibt manchmal Filme die bei der Kritik unantastbar sind; dieser hier war bei Kinostart ein solcher: ich kann mich an keine einzige negative Kritik erinnern. Ich kann auch verstehen wo das herkommen mag, aber kann mich dem nicht restlos anschließen: es ist die Geschichte eines Mädchens die aus ihrem Heimatstädtchen entlfiehen will, behandelt ein paar kleine Konflikte und Probleme die sie in ihrem schulischen und menschlichen Umfeld hat – und dann setzt auch schon der Abspann ein. Dabei quillt die Marke „Independent Film“ aus aus jeder Pore und mit Greta Gerwig hat man ja auch eine Regisseurin und Drehbuchautorin die gerade für die etwas speziellen Filme steht. Und unsympathisch ist dieser hier kein Stück, ebensowenig langweilig oder schlecht – aber der Funken ist irgendwie auf mich nicht übergesprungen. Ich kann trotzdem verstehen daß dieser Titel so vielen Leuten scheinbar so viel gegeben hat – daher lohnt sich ein Blick definitiv.

Fazit: Etwas eigensinniger Titel mit sehr emotionalen Momenten!

Rating: ★★★☆☆

Stronger

Beim Bombenanschlag auf den Bostoner Marathon im Jahre 2013 wird Jeff Bauman (Jake Gyllenhaal) verletzt und landet im Rollstuhl. Zwar hilft er entscheidend bei der Aufklärung mit, muß sich aber mit den neuen, furchtbaren Lebensumständen arrangieren …

Hier macht wohl der Funken Realität den Unterschied: die Geschichte ist wohl relativer Standard für ein Behindertendrama, zumindest auf rein filmische Sicht beschränkt. Ein Mann verliert durch schlimme Umstände seine Beine und der film dokumentiert wie er sich mit der Situation arrangiert und auch sein Umfeld davon betroffen ist. Daran ist nichts neu, nichts überraschend, aber es ist wohl auch keine Story die voller Twists ect. stecken kann oder könnte. Jake Gylenhaal spielt die Rolle des sympathischen Chaoten auch sehr gut, in den emotionalen Szenen und insbesondere in einer Rückblende die ihn nach dem Attentat zeigt wächst er über sich hinaus. Das Besondere an dieser ganzen Geschichte ist eben: die Nummer ist wahr. Ich kann natürlich nicht sagen wo hier exakt die Grenze verläuft, wo das die Wahrheit ist und wo filmisch beigeschnitten wurde, aber man kann sich eigentlich nicht beklagen: 110 Minuten Dramakino mit gelegentlichen Lächelmomenten, optimistischer Botschaft und für den Amerikaner ist es sicherlich ein wenig Balsam.

Fazit: Standard-Behindertendrama mit traurigem realen Background!

A Star is born

Die Karriere des Sängers Jackson Maine (Bradley Cooper) geht auf ihr langsames Ende zu. Da lernt er Ally (Lady Gaga) kennen die sich als musikalisches Naturtalent erweist und durch ihn zum Star gemacht wird. Allerdings kann er in ihrem Schatten nicht wirklich klarkommen …

Ein Star ist geboren? Vielleicht ja auf dem Regiestuhl da dies die erste Regiearbeit von Bradley Cooper ist. Warum ihm selber an diesem Stoff so viel gelegen hat weiß ich nicht, aber es sei ihm vergönnt. Im Film versprüht er als versoffener Sänger viel Kumpelcharme, daneben spielt Lady Gaga eine aus dem Nichts kommende Frau die schlagartig zum Star wird – auch wenn die Glaubwürdigkeit nicht immer dabei ist: wenn die beiden auf dem Parkplatz ein Lied andeuten daß sie kurzd arauf ohne zu üben perfekt auf der Bühne abliefern ist das larger than life. Ebenso weiß ich nicht wo hier die Grenze zwischen der Figur Ally und der Sängerin Lady Gaga besteht: in manchen Szenen in denen die Figur auf der Bühne loslegt setzt man glaube ich gezielt deren reale Starpower ein. Bleibt aber auch nicht viel anderes da der Film sehr plotarm daherkommt und in der überschaubaren Geschichte sehr banale Szenen sehr lange auserzählt und auswalzt. Daher kann der Film einem einerseits etwas langweilig vorkommen, auf der anderen Seite zeugt er von einem ruhigen Erzählstil und genießlicher Struktur. Im Letzten Drittel ist dann die dramatische Fallhöhe immens, was nach den eher banalen ersten zwei Dritteln überrascht – aber am Ende bleibt ein ruhiger, mitunter leiser Film der einen zufriedenstellenden Filmabend garantiert.

Fazit: Kleiner, leiser Film bei denen man mit den Hauptfiguren nur bedingt warm wird!

Rating: ★★★☆☆

Solange ich atme

Für Robin Cavendish (Andrew Garfield) und Diana (Claire Foy) ist es Liebe auf den ersten Blick. Das Glück ist jedoch von kurzer Dauer als bei Robin nach einer Geschäftsreise Polio entdeckt wird. Obwohl er im Krankenhaus bleiben müsste holt Diane ihn nach Hause und will ihn selbst bis zum Ende versorgen …

Ein weiterer Versuch von Andrew Garfield sein Gesicht vom Spiderman Image zu lösen und sich als Charakterdarsteller zu etablieren – und mit Rollen wie diesen acht er das garnicht schlecht, zumindest ist dies ein Film der nicht auf ihn ausgerichtet ist. Es sit statt dessen die Biographie eines straken und besonderen Mannes der unfassbares erträgt und es ist sehr überraschend wer auf dem Regiestuh gesessen hat, nämlich niemand anders als „Caesar“ und Gollum Darsteller Andy Serkis. Der schafft es ein ruhiges, mitunter mit leichtem humor versetztes Drama zu erzählen das zwar im Kern ein Kranken und Sterbedrama ist, diese Geschichte aber in einer ungewöhnlichen Zeit spielen läßt. Es könnten nur manche darauf reinfallen und etwas anderes erwarten da die Aufmachung es wohl bewußt wie inen reinen Liebesfilm aussehen läßt – das ist er zwar auch, aber nichtin der romantischen Form wie es z.B. das Cover suggeriert.

Fazit: Leiser Film mit sensiblen Figuren, trotz des schlimmen Themas nicht bleischwer!

7 Tage in Entebbe

Am 27. Juni 1976 wird die Air France Maschine 139 auf dem Weg von Tel Aviv nach Paris von Terroristen überfallen und ins ugandische Entebbe umgeleitet. Die Terroristen, darunter Wilfried Böse (Daniel Brühl) und Brigitte Kuhlmann (Rosamund Pike) und zwei Mitglieder der Volksfront zur Befreiung Palästinas, wollen die Freilassung palästinensischer Gefangener im Austausch gegen die israelischen Geiseln an Bord erpressen. Daraus resultieren sieben furchtbare Tage …

Wieder einmal eine dramaturgisch angepasste Version realer Ereignisse – mir sind die echten Vorgänge wage bewußt oder zumindest habe ich Teile davon schon mal gehört, aber so genau hingesehen habe ich bislang nicht. Ich habe es wohl vorrangig als einen Daniel Brühl Film gesehen und dieser als Darsteller dominiert das Geschehen, ebenso wie Rosamunde Pike. Trotzdem kann ich mit den Ereignissen und dem Ablauf keine emotionale Bindung erreichen: alleine das im Intro Tänzer zu sehen sind die dann auch auf dem dramatischen Höhepunkt so eingeblendet werden entreißt mir das Gefühl eine Nacherzählung zu sehen sondern eben einen Auf Spannung bedachten Thriller. Einen den man durchaus schauen und spannend finden kann, aber keinen, der mir wirklich einen kokreten Überblick über die passierten Ereignisse gibt.

Fazit: Solide inszeniert und gespielt, gibt mir aber keine wirkliche emotionale Bindung zu den Beteiligten!
3 Punkte