Archiv der Kategorie: Drama

Measure of a Man – Ein fetter Sommer

Der Sommer 1976 fordert einiges ab vom übergewichtigen Teenager Bobby Marks (Blake Cooper): neben den Eheproblemen seiner Eltern Lenore (Judy Gree) und Marty (Luke Wilson) stresst ihn ein Ferienjob bei Dr. Kahn (Donald Sutherland) …

Ein ereignisreicher Sommer der aus einem schüchternen Jungen einen Mann macht – das ist eine Thematik aus der es etliche Filmversionen gibt. Diese hier ist wohl keine die besonders groß auffällt oder irgendwo herausragt, aber für sich doch einen Charme hat. Schon alleine weil der Subplot in dem der schüchterne Held bei einem alten Mann Gartenarbeit übernimmt und durch die Dialoge schrittweise etwas fürs Leben lernt wage an Karate Kid erinnert. Ansonsten fängt der Film das Flair in dem er spielt ganz gut ein: es ist ein Sommer in den 70er Jahren, es ist heißt und sonnig und dieses Gefühl verströmt der Film in fast jeder Minute. Ansonsten ist es eben eine typische Geschichte eines schüchternen Jungen der sich isoliert fühlt und einen Weg finden muß seine Konflikte irgendwie zu bewältigen. Viel bleibt hinterher nicht im Kopf, außer einem warmen, angenehmen Gefühl und ein wenig Freude darüber daß man etwas so warmherziges hat sehen können. Nicht zuletzt dank dem wie immer großartigen Donald Sutherland in einer markanten Nebenrolle

Fazit: Kleines Sommerdrama mit Herz, Gefühl und ganz viel Wärme.

Rating: ★★★☆☆

Submission

Der Universitätsdozent Ted Swenson (Stanley Tucci) könnte eigentlich mit allem zufrieden sein, wird aber von einer starken Midlife Crisis geplagt. So wird er auch Mentor der neuen Studentin Angela Argo (Addison Timlin) bei der das Verhältnis recht schnell sehr innig wird …

Ein Film der gewisse Dinge enthalten könnte; dieses aber nicht tut was zu seiner Stärke und Schwäche wird. Im Kern geht es um einen frustrierten Literaturprofessor der seine Träume durch die Werke seiner Studenten auslebt, dann mit einer auf unangemessene Distanz gerät. Das hätte man viel scheußlicher und ekelhafter machen können: den Professor als geilen Lüstling inszenieren, die Story mit seelischen Abgründen oder bitteren Momenten ergänzen. Aber das passiert hier nicht: die Hauptfigur ist ein sarkastischer, trauriger Kerl, der irgendwie emotionslos wirkt und eher müde in all das reinschlittert anstatt von Gelüsten gelenkt. Damit erreciht der Film an dieser Stelle keine krassen emotionalen Tiefen, behält sich dadurch aber ebenso eine gewisse Letargie und Ruhe vor die der Film ausstrahlt. Dadurch schwingt er sich nie zu nennenswerten Größen oder Höhen auf; bewahrt aber einen ruhigen, entspannten und angenehmen Grundton der ihn eben zu einem angenehmen, kleinen Streifen macht; den man aber wohl recht schnell vergisst.

Fazit: Irgendwie zwischen die Genres geratende Geschichte, die zwar keine krassen Szenen aus seiner Thematik holt, aber kurzweilig und angenehm ausfällt!

Official Secrets

Die britische Dolmetscherin Katharine Gun (Keira Knightley) kommt im Jahre 2003 an ein brisantes Dokument über den Irakkrieg. Als sie dieses an die Presse weiterleitet steht sie als Verräterin da …

Dies ist ein Film der in meinen Augen nicht fürs Kino, sondern für die Schule gedreht wurde. Auch wenn Stars wie Matt Smith, Kiera Knightley und Ralph Fiennes dabei sind, dies ist nicht wirklich großes Kino, aber ein großes „Vorführen“: der Film bereitet einen wahren Fall auf der zwar unspektakulär verläuft, aber inhaltlich kaum härter sein könnte. Es geht um eine Geheimdienstagentin die gegen einen geleisteten Eid verstößt, eine wichtige Information weiterreicht um einen Krieg zu unterbinden und die sich dafür zwischen Medien und der Justiz in einem furchtbaren Prozess wiederfindet. Vorrangig ist dies ein Dialogfilm in dem Menschen miteinander reden, inhaltlich ist es eine sehr harte Auseinandersetzung mit einem echten Fall. Einem mit dem man sich definitiv befassen sollte oder ihn zumindest Schülern zugänglich machen sollte.

Fazit: Einerseits unspektakulär, inhaltlich aber sehr bitter und brillant!

Dem Horizont so nahe

Jessica (Luna Wedler) findet in Danny (Jannik Schürmann) ihren Traummann und hofft auf eine gemeinsame Zukunft. Allerdings trägt dieser ein dunkles Geheimnis mit sich welches alles zunichte machen kann …

So simpel die Geschichte ist, so furchtbar ist sie: junges Mädchen trifft ihren Traummann, dieser ist ein von der Vergangenheit gezeichneter und mit einer schlimmen Krankheit infizierter Mensch. Zwar finden sie zueinander, zwar halten sie sich aneinander fest, dennoch ist es klar wie diese Geschichte enden muß, zumal es die Verfilmung eines Romans ist der seinerseits einen wahren Background hat. Eigentlich unangenehmer Stoff den man sich ungern anschaut, aber es ist eben auch Kino der Gefühle und das Recht der Macher, einen Zuschauer diesem furchtbaren Emotionszustand auszusetzen. Und dank der Darsteller klappt das auch gut, wenngleich mir Luna Wendlers Figur etwas zu aufmüpfig erschien, aber das mag nur mein Empfinden gewesen sein. Als kurzweilige Romanze taugt die Nummer jedenfalls nicht, ebensowenig als Herzschmerzsterbedrama. Letztlich findet sich der Film irgendwo in der Mitte ein wo er vielleicht nicht jeden Zuschauer begeistern kann, aber sicherlich manchen richtig hart erwischt!

Fazit: Zunächst überzuckert erscheinende, danach immer bitter werdende Romanze unter hartem, unausweichlich traurigem Stern!

Rating: ★★★☆☆

Gut gegen Nordwind

Ein Tippfehler bei einer email von Emma Rothner (Nora Tschirner) bringt sie mit Leo Leike (Alexander Fehling) in Kontakt. Der flüchtige Zufallskontakt ist der Auftakt einer innigen email Freundschaft bei der bald echte Gefühle aufkommen – allerdings sind beide in Beziehungen …

Zwei die sich lieben kommen nicht so einfach zusammen und eiern umeinander rum, das stellt wohl die Basis jeder RomCom da. Hier ist es dann eine Geschichte die wie eine Nachmache von „email für dich“ klingt, aber da sind dann doch einige Punkte anders: der Grundton ist trister, ernsthafter und mag zwar in manchen Momenten Kitsch enthalten, aber eigentlich ist das alles schon ein Drama. Es geht um zwei Menschen die sich auf digitalen Wegen ohne einander zu begegnen verlieben und einen ungemein echten Dialog darüber führen. Mich ganz persönlich hat das auf ganzer Linie erreicht, aber eben nur wegen meiner Vergangenheit in der es einige lange und sehr intensive emaildialoge gab. Darum mag das manch einer als langweilig abtun, mir gab es stellenweise Momente wieder die ich selber so erlebt habe. Obendrein spielt der Film in meiner Heimatstadt und gab mir auch das ein oder andere Wiedererkennen.

Fazit: Intensive Dialoge und tolle Darsteller – sehr lebensnaher und glaubhafter Liebestaumel!

Der Fall Richard Jewell

Wachmann Richard Jewell (Paul Walter Hauser) findet bei den Olympischen Spielen im Jahre 1996 eine Bombe und rettet duch beherztes Eingreifen viele Leben. Allerdings gerät er kurz danach in den Verdacht selbst der Bombenleger gewesen zu sein …

Ein Mann wird ungewollt zum Helden, genießt kurzzeitig den Triumph bevor alles den Bach runtergeht und in einen totalen Alptraum mündet. Das alles ist ein wahrer Fall der mir nicht bekannt war, ebenso wenig wie der Ausgang der Geschichte, daher hatte ich durchweg einen spannenden Bonus da ich nicht wußte ob der Film nicht glatt mit einem Twist um die Ece kommt. Aber auch ansonsten spricht einiges für ihn: eine erlesene Besetzung die mit Kathy Bates, Jon Hamm und Sam Rockwell überragende Kaliber parat hat, eine dramatische Geschichte die ruhig, aber sehr konzentriert vorgetragen wird (Action gibt’s lediglich in Form des gezeigten Bombenattentats welches aber mit ganz billigen CGI Effekten geregelt wurde) und den Fokus gerichtet auf einen merkwürdigen Schwerpunkt. Der Punkt liegt wirklich auf der Figur Richard und wie es für ihn ist aus dem Nichts unter Verdacht zu geraten, die Ermittlungen und Umtriebe in den Medien und beim FBI werden sehr nebenher verfolgt. Es lieg aber auch an Regsisseur Eastwood der es drauf hat so eine Geschichte ansprechend aufzubereiten.

Fazit: Redseliger, aber mitreißender und bewegender Film über einen Mann der ungewollt in die Mühlen der Medien und der Justiz gerät!

Videoreview von mir: https://www.youtube.com/watch?v=BArccYSeB0I

Die perfekte Kandidatin

In der saudi-arabischen Provinz Riyadh arbeitet Dr. Maryam (Mila Al Zahrani) t als Ärztin in einem Krankenhaus. Sie leidet darunter daß die Zufahrt zum Haus verschlammt ist und möchte sich dafür einsetzen daß endlich ein asphaltierter Weg angelegt wird. Eher durch Zufall gelangt sie an den Gedanken, sich selbst als Gemeinderat-Vorstand aufstellen zu lassen …

Eine deutsch / saudi-arabische Co-Produktion in  der es darum geht daß eine Zufahrt asphaltiert werden soll? Klingt nicht nach nennenswertem, großen Kino. Ist es auch nicht, aber dennoch ein Titel der ein wenig Aufmerksamkeit verdient. Natürlich ist dies nur der Hintergrund, der Schwerpunkt liegt auf einer jungen, begabten Frau die eigentlich das richtige und das Gute will, aber eben ständigen Hindernissen ausgesetzt ist. Diese kommen vorrangig daher daß sie eine Frau ist, in einer Welt und einer Umgebung in der man eben als Frau still zu sein hat und die sich für ihr auflehnen gegen die Verhältnisse einiges an Widerstand antun muß. Das bleibt alles auf ganzer Linie unspektakulär, in manchen Szenen ist man dann aber doch geradezu wütend wenn man die bornierten Herren sieht die einfach auf stur schalten und nicht hinhalten. Nach der Hälfte ist das Thema und die Situation aber gut präsentiert, leider passiert ab da nicht mehr nennenswert viel. Der Film ist letztlich wie seine Hauptfigur: mögenswert, nett, angenehm, aber ebenso ein wenig unscheinbar und im Kern mit dem Herzen am rechten Fleck.

Fazit: Kleine Mischung aus Drama mit ein paar Schmunzelmomenten die Zuschauern aus der westlichen Welt sehr komisch vorkommen könnte.

Rating: ★★★☆☆

Amoklauf

Ein Kellner lebt einsam und isoliert und von der Außenwelt abgeschottet. Im Laufe der Zeit hat er einen unglaubliche Hass auf seine Mitmenschen entwickelt – und so führt ein geringer Auslöser zu einer unglaublichen Bluttat …

Einer der ersten Filme von Uwe Boll an dem man wohl schon damals kein gutes Haar ließ. Ich kann es verstehen, will den Film aber nicht gleich in Grund und Boden reden weil ich zumindest eine Absicht erkennen konnte. Es geht um einen Mann in dem ein Hass auf seine Umwelt stetig wächst bevor sie sich in Gewalt entlädt, dabei wird nicht wirklich eine psychologische Analyse gezeigt, aber die Trostlosigkeit seiner Umgebung und die Isolation wenn er im stillen Zimmer hockt und fernsieht (was der Zuschauer auch minutenlang mitmacht) kommt schon entsprechend rüber. Zum Ende hin entlädt sich die Wut in ein furchtbares, blutiges Desaster daß irgendwo zwischen Splatterfilm und Kunststreifen fällt, das mag zwar vorrangig dem Schockeffekt dienen, hat aber einen ungemein surrealen Anstrich der ein Ansehen durchaus interessant macht. Obendrein ist es eben eine Basis: das Thema Amoklauf hat Boll noch in einigen andern Titeln aufgearbeitet, wie z.B. der „Rampage“ Trilogie.

Fazit: Bizarres Frühwerk von Uwe Boll dessen splatteriger Showdown geradezu künstlerisch wirkt!
2 Punkte

Just Mercy

Anwalt Bryan Stevenson (Michael B. Jordan) hat einen Abschluss von Harvard und verteidigt unschuldig Verurteilte in Alabama, zusammen mit Anwältin Eva Ansley (Brie Larson). So kommt er an den Fall von Walter McMillian (Jamie Foxx) dem ein Mord zur Last gelegt wird …

Der Film gibt vor auf wahren Fakten zu basieren, das glaube ich ihm auch, aber muß dann doch sagen: die Realität scheint manchmal sehr klischeehaft zu sein. Der grundgute und arme mann der zu Unrecht in den Knast kommt und tapfer die Kraft bewahrt, der steril-saubere und immer nur das gute wollende Held, der verschwitzte, böse Sherriff, der kakerlakenhafte und windige Staatsanwalt … in diesem Juristendrama scheint jede noch so kleine Klischeefigur enthalten zu sein. Und es ist ein Film der langen Dialoge und es extrem gebremsten Tempos. Das ist aber eine Eigenart des Genres, hier gibt es eben keine Action und keine Überspitzung, sondern das menschliche Drama daß in Gerichtssälen, in den Büros, in den Gefängniszellen oder den heimischen Wohnzimmern passiert. Mir hat es in dieser Form sehr gefallen, einen so entschleunigten Film zu sehen, auch wenn die Laufzeit von 137 Minuten dann doch viel zu lang dafür bemessen war. Die Botschaft ist gut, die Darsteller solide und Spannung bleibt auch erhalten wenn man den wahren Hintergrund nicht kennt. Und manche der gezeigten Dinge können einen geradezu wütend machen …

Fazit: Mag zwar auf realten Tatsachen fußen, liefert aber doch viele Klischees, dafür auch einen ruhigen, dialoglastigen und entschleunigten Film!

Rating: ★★★★☆

Sieben Jahre in Tibet

Im Jahre 1939 beteiligt sich Heinrich Harrer (Brad Pitt) an einer Himalaya-Expedition. Als der Zweite Weltkrieg ausbricht landet Heimrich mit Expeditionsleiter Peter Aufschnaiter (David Thewlis) in einem Internierungslager. Von dort aus gelangt er nach Tibet wo er auf Tenzin Gyatso (Jamyang Jamtsho Wangchuk), dem 14. Dalai Lama, trifft …

Der Film kam ins Kino als ich ein Teenager war und ich verweigerte ihn im Kino, da es mir als eine ultimative Qual und Schnulze vorkam in welcher der von den Mädels so angehimmelte Brad Pitt einfach nur episch in Szene gesetzt werden sollte. Nun, viele Jahre später habe ich ihm dann doch mal eine Chance auf Netflix gegeben und kann mit dem Blick drauf werfen der mir damals gefehlt hat, nämlich dem Wissen darum welche Filme Pitt sonst noch so gemacht hat seitdem. Dies ist nicht der Versuch eines damals aufsteigenden Stars mal was episches zu machen, sondern ein gezielter und gut gewählter Film in dem er auch mal aus seinem damaligen Sunnyboy Image ausbrechen konnte: er verkörpert einen ziemlichen Widerling der aus purem Egoismus einen krassen Schritt geht. Dadurch ist der Film zunächst ein Abenteuerstreifen, wird dann später zu einem Politfilm bzw. ein wenig Betrachtung der Historie und mündet in ein sympathisches Drama über eine ungewöhnliche Freundschaft. Ich will gar nicht so tun als würde ich allen historischen Kotext gänzlich kapieren oder könnte hinterher ein Referat darüber halten. Ebenso wenig weiß ich hier was historisch belegt ist und was dramaturgisch angepasst wurde (Pitts Figur wandelt sich schrittweise zum Sympathieträger was die wahre Person so wohl nicht tat), aber in seiner Gesamtheit ergibt der Film durchaus ein Werk daß einen gewissen Klassikerstatus verdient hat: Pitt mit seiner eindringlichen Darstellung,  einige sehr sensible Szenen und große Landschaftsaufnahmen die ohne Computer gemacht wurden liefern einen wirklich großen, epischen Film auf den man sich halt einlassen muß.

Fazit Episch, gigantisch aufgezogen und in manchen Momenten mit sehr viel Gefühl!

Rating: ★★★★☆