Archiv der Kategorie: Drama

The Public – Ein ganz gewöhnlicher Held

Die Innenstadt von Cincinnati wird von einem ungewöhnlichen Kältesturm heimgesucht. Die Folge ist das viele Menschen in einer Bibliothek Zuflucht suchen – was für das Personal zur Belastungsprobe wird …

Der Film hat gleich auf ganzer Ebene Pech: kaum Markteting, nichtssagender Titel und obendrein startet er in einer Kinowoche bei der es rund 30 Grad hat, was der direkte Kontrast zum Inhalt ist bei dem es um Erfrieren geht. Trotzdem hat der Film das Herz am rechten Fleck: ein Haufen Obdachloser besetzt eine Bibliothek um so im Warmen zu sein, ein netter A unterstützt sie und das daraus entsehende Chaos treibt diverse Gestalten auf den Plan welche die Lage für ihre Zwecke nutzen wollen. Irgendwie schafft es Emilio Estevez nicht sich auf eine Richtung und ein Genre festzulegen: das geht alles als Drama, als Komödie und auch als Liebesfilm durch. Trotzdem hat der Film im Kern sehr viel Wärme und ach den ein oder anderen rührseligen Moment.

Fazit: Starbesetzung und ein warmherziges Skript – wundervoll menschlicher Film!
Rating: ☆☆☆☆☆

Boy Erased -Der verlorene Sohn

Garrard Conley (Lucas Hedges) ist der Sohn eines Baptistenpredigers in einer Kleinstadt, Für seine Umgebung bricht eine Welt zusammen als er im Alter von 19 als schwul geoutet wird – und durch den Druck wird Garrard in ein Programm zur Umerziehung gebracht …

Mir fällt es manchmal schwer wenn ich Darsteller die ich kenne und mag in unsympathischen Rollen sehe. Hier sind es Nicole Kidman und insbesondere Russel Crowe der als homophober Vater einen fiesen Kotzbrocken spielt, der Schwerpunkt liegt trotzdem auf Filmsohn Lucas Hedges. Nach „Ben is back“ gibt er hier erneut ein „Problemkind“, nur daß er hier nicht auf Drogen ist und sein Problem ihm eingeredet wird. Und so erleben wir wie sich ein normaler Junge durch furchtbare Prozesse winden muß die ihn zur Heterosexualität treiben sollen.Das klingt alles viel reißerischer als der Film letztlich ist. Eigentlich geht hier alles ruhig zu, aber unter der Oberfläche stecken viel Angst und Verdrängung … die aber dann nach und nach herauskommen.

Fazit: Kleines Drama mit großen Darstellern und der richtigen Botschaft!

Rating: ★★★★☆

White Boy Rick

Die unglaubliche Richard Wershe Jr. (Richie Merritt) der im Jahre 1984 zum Undercover-Informant für die Drogenermittler wird – obwohl Rick gerade mal 14 Jahre alt ist. Dabei sammelt er sich so viel Wissen an daß er irgendwann die Seiten wechselt – und gegen seine ehemaligen Arbeitgeber vorgeht …

Die wohl wahre Geschichte die dahinter steckt ist in der Tat kaum zu glauben: ein Teenager gerät ins Visier des FBI und wird als Spitzel undercover geschickt. Die Story würde wohl auch gut klappen wenn sie erfunden wäre, aber es geht einen Schritt weiter: der Spitzel wird selber zum Thema und baut sich ein mächtiges Drogennetzwerk auf. Wie man es schafft eine eigentlich so spannende Story dann doch in einen banalen Film zu verfrachten? Das geht wohl vorrangig über den Hauptdarsteller. Damit meine ich nicht Matthew McConaughey der den schmierigen Vater soweit solide gibt, der großte Schwachpunkt des Films liegt aber in Rick Darsteller Riche Merrit: als leer dreinblickender Betonklotz läuft er hier durch die Szenerie und macht es eigentlich unmöglich irgendwas mit ihm zu empfinden. Schade weil der Rest soweit klar geht: das Milieu ist soweit ganz gut geezeigt und es gibt ein paar passable Twists und Momente. Trotzdem: nach dem eigentlich tollen Trailer kommt hier bemerkenswert wenig bei rum.

Fazit: Spannende Story, unspektakulär inszeniert und mit absolut kreidebleichen Hauptdarsteller!

The Mule

Leo Sharp (Clint Eastwood) hat einst im zweiten Weltkrieg gekämpft und ist mittlerweile über 80 Jahre alt. Dennoch geht er das Risiko ein für ein mexikanisches Kartell Kokain über die Grenze zu schmuggeln …

Was ist denn da passiert? Clint Eastwood hatte sich eigentlich mit „Gran Torino“ eindrucksvoll vom Kino vor der Kamera verabschiedet (ein kleiner, unbedeutender Baseballfilm zählt wohl nicht), nun kehrt er aber nochmal zurück. Allerdings sollte man dort die Erwartungen enorm zurück halten: ja, Eastwood spielt die Hauptrolle, man merkt aber eben daß der Mann älter und müder geworden ist. Damit nicht zwangsweise schlechter, aber das eingefallene Gesicht zeugt schon davon daß viel Zeit vergangen ist. Und daß dies ein Film ist den er auch vor einiger Zeit hätte machen können, der aber auch da nicht wirklich zu seinen besseren gezählt hätte. Als alter, grantiger Kerl fährt er durch die Gegend, interagiert mit diversen Leuten entlang der Straße und daneben läuft noch ein Plot rund um ein Drogenkartell. Das ist jederzeit ok und gerade dadurch das Eastwood die Hauptrolle spielt lohn sich immer ein Blick. Bei der Hoffnung auf einstige Qualität wird man aber eher enttäuscht.

Fazit: Etwas steifes Thrillerdrama in dem selbst die zahlreichen Stars bleich wirken!
Rating: ★★☆☆☆

The Favourite – Intrigen und Irrsinn

Im England des 18. Jahrhunderts ist die kränkliche Königin Anne (Olivia Colman) kaum für ihre Pflichten geeignet und übergibt das Meiste an Lady Sarah (Rachel Weisz). Ebenso kommt das Dienstmädchen Abigail (Emma Stone) dazu und beginnt zu entdecken wie sie ihren Einfluß auf Anne für sich nutzen kann …

Die Inhaltsangabe könnte auch in eine ganz andere Richtung Film gehen: es geht um zwei Frauen die sich einen Konkurrenzkampf liefern, nicht um einen Mann sondern um die priviligierte Position an der Seite der englischen Königin. Wunderbar ist dabei die Besetzung: Rachel Weisz und insbesondere Emma Stone sind eigentlich Darstellerinnen die eher auf die sympathischen und herzlichen Figuren gesetzt werden, dürfen aber hier zwei bösartige Gestalten spielen die hinter höflicher Fassade die Intrigen und Gemeinheiten am laufenden Band anzetteln. Über die historische Genauigkeit kann ich nichts sagen, denke aber schon da dies hier für Schulunterricht und ähnliches taugt, da es das dekadente und oftmals absurde Leben am Hof ganz nett Zeigt. Zumal mit einer manchmal überraschenden Optik (Fischaugeneinsatz) und funkensprühenden Dialogen auch für Auge und Hirn einiges geliefert wird. Daher: keine Gefahr eines lauen Kostümschinkens, sondern flotte und hintersinnige Unterhaltung.

Fazit: Witzig und bissig in der Wirkung und großartig gespielt!

Ein Becken voller Männer

Bertrand (Mathieu Amalric), Marcus (Benoît Poelvoorde), Simon (Jean-Hugues Anglade), Laurent (Guillaume Canet), Thierry (Philippe Katerine), John (Félix Moati), Basile (Alban Ivanov) und Avanish (Balasingham Thamilchelvan) kommen auf einen absurden Gedanken um der Midlife Crisis zu entkommen: sie gründen ein männliches Snychronschwimmteam …

Eine französische Komödie die man durch einen Blick aufs Filmplakat scheinbar direkt und komplett erfasst: das Plakat zeigt einen Haufen unsportlicher Männer die in einem Beckenstehen. Wenn man dann noch die Handlung erfährt daß eben diese Gestalten versuchen sich an einer WM fürs Synchronschwimmen zu qualifizieren ist der Rest klar: es dürfte derbe und alberne Pointen geben und Charaktere die zu Witzfiguren werden. Dann ist man aber schon überrascht wie der Film ausfällt bzw. mit seinen Figuren umgeht: der Wettkampf spielt nur eine untergeordnete Rolle, primär wird fetzenhaft ein Blick auf die Leben der Männer geworfen und deren meist trostlose und problembehaftete Existenz offengelegt. Damit ist der Film dann doch mehr Drama als Komödie bevor es in der zweiten Hälfte zu einem konventionellen Sportfilm wird. Trotzdem stimmt vieles im Gesamtpaket: der Film hat durchaus das Herz am rechten Fleck und neben netten Figuren auch einige sehr herzliche Augenblicke, weswegen ein Blick durchaus lohnen kann.

Fazit: Herziger Film mit erstaunlich hohem Dramaanteil!

Rating: ★★★☆☆

Beautiful Boy

Bestürzt stellen David Sheff (Steve Carell) und seine Frau Vicky (Amy Ryan) fest daß ihr Mustersohn Nic (Timothée Chalamet) süchtig nach Meth ist. Davids Versuche seinen Sohn davon zu befreien werden stetig problematischer da Nic ständig lügt …

Im Ansatz hat der Film etwas daß ich höchst interessant finde: es werden reale Erlebnisse aus zwei Quellen geschildert. Es ist die Geschichte eines Vaters der mit der Drogensucht seines Sohnes umgeben muß und die beiden gibt es wirklich und beide haben über ihre Erlebnisse Memoiren verfasst. Der Film kombiniert diese, es wird also gleichermaßen die Sicht vom Jungen wie auch vom Sohn ins Drehbuch eingebunden. Da es aber auf reale Dinge blickt bleibt filmische Erhöhung und Übertreibung eher aus. Vielmehr hat man ein kleines Familiendrama mit furchtbaren Momenten und der vonS teve Carrell gespielten Hauptfigur dessen Qual und Leid man selbst körperlich spüren kann. Die Dramaturgie verläuft schleppend, aber die Darsteller reißen es mehr als raus.

Fazit: Überragende Darsteller einer schlimmen Phase .- etwas ereignisarm, aber berührend gespielt!

Ben is back

Nach schlimmer Vergangenheit kehrt an Weihnachten Ben Burns (Lucas Hedges) unerwartet zu seiner Familie zurück. Damit reißen aber Wunden auf und seine Mutter Holly (Julia Roberts) einige Not um Katastrophen zu vermeiden …

Ein Film mit dieser Thematik und Julia Roberts auf dem Cover wäre zu anderen Zeiten sicherlich mit mehr Zuckerguß ausgefallen. In der hier präsentierten Form ist es ein knüppelhartes Drama über eine Mutter die in die Drogenszenerie ihres Sohnes abtaucht. Dabei gefällt mir ein Aspekt vor allen andern: Roberts Figur ist zwar emotional, aber vernünftig, ebenso erscheint die gebeutelte Figur des Ben – und obwohl sie klar und offen aufeinander zugehen gibt’s es Differenzen und Probleme die eben doch größer als sie sind. Ebenso wird ungeschönt gezeigt wie das Vertrauen in den Jungen einerseits auf die Realität trifft und eben liebende Menschen sich mit Misstrauen und Skepsis begegnen. All das kommt mit großartigen Darstellern und bedrückender, aber nicht zerschmetterter Stimmung daher. Ein rabiates Familiendrama also in dem durchaus Gefühl steckt – aber auch ganz viel Kummer.

Fazit: Bitter und schmerzhaft – ein Film bei dem man froh ist nicht jemand von den Hauptfiguren zu sein!
Rating: ★★★★☆

Drei Schritte zu dir

Stella Grant (Haley Lou Richardson) ist an Mukoviszidose erkrankt und verbingt viel Zeit in Krankenhäusern. So lernt sie den ebenfalls kranken Will Newman (Cole Sprouse) kennen – leider stehen einer Beziehung einige medizinische Hindernisse im Weg …

Nach „Du neben mir“ im Jahre 2017 und „Midnight Sun“ aus 2018 bekommt auch das Kinojahr 2019 einen Teenagerliebesfilm, dessen Problem darin liegt daß die Protagonisten unter körperlichen Problemen leiden. In diesem Falle sind es zwei junge Menschen im Krankenhaus die zwar zusammen sein möchten, es aber gerade durch ihre Krankheiten die sich ungünstig ergänzen nicht dürfen. Das schmälert natürlich nicht die Sehnsucht nacheinander und das ist eben die Grundprämisse und die Stimmung in der der Film sich suhlt. Die Sehnsucht ist verständlich, die Unmöglichkeit des Auslebens und der daraus entstehende Kummer klar. Aber der Film ist eben ein Film und somit schon mal schöner als die Realität, hier ist nichts so schlimm daß man es nicht mit einem entsprechenden Popsong erträglich spielen kann; ebenso sind alle netter als in echt und wenn jemand das Klinikpersonal um Hilfe bei einer romantischen Idee fragt läßt auch jeder sofort alles stehen und liegen um eben das zu tun … oha. Allerdings funktioniert diese epische Kitschbombe in manchen Momenten sehr gut und durch die unbedarft aufspielenden Darsteller schließt man bei allem die Figuren doch ins Herz. Ernst nehmen kann man ihn oftmalas nicht, verdammen ebensowenig.

Fazit: Ultimative Kitschbombe mit funktionierenden emotionalen Momenten!

Rating: ★★★☆☆

The Front Runner – Der Spitzenkandidat

Die Biographie des US-amerikanischen Politiker Gary Hart (Hugh Jackmann), mit dem Schwerpunkt der Wahlkampfkampagne im Jahr 1988. Dort hatte Hart eigentlich die besten denkbaren Chancen, gerät aber ins Straucheln als Details einer Affäre herauskommen …

Eigentlich eine recht uninteressante Geschichte: die Vorfälle rund um einen Politiker der auf enem sehr guten Weg war, dem aber dann sein eigenes Verhalten zum Verhängnis wurde. Und bei dieser Beschreibung möchte ich den Film gerne hassen und insbesondere die Hauptfigur. Leider wird diese von Hugh Jackman gespielt, einem der wohl nettesten Menschen der Welt. Und da es wohl das Ziel des Films ist daß man als Zuschauer selbst entscheidet kann es passieren daß einem der Kerl dem alles über den Kopf wächst sympathisch wird weil man eben Jackman mag. Dazu kommt der entspannte Erzählton und die technische Umsetzung die bewußt altmodisch ist: der Film arbeitet ausschließlich mit Technik die es so auch in den 80er Jahren gab. Deswegen ist dies nicht gerda ein Highlight, sehr wohl aber ein interessanter Blick auf einen realen Vorfall

Fazit: Relativ ereignislose Abzählung eines realen Vorgangs, durchaus mit einem gewissen Unterhaltungswert.
Rating: ★★★☆☆