Ein Becken voller Männer

Bertrand (Mathieu Amalric), Marcus (Benoît Poelvoorde), Simon (Jean-Hugues Anglade), Laurent (Guillaume Canet), Thierry (Philippe Katerine), John (Félix Moati), Basile (Alban Ivanov) und Avanish (Balasingham Thamilchelvan) kommen auf einen absurden Gedanken um der Midlife Crisis zu entkommen: sie gründen ein männliches Snychronschwimmteam …

Eine französische Komödie die man durch einen Blick aufs Filmplakat scheinbar direkt und komplett erfasst: das Plakat zeigt einen Haufen unsportlicher Männer die in einem Beckenstehen. Wenn man dann noch die Handlung erfährt daß eben diese Gestalten versuchen sich an einer WM fürs Synchronschwimmen zu qualifizieren ist der Rest klar: es dürfte derbe und alberne Pointen geben und Charaktere die zu Witzfiguren werden. Dann ist man aber schon überrascht wie der Film ausfällt bzw. mit seinen Figuren umgeht: der Wettkampf spielt nur eine untergeordnete Rolle, primär wird fetzenhaft ein Blick auf die Leben der Männer geworfen und deren meist trostlose und problembehaftete Existenz offengelegt. Damit ist der Film dann doch mehr Drama als Komödie bevor es in der zweiten Hälfte zu einem konventionellen Sportfilm wird. Trotzdem stimmt vieles im Gesamtpaket: der Film hat durchaus das Herz am rechten Fleck und neben netten Figuren auch einige sehr herzliche Augenblicke, weswegen ein Blick durchaus lohnen kann.

Fazit: Herziger Film mit erstaunlich hohem Dramaanteil!

Rating: ★★★☆☆

Beautiful Boy

Bestürzt stellen David Sheff (Steve Carell) und seine Frau Vicky (Amy Ryan) fest daß ihr Mustersohn Nic (Timothée Chalamet) süchtig nach Meth ist. Davids Versuche seinen Sohn davon zu befreien werden stetig problematischer da Nic ständig lügt …

Im Ansatz hat der Film etwas daß ich höchst interessant finde: es werden reale Erlebnisse aus zwei Quellen geschildert. Es ist die Geschichte eines Vaters der mit der Drogensucht seines Sohnes umgeben muß und die beiden gibt es wirklich und beide haben über ihre Erlebnisse Memoiren verfasst. Der Film kombiniert diese, es wird also gleichermaßen die Sicht vom Jungen wie auch vom Sohn ins Drehbuch eingebunden. Da es aber auf reale Dinge blickt bleibt filmische Erhöhung und Übertreibung eher aus. Vielmehr hat man ein kleines Familiendrama mit furchtbaren Momenten und der vonS teve Carrell gespielten Hauptfigur dessen Qual und Leid man selbst körperlich spüren kann. Die Dramaturgie verläuft schleppend, aber die Darsteller reißen es mehr als raus.

Fazit: Überragende Darsteller einer schlimmen Phase .- etwas ereignisarm, aber berührend gespielt!

Ben is back

Nach schlimmer Vergangenheit kehrt an Weihnachten Ben Burns (Lucas Hedges) unerwartet zu seiner Familie zurück. Damit reißen aber Wunden auf und seine Mutter Holly (Julia Roberts) einige Not um Katastrophen zu vermeiden …

Ein Film mit dieser Thematik und Julia Roberts auf dem Cover wäre zu anderen Zeiten sicherlich mit mehr Zuckerguß ausgefallen. In der hier präsentierten Form ist es ein knüppelhartes Drama über eine Mutter die in die Drogenszenerie ihres Sohnes abtaucht. Dabei gefällt mir ein Aspekt vor allen andern: Roberts Figur ist zwar emotional, aber vernünftig, ebenso erscheint die gebeutelte Figur des Ben – und obwohl sie klar und offen aufeinander zugehen gibt’s es Differenzen und Probleme die eben doch größer als sie sind. Ebenso wird ungeschönt gezeigt wie das Vertrauen in den Jungen einerseits auf die Realität trifft und eben liebende Menschen sich mit Misstrauen und Skepsis begegnen. All das kommt mit großartigen Darstellern und bedrückender, aber nicht zerschmetterter Stimmung daher. Ein rabiates Familiendrama also in dem durchaus Gefühl steckt – aber auch ganz viel Kummer.

Fazit: Bitter und schmerzhaft – ein Film bei dem man froh ist nicht jemand von den Hauptfiguren zu sein!
Rating: ★★★★☆

Men in Black – International

Die Londonder MiB Agenten H (Chris Hemsworth) und M (Tessa Thompson) ermittlen gegen einen Maulwurf in der eigenen Organisation. Dabei stoßen sie auf bösartige außerirdische Gestaltwandler …

Der Versuch die alte „MiB“ Reihe neu anzufachen ist im Grunde relativ unverkrampft: es gibt bereits ein bestehendes Universum und Regeln und auch wenn die alten Darsteller Tommy Lee Jones und Will Smith nicht mehr an Bord sind findet man sich als Zuschauer schnell zurecht. Ebenso gibt es keine alten Handlungsreste die hier unbedingt neu aufgerollt und fortgeführt werden müssen. Schade aber daß die gebotene Chance hier so schlecht umgesetzt wird: die Handlung ist eine reine 08/15 Variante der Alienjäger die ein außerirdisches Artefakt suchen. Die Hauptfiguren Tessa Thompson und Chris Hemsworth funktionieren nicht: sie ist eine eher unangenehme, schnippische Figur, er ist eine Selbstparodie seines Images und wäre eine passable Nebenfigur, aber taugt nicht als Protagonist. Technisch ist das alles gut umgesetzt, aber in manchen Szenen ist die Green Screen Herkunft viel zu deutlich erkennbar und bremst das visuelle Vergnügen. Und durch die Abwesenheit eines guten Antagonisten und dem stetigen Aufwärmen von bekannten Versatzstücken fällt die Nummer vor allem in einem Punkt bemerkenswert aus: der Langeweile.

Fazit: Uninteressante Fortsetzung mit banaler Story und langweiligen Figuren!

Rating: ★★★☆☆

 

Drei Schritte zu dir

Stella Grant (Haley Lou Richardson) ist an Mukoviszidose erkrankt und verbingt viel Zeit in Krankenhäusern. So lernt sie den ebenfalls kranken Will Newman (Cole Sprouse) kennen – leider stehen einer Beziehung einige medizinische Hindernisse im Weg …

Nach „Du neben mir“ im Jahre 2017 und „Midnight Sun“ aus 2018 bekommt auch das Kinojahr 2019 einen Teenagerliebesfilm, dessen Problem darin liegt daß die Protagonisten unter körperlichen Problemen leiden. In diesem Falle sind es zwei junge Menschen im Krankenhaus die zwar zusammen sein möchten, es aber gerade durch ihre Krankheiten die sich ungünstig ergänzen nicht dürfen. Das schmälert natürlich nicht die Sehnsucht nacheinander und das ist eben die Grundprämisse und die Stimmung in der der Film sich suhlt. Die Sehnsucht ist verständlich, die Unmöglichkeit des Auslebens und der daraus entstehende Kummer klar. Aber der Film ist eben ein Film und somit schon mal schöner als die Realität, hier ist nichts so schlimm daß man es nicht mit einem entsprechenden Popsong erträglich spielen kann; ebenso sind alle netter als in echt und wenn jemand das Klinikpersonal um Hilfe bei einer romantischen Idee fragt läßt auch jeder sofort alles stehen und liegen um eben das zu tun … oha. Allerdings funktioniert diese epische Kitschbombe in manchen Momenten sehr gut und durch die unbedarft aufspielenden Darsteller schließt man bei allem die Figuren doch ins Herz. Ernst nehmen kann man ihn oftmalas nicht, verdammen ebensowenig.

Fazit: Ultimative Kitschbombe mit funktionierenden emotionalen Momenten!

Rating: ★★★☆☆

Deadfall

Joe und sein Vater Mike begehen kleine Betrügereien bis eine Aktion furchtbar schief geht und Mike umkommt. Daher flieht Joe zu Mikes  Zwillings-bruder nach Santa Monica der ihn in seine eigenen kriminellen Machenschaften einspannt …

Mich hat an diesem Film sehr verwundert daß er mir nie untergekommen ist. Eigentlich war er aus vielen Gründen interessant: 1993 fing ich schon an mich für Film zu interessieren, Hauptdarsteller Michael Biehn war eh mein Held (durch die Rolle des Kyle Reese aus „Terminator“) und mit Stars wie Nicolas Cage, Charlie Sheen , Peter Fonda und James Coburn sind auch einige ppuläre Gesichter dabei. Inhaltlich ist das Ding auch nicht so unfassbar schlecht: eigentlich ist es ein humoriger Film Noir, der zwar bleischwer aus dem Off kommentiert wird, aber nie die entsprechende Tiefe hat. Dazu gibt’s eine völlig austauschbare Thriller Story mit ein paar Krimianteilen und für Nicolas Cage die Gelegenheit mal wieder den Irren zu geben (auch wenn durch die miese Synchro viel verloren geht). Als Klassiker muß man den nicht sehen, wenn man mal reinzappt lohnt sich aber durchaus ein Blick.

Fazit: Gut besetzter und leicht verstaubter Thriller!

Rating: ★★★☆☆

Kin

Teenager Eli (Myles Truitt) findet einen mysteriösen Gegenstand, der sich als mächtige Waffe erweist. Damit eilt er seinem Adoptivbruder Jimmy (Jack Reynor) zu Hilfe als der von einem Ganoven (James Franco) bedroht wird. Damit wird er zur Zielscheibe der Polizei, der Gangster und einer außerirdischen Präsenz …

Ein Film der sich irgendwie jeder Einordnung entzieht. Der Beginn jedenfalls kam mir vor als hätten hier die Seiten von mehreren Drehbüchern irgendwie aneinandergeklebt. Da ist zum Teil eine ominöse Geschichte eines kleinen Jungen der an ein futuristisches Gewehr gerät, auf der anderen Seite ist es die Geschichte eines Kriminellen der aus dem Gefängnis kommt und sein Umfeld und seine Familie ins Unglück stürzt. Diese Geschichte finden dann zusammen und werden zu einer Art Road Movie. Spannend dabei: das Ding sieht extrem schlicht aus, arbeitet aber mit einer sehr futuristischen Story. Und macht dabei sehr vieles richtig: der Film hat glatt das Grundgefühl von Stranger Things und könnte eine ähnliche Zielgruppe erreichen. Beim Massenpublikum dürfte die wilde Genremixtur hingegen nichtg so sehr punkten.

Fazit: Kleiner und eigenwiller Film, außerhalb der Schema F Werke.

Rating: ★★★★☆

The Front Runner – Der Spitzenkandidat

Die Biographie des US-amerikanischen Politiker Gary Hart (Hugh Jackmann), mit dem Schwerpunkt der Wahlkampfkampagne im Jahr 1988. Dort hatte Hart eigentlich die besten denkbaren Chancen, gerät aber ins Straucheln als Details einer Affäre herauskommen …

Eigentlich eine recht uninteressante Geschichte: die Vorfälle rund um einen Politiker der auf enem sehr guten Weg war, dem aber dann sein eigenes Verhalten zum Verhängnis wurde. Und bei dieser Beschreibung möchte ich den Film gerne hassen und insbesondere die Hauptfigur. Leider wird diese von Hugh Jackman gespielt, einem der wohl nettesten Menschen der Welt. Und da es wohl das Ziel des Films ist daß man als Zuschauer selbst entscheidet kann es passieren daß einem der Kerl dem alles über den Kopf wächst sympathisch wird weil man eben Jackman mag. Dazu kommt der entspannte Erzählton und die technische Umsetzung die bewußt altmodisch ist: der Film arbeitet ausschließlich mit Technik die es so auch in den 80er Jahren gab. Deswegen ist dies nicht gerda ein Highlight, sehr wohl aber ein interessanter Blick auf einen realen Vorfall

Fazit: Relativ ereignislose Abzählung eines realen Vorgangs, durchaus mit einem gewissen Unterhaltungswert.
Rating: ★★★☆☆

X-Men – Dark Phoenix

Zehn Jahre nach dem Sieg über Apocalypse aufgenommen ist der Erfolg Charles Xavier (James McAvoy) zu Kopf gestiegen so daß er seine Mutanten auf immer riskantere Einsätze schickt. So schickt er Mystique (Jennifer Lawrence), Beast (Nicholas Hoult), Storm (Alexandra Shipp), Nightcrawler (Kodi Smit-McPhee) und Quicksilver (Evan Peters) ins Weltall wobei Jean Grey (Sophie Turner) einer großen Energiequelle ausgestzt wird und daraufhin eine gefährliche Veränderung durchmacht …

Dieser Film hatte es wohl von Anfang an schwer: er ist die xte Fortsetzung eines Franchises das eigentlich zu Ende erzählt ist, es fehlen beliebte Figuren welche die Fans erfreut hätten (Wolverine etwa) und der Film wurde stetig neu verschoben und letztzlich zwei Jahre später als geplant veröffentlicht … das ist niemals ein gutes Zeichen. Trotzdem sollte man fair bleiben und den Film nicht automatisch zur ultimativen Vollkatastrophe machen. Er vereint schon eine ganze Reihe populärer Figuren erneut, unter denen aber so viel Streit, Stress und Zwietracht herrscht daß es eigentlich kaum Spaß macht ihnen zuzuschauen. Ebenso werden einige nette Sets und Szenarien entworfen die zwar nicht die Größe von anderen Titeln erreichen, aber hier und da ganz passabel ausfallen. Die größte Schwäche sind wohl die Antagonisten, so ist z.B. Jessica Chastain die Parodie eines Oberschurken und ihre Folgschaft mit denen die X-Men im Showdown kämpfen sind vermutlich die langweiligsten Endgegner welche die Serie je hatte. Insgesamt hätte das alles aber schlechter und langweiliger ausfallen können: im Rahmen der Umstände ist dies nicht das beste Finale welches die Serie hätte haben können, aber immer noch auf solidem Level.

Fazit: Unnötiges Sequel welches aber viel richtig macht!

Rating: ★★★☆☆

The Dead don’t Die

In der Kleinstadt Centerville ereignen sich merkwürdige Vorfälle und dann erheben sich auch noch Tote aus ihren Gräbern und greifen die Lebenden an. Mitten in diesem Chaos versucht der Polizisten Ronnie Peterson (Adam Driver), sein Vater Cliff Robertson (Bill Murray) und Mindy Morrison (Chloë Sevigny) die Lage zu retten …

Hier macht es überhaupt keinen Sinn irgendwie inhaltliche Daten aufzuzählen oder sonstwie zu versuchen eine Empfehlung abzugeben. Der reine Plot ist ganz einfach; es wird eine Kleinstadt von Zombies angegriffen. Es geht nicht darum die hundertste Variante einer Zombie Attacke darzustellen oder Figuren zu präsentieren, die heldenhaft um ihr Überleben kämpfen. Dieser Film macht etwas ganz anderes: im Grunde ist es so als habe jemand das Skript für einen Zombiefilm genommen und alle Punkte die typische dramaturgische Wendungen enthalten einfach aus dem Fenster geworfen. Es geht um Figuren die nicht so handeln wie es Menschen in der Realität oder einer filmischen Wirklichkeit tun, es wird hier und da mal die vierte Wand durchbrochen, es tauchen Figuren auf und sterben ohne für die Story irgendeinen Beitrag geleistet zu haben .. ebenso gibt es reihenweise Szenen die eigentlich völlig ohne Belang sind. Warum also lohnt es sich dem Film eine Chance zu geben? Das kann man im Grunde nicht beantworten da die Antwort restlos individuell ist. Der Film funktioniert nicht als typischer Horrorfilm sondern als Kunst Film und ich kann jeden verstehen der in der gebremsten Langsamkeit pure Langeweile und Nervtöterei sieht, ebenso kann es aber sein dass man in diesem entschleunigten Mikrokosmos irgendwie einen Sinn für den kauzigen Humor hat und deswegen sehr vieles sehr lustig findet. Das kann man versuchen aber nicht garantieren, wobei es ein gutes Indiz ist ob man schon mit früheren Jim Jarmusch Werken Probleme hatte oder nicht.

Fazit: Mag den Plot eines Zombie Films haben ist aber ein eigensinniger Kunst Film dessen Humor sich nicht jedem erschließen dürfte!

Rating: ★★★★☆